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NWZonline.de Region Friesland Politik

Den Wassermassen entkommt kaum einer

19.01.2018

Cäciliengroden „Wir sind die erste Generation, die das Klima beeinflusst und ändert, aber die letzte Generation, die dafür noch nicht die Folgen zu tragen hat.“ Das sagte der norwegische Klima- und Gletscherforscher Olav Orheim bereits Mitte der 1980er Jahre. Und das sagte auch der ehemalige Baudirektor Klaas-Heinrich Peters, der als Wasserbauingenieur fast vier Jahrzehnte lang für die staatliche Wasserwirtschaftsverwaltung des Landes Niedersachsen tätig war, am Mittwochabend in Cäciliengroden.

WanderAusstellung zur Weihnachtsflut 1717

Die Ausstellung „300 Jahre Weihnachtsflut – die verheerende Sturmflut von 1717 kam in der Christnacht“ ist noch bis zum 4. Februar im ev. Gemeindehaus „Die Brücke“ in Cäciliengroden, Paul-Hug-Straße 58, zu sehen.

Geöffnet ist die Ausstellung sonntags nach dem Gottesdienst sowie montags bis mittwochs und freitags von 8.30 bis 11.30 Uhr oder nach Absprache unter Tel. 04422/1438.

Weitere Termine: Ein Gedenkgottesdienst zur verheerenden Flut und ihrer Opfer mit Pastor Jörg Zimmermann in der Christuskirche folgt am Sonntag, 28. Januar, um 10 Uhr. Am Dienstag, 30. Januar, geht es mit Pastor Jörg Zimmermann um die Frage nach der Gerechtigkeit Gottes angesichts von Katastrophen und Schicksalsschlägen: „Wie kann Gott so etwas zulassen?“

Im evangelischen Gemeindehaus eröffnete Peters vor rund 50 Gästen gemeinsam mit Cäciliengrodens Pastor Jörg Zimmermann die Wanderausstellung zur Weihnachtssturmflut von 1717. Die Ausstellung wurde von der Akademie Dangast konzipiert und stieß bereits im Dezember im Weltnaturerbeportal Dangast auf großes Interesse. Sie zeigt die Schrecken, Tod und Leid jener verheerenden Flut vor 300 Jahren, geht aber auch mit Kartenmaterial auf die geografischen Dimensionen dieser sowie früherer und späterer Sturmfluten an der Nordseeküste ein.

Erschütternde Berichte

Michael Clemens, Nachfahre von Pastor und Geschichtsschreiber Johann Friderich Jansen aus Neuende, las Schreckliches und Erschütterndes aus dessen schonungslosen Aufzeichnungen über jene Zeit. Über Menschen, die zwar den über das Land hereinbrechenden Wassermassen fürs erste entkamen, sich auf Hausdächer und Baumwipfel retteten; aber dann dort jämmerlich erfroren oder völlig entkräftet ihre Kinder nicht länger festhalten konnten. . .

Sturmfluten wie die Weihnachtsflut von 1717 waren und sind an der Küste kein einmaliges Ereignis. In den Jahrhunderten zuvor und auch danach haben schwere Sturmfluten an der Küste immer wieder enorme Verluste an Land, Dörfern, Menschen und Tieren verursacht.

Was kommt in Zukunft? Worauf müssen sich die Menschen einstellen an der Küste? Diese Frage kann auch Klaas-Heinrich Peters natürlich nicht beantworten. „Was wir aber merken, ist, dass wir Stürme ,aus dem Stand‘ bekommen. Und dass wir Sturmfluten ohne lange Vorwarnung bekommen. Darauf müssen wir uns vorbereiten“, sagte Peters.

Allerdings: Auch in der Weihnachtsnacht von 1717 überraschte das wildgewordene Wasser die Menschen im Schlaf, die sich nach den Weihnachtsgottesdiensten einigermaßen beruhigt ins Bett gelegt hatten. Der Heiligabend-Sturm war bereits abgeflaut. Doch in der Nacht drehte der Wind, nahm an Stärke gewaltig zu und flutete die Küstenregion von Holland bis Dänemark. Mindestens 12 000 Menschen starben, fast 2500 Opfer waren im Oldenburger Land zu beklagen.

„Wir haben heute die Deiche so, dass wir uns bei Sturmflutwarnungen bis 2,5 Meter über dem mittleren Tidehochwasser noch mal beruhigt auf die Seite drehen können“, sagte Peters. „Erst wenn das Wasser höher steigt, wird es kritisch.“

Der Wasserbauingenieur erklärte, dass man die Deiche heute mit breiten Kappen und mit flacher Innenböschung zur Landseite im Verhältnis eins zu drei baue – und möglichst noch flacher.

Peters forderte in Sachen Deichbau und Küstenschutz schon anno 2000 beim damaligen niedersächsischen Umweltminister Wolfgang Jüttner als Investition in die Zukunft, eine Innenböschung im Verhältnis eins zu vier zu bauen. Wenn dann einmal schnell Anpassungen erforderlich seien, habe man vorbelastete Böden. Die Abmessungen dafür seien vorhanden. Man könne die Deiche dann binnenseitig aufsteilen auf eins zu drei. Bei dem hiesigen Kleiboden halten die Deiche immer noch einem befristeten Wellenüberschlag stand, überzeugte der Wasserbaufachmann damals den Minister. Man könne die Deiche um zwei Meter erhöhen – vorn an der Neigung von eins zu sechs sollte man nichts ändern. „Damit haben wir für die nächsten 100 oder sogar 150 Jahre Sicherheit“, argumentierte Peters. Der III. Oldenburgische Deichband habe dann auch dort, wo es aus statischen Gründen nicht erforderlich war, zweierlei gemacht: Erstens hat er mit den Deichumlagegeldern eine Abflachung auf eins zu vier finanziert und hat zweitens die zweiten Deichlinien ausgebaut.

Der nachfolgende Minister Sander hatte den Vorschlag als zu teuer eingestuft und stattdessen empfohlen, beim Ausbau der Deiche den Binnendeichsgraben so anzulegen, dass Platz genug bleibt für eine Neigung von eins zu vier. Und er sorgte dafür, dass man ohne neue Zulassungsverfahren die Deiche verstärken kann.

Mangelhafte Deichlinie

Die Sturmflut von 1717 traf auf eine schwache Deichlinie, erläuterte Klaas-Heinrich Peters. In den Jahren zuvor hatte es bereits mehrere Sturmfluten gegeben, die den Deichen schwer zugesetzt hatten. Die damals dänische Verwaltung in der Grafschaft Oldenburg hatte die Unterhaltung der Deiche sträflich vernachlässigt. Peters erwähnt natürlich auch Albert Brahms. Jenen damals gerade 25-jährigen Landwirt aus Sanderahm, der sich mit Frau und Kleinkind vor dem wilden Wasser rettete und sich unter dem Eindruck der Naturgewalten zum Deichbaupionier entwickelte. Er gilt heute als Begründer des Küsteningenieurwesens.

Mit der Weihnachtsflut von 1717 war das eiskalte Grauen lange nicht vorbei: Weitere Sturmfluten am 24. Januar und einen Monat später am am 25. Februar 1718 sowie die Neujahrsflut 1720/21 machten die Reparaturarbeiten an den Deichen bereits wieder zunichte. Zu einer durchgreifenden Reform des Deichwesens kam es erst mehr als 100 Jahre später.

Oliver Braun
Agentur Hanz
Redaktion Jever
Tel:
04461 965313

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