• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
Englische Siedlungen: Bima will 270 Häuser sanieren
+++ Eilmeldung +++

Lindan-Skandal In Oldenburg
Englische Siedlungen: Bima will 270 Häuser sanieren

NWZonline.de Region Friesland Politik

So bunt war es einst in Bockhorn

22.05.2019

Bockhorn „Wenn wir mit dem Fahrrad unterwegs waren, haben wir zwischendurch immer wieder angehalten und wilde Himbeeren gepflückt“, sagt Irmgard Bohlken. Die Bockhornerin erinnert sich: „Überall wuchsen wilde Himbeeren und auch Blaubeeren und Preiselbeeren, wenn man nach Neuenburg Richtung Fuhrenkamp gefahren ist.“ Heute geht wohl niemand mehr mit Eimern los, um Preiselbeeren im Fuhrenkamp zu sammeln.

„Oder die Kamille, da geht es ja schon los“, sagt Herma Peterberns. „Früher wuchs überall an den Wegesrändern Kamille und wir haben sie gesammelt und getrocknet, um daraus Tee zu machen. Der schmeckte auch viel besser.“

Nicht nur Kräuter für Tee, sondern auch Heilkräuter wuchsen auf Schritt und Tritt in der Natur. „Schafgarbe zum Beispiel. Die haben wir an Wiesen und Feldern gesammelt, die war überall. Sie wirkt entzündungshemmend“, sagt Herma Peterberns. „Ja, und das Gänsefingerkraut“, erinnert sich Elisabeth Hülsmann. „Das mussten wir im Krieg immer suchen. Und Butterblumen. Die Milch hat man auf Warzen geschmiert, das hat geholfen.“ Dr. Wolfgang Staubwasser weiß noch: „Auch Löwenzahn hat da geholfen. Davon gab es reichlich.“

Heute sind viele Wegesränder einfach nur grün – verschiedene Gräser eben. Nach Mohnblumen, Butterblumen oder gar Blaubeeren sucht man vielerorts vergebens.

In was für einer Artenvielfalt die Menschen noch vor fünfzig, sechzig Jahren lebten, wird erst im Vergleich klar. Denn die Arten – ob wilde Pflanzen oder Tiere, ob Insekten oder Vögel – werden weniger. Der Weltbiodiversitätsrat der Vereinten Nationen hat in diesem Mai einen Bericht zur Artenvielfalt veröffentlicht. Das Ergebnis: Die Zahl der Arten nimmt drastisch ab.

Die NWZ war im Wohnpark Bockhorn an der Hilgenholter Straße zu Gast, um zu hören, wie vielfältig Flora und Fauna in der Region einmal waren. Die Bewohner hatten viel zu erzählen. „Das war früher so schön bunt, wenn man im Sommer durch die Wiesen gegangen ist. Veilchen, Margeriten, Kornblumen und Mohnblumen, überall blühte es“, sagt Herma Peterberns. Sie ist in Ostfriesland aufgewachsen. Und da, sagt sie, habe es auch viele Rebhühner gegeben. Damals.

Oder die Insekten – auch, wenn sie nicht immer nützlich waren, es waren doch mehr. Irmgard Bohlken erinnert sich: „Wir haben regelmäßig schulfrei bekommen und mussten dann auf die Felder, um Kartoffelkäfer abzusammeln.“ Kartoffelkäfer hat sie seit Jahren keinen mehr gesehen. Genau wie die vielen bunten Schmetterlinge. „Da war zum Beispiel der Kohlweißling. Den hat man früher öfter gesehen“, sagt Elisabeth Hülsmann. Auch Wespen und Bienen gebe es weniger. Marion Fabrytzek, Mitarbeiterin im Wohnpark Bockhorn, stellt das im eigenen Garten fest. „Wir haben einen Mirabellenbaum, und wenn die Früchte reif waren und zu Boden gefallen sind, durfte man früher ohne Schuhe gar nicht mehr in den Garten gehen, weil alles voll war mit Bienen und Wespen. Jetzt sind da kaum noch welche.“

Oder die Obstbäume. „In Ostfriesland gab es damals viele wilde Kirschbäume. Da konnte sich einfach jeder dran bedienen“, erinnert sich Herma Peterberns. An den Kirschbäumen haben sich auch die Vögel bedient, doch auch davon sehe man heute weniger als früher. „Es gab mehr Rotkehlchen“, erinnert sich Dr. Wolfgang Staubwasser. Und nicht nur auf dem Land habe sich das verändert. Doris Thiel kennt auch den Vergleich zur Stadt: „Wenn man in einem Café saß und es sind einem ein paar Krümel vom Kuchen runtergefallen, kamen sofort die Spatzen. Das gibt’s ja auch kaum noch.“

Die frechen Eichhörnchen, die sich um die Stämme der großen Eichen jagten, klopfende Spechte im Wald, auf den Äckern Feldhamster und Hasen – all das gehörte in der Kindheit der Senioren zum Alltag. Heute sei es schon etwas Besonderes, einen Kiebitz zu sehen, einen bunten Schmetterling oder leuchtend roten wilden Mohn.

Natürlich ist der Artenrückgang auf dem Land nicht gleichzusetzen mit dem Artensterben, auf das die Vereinten Nationen jetzt hingewiesen haben. Doch die Tendenz ist die gleiche: Die Vielfalt, die sogenannte Biodiversität, nimmt ab. Schuld ist der Mensch.

Forscher aus mehr als 50 Ländern haben über mehrere Jahre wissenschaftliche Arbeiten zur Entwicklung der Biodiversität ausgewertet. Sie sind zu dem Schluss gekommen, dass es mehrere entscheidende Gründe für das Artensterben gibt. Alle hängen mit dem Menschen zusammen, der immer mehr Einfluss auf die Natur nimmt. Drei Viertel aller Landflächen und zwei Drittel der Ozeane seien bereits entscheidend durch den Menschen verändert.

Ein weiterer Aspekt sind sogenannte „invasive Arten“, die heimische Tiere und Pflanzen verdrängen. Ein Beispiel aus der Region ist der Kirschlorbeer – der Strauch kommt ursprünglich aus dem Kaukasus und Westasien und hat sich in Friesland längst verbreitet. Die Nutzung von Pflanzen und Tieren, also die intensive Landwirtschaft, führen die Forscher ebenso als Grund auf wie den Klimawandel und die Verschmutzung der Umwelt.


Ein Spezial unter:   www.nwzonline.de/insektenjahr 
Sandra Binkenstein Varel / Redaktion Friesland
Rufen Sie mich an:
04451 9988 2506
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.