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NWZonline.de Region Friesland Politik

Wo bleibt das schnelle Internet?

11.08.2018

Bockhornerfeld Durch eine uralte Telefonleitung aus der Nachkriegszeit kriechen die Daten in die Häuser an der Dorfstraße. Wenn Mirco Osterthun eine Seite im Internet aufrufen will, kann er sich einen Kaffee kochen, während die Seite lädt. Wenn er einen Film im Internet streamt, dann wundert er sich nicht, wenn das Bild zwischendurch schwarz wird. „Dann denke ich immer: Jetzt hat sich ein Nachbar bestimmt auch gerade eingeloggt“. Und wenn der 42-Jährige etwas aus dem Internet herunterladen will, muss er den Rechner dafür in der Nacht laufen lassen.

Tagsüber teilt er sich die klägliche Bandbreite nämlich mit seinen Nachbarn an der Dorfstraße, weil dann alle auf der gleichen uralten Telefonleitung im Internet surfen. „Und die Leitung ist auch noch durchsiebt von Fehlern“, sagt Osterthun.

In Bockhornerfeld sind viele Anwohner der Dorfstraße mit gerade mal 5 Megabit (MBit) pro Sekunde im Netz. Bezahlen tun sie aber für 16 MBit. Und eigentlich hatten sie schon vor sieben Jahren gehofft, dass auch ihr Internet bald mit 50 MBit pro Sekunde per Glasfaserkabel kommt: Im Jahr 2011 hat die EWE in Bockhornerfeld ein Glasfaserkabel für schnelles Internet verlegt. Blöd nur, dass nicht alle Haushalte daran angeschlossen sind.

Kaum Handy-Empfang

Gleichzeitig im Internet surfen und mit dem Festnetztelefon telefonieren – das geht für viele Anwohner der Dorfstraße nicht. Wäre ja auch nicht so schlimm, wenn man wenigstens Handy-Empfang hätte. Hat man aber nicht. Bei Familie Männel stehen die Handys immer in einer Reihe angelehnt am Fensterrahmen. Damit erhöhen sie die Chance, dass die Telefone tatsächlich klingeln, wenn jemand versucht, anzurufen.

Mirco Osterthun weiß genau, an welcher Stelle im Garten er eine Chance auf Handy-Empfang hat: an der Buche. „Aber auch nur, bis der Mais hoch steht. Dann kommt kein Signal mehr durch.“ Und wenn wieder das Internet ausfällt, können die Bockhornerfelder nicht mal den Störungsdienst anrufen. Womit denn auch?

„Ich bin stinksauer“, sagt Mirco Osterthun. „Seit Jahren versuche ich, irgendetwas zu erreichen, aber die EWE und der Landkreis rühren sich nicht.“ Nachbarin Ramona Jochens erinnert sich noch genau an die Versprechen der Politik: „,Ort des schnellen Internets’ sollte Bockhornerfeld werden. Das stand sogar auf einem Schild, das die EWE an der Dorfstraße aufgestellt hatte.“ Das Schild steht da schon lange nicht mehr.

Teurer Hausanschluss

Für den Netzausbau in Bockhornerfeld ist der Landkreis Friesland zuständig, doch das Glasfaserkabel an der Dorfstraße gehört der EWE. „Das ist ein sogenanntes Backbone-Kabel, das nicht ohne hohen finanziellen Aufwand für Hausanschlüsse genutzt werden kann“, sagt Mathias Radowski, Sprecher der EWE. „Sie könnten das mit einer Autobahn vergleichen. Um mit dem Auto zum Haus zu kommen, brauchen Sie eine Abfahrt, eine Straße und eine Einfahrt zum Grundstück – nur das hier zusätzlich noch technische Stationen an den jeweiligen Kreuzungen benötigt werden“, erklärt Radowski.

Mirco Osterthun hatte mal bei der EWE nachgefragt, was so ein Anschluss kosten würde. Die Antwort: Mit Kosten etwa in Höhe von 20 000 Euro müsse er wohl rechnen.

Auf der Internetseite des Landkreises Friesland steht, wenn man sie denn aufrufen kann, eine aktuelle Meldung zum Breitbandausbau in Friesland. Darin wird Norbert Westfal, Sprecher der Geschäftsführung der EWE Tel zitiert: „Schon heute profitieren 28 000 Haushalte im Landkreis Friesland von unseren Ausbaumaßnahmen. Wir bieten in vielen Orten bereits bis zu 100 Megabit pro Sekunde und teilweise schon Gigabitgeschwindigkeiten. Aber ein Unternehmen alleine kann nicht jedes Haus mit einer schnellen Internetverbindung versorgen. Breitbandausbau ist Gemeinschaftsaufgabe.“

Das ist eine Anspielung auf die Pflicht des Landkreises, der sich den Breitbandausbau auf die Fahnen geschrieben hat. Der Landkreis hat vor, in den kommenden Jahren den Ausbau der digitalen Infrastruktur voranzutreiben, auch in Teilen Bockhornerfelds. Im Moment läuft die „Ausführungsplanung“, und wenn die Baumaßnahmen im Detail stehen, steht fest, welche Haushalte schnelleres Internet bekommen können. Erste Details dazu sollen im Herbst dieses Jahres vorliegen. Für Mirco Osterthun zählt nur eins: „EWE und Landkreis sollen jetzt endlich mal in’n Quark kommen.“

Sandra Binkenstein Varel / Redaktion Friesland
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