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NWZonline.de Region Friesland Politik

ZEITGESCHICHTE: Den Rassenbegriff der Nazis massiv kritisiert

02.05.2009

JEVER Mit einer Gedenkstunde an der Erinnerungstafel an der Blankgraft haben Jevers SPD-Senioren wie jedes Jahr der Tat von Johann Lünemann, Edgar Hinrichs und Max Rühlmann gedacht, die am 3. Mai 1945 Jever der Legende nach vor der Bombardierung durch die Alliierten bewahrten.

Die drei Männer hatten an jenem Abend in einem Akt des Aufbegehrens auf dem Schlossturm eine weiße Fahne gehisst und waren dann von Marinesoldaten abgeführt worden. Noch unter dem Eindruck der Bombardierung Wangerooges am 25. April und während Jever mit Verteidigungsanlagen, Volkssturm und Marinesoldaten auf Kampfhandlungen vorbereitet wurde, hatten sich am Abend zwischen 1500 und 3000 Menschen auf dem Marktplatz versammelt.

Obwohl die Gauhauptstadt Oldenburg bereits vor den anrückenden Alliierten kapituliert hatte, wollten die örtlichen Nazis und Militärs Jever verteidigen. Als jedoch der NSDAP-Kreisleiter Hans Flügel Durchhalteparolen deklamierte, begehrte die kriegsmüde Bevölkerung auf und entwaffnete ihn.

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„Wir haben dann schließlich getan, was wir konnten, um die Verantwortlichen von diesem Irrsinn abzuhalten, als es nichts nützte, haben wir eine gewaltige Protestkundgebung auf dem Marktplatz veranstaltet, die Hauptnazis verprügelt und aufs deutlichste erklärt, dass wir uns einer Verteidigung unserer Stadt widersetzen würden“, erinnerte sich 1946 in einem Brief ein Mann, der in Jever heute so gut wie vergessen ist: Christel Matthias Schröder (geb. 1915 in Elsfleth, gest. 1996 in Bremen) war von 1936 bis 1951 Pastor in Jever.

Pastor leistet Widerstand

Er gehörte zu der jeverschen Delegation, die am 3. Mai nach Wilhelmshaven gefahren war, um eine kampflose Übergabe Jevers zu fordern, war dafür verhaftet und eingesperrt worden. „Er war eine wichtige Person – vielleicht der einzige in Jever, den man als Widerständler bezeichnen kann“, sagt Volker Landig, Vorsitzender des Jeverländischen Altertums- und Heimatvereins, über Schröder.

Schröder war bereits während seines Studiums der Evangelischen Theologie, Religionswissenschaft und Indischen Philologie in Marburg/Lahn mit den Nazis aneinander geraten: In seiner Doktorarbeit „Rasse und Religion“ hatte er den nationalsozialistischen Rassenbegriff massiv kritisiert und sich damit gegen die herrschende Ideologie gestellt. Mit seiner universitären Karriere war es vorbei.

Auch als Pastor widersetzte Schröder sich: Die oldenburgische Kirchenleitung identifizierte sich stark mit dem Nationalsozialismus und verfocht die Linie der Deutschen Christen, einer rassistischen und antisemitischen Strömung in der evangelischen Kirche. Als Schröder sein theologisches Examen bei der Bekennenden Kirche ablegte, die bewusst in Opposition zum Nationalsozialismus stand, wurde er vom Oberkirchenrat fristlos entlassen. Die Kirchenbehörde schickte einen regimetreuen Nachfolger nach Jever. Doch als sich die jeversche Gemeinde auf die Seite Schröders stellte, gab der Oberkirchenrat nach und setzte Schröder wieder als Pastor ein.

Für den Lehrer und Geschichtsforscher Hartmut Peters ist Schröder der typische Vertreter eines regimekritischen Zeitgenossen, der in die innere Emigration floh: Bis auf sein mutiges Eingreifen am 3. Mai 1945 war Schröder ein eher unpolitischer Mensch. Dennoch blieb er nicht untätig: In seinem Umfeld hatten sich christliche Zirkel gebildet, die von den Nazis argwöhnisch beäugt wurden. „Unter den Augen der Nazis hat Schröder für die Gefallenen Trauergottesdienste abgehalten – damit widersetzte er sich der gängigen Helden-Verehrung“, weiß Volker Landig.

Erster Bürgermeister

Tatsächlich waren Schröders gegen den Nationalsozialismus gerichtete Aktivitäten bei den Alliierten nicht unbemerkt geblieben: Die Briten machten den jungen Pastor zum ersten Nachkriegs-Bürgermeister Jevers und die neue Oldenburgische Landesregierung trug ihm die Neustrukturierung der Erwachsenen- und Volksbildung auf. Die Zeitung der britischen Militäradministration „The Stag“ brachte am 23. November 1945 unter dem Titel „His Book was banned“ („Sein Buch wurde verboten“) einen sehr positiven Bericht über Schröder.

Doch Schröder erkannte bald, dass Politik und Verwaltungsarbeit ihm nicht lagen: Gut zwei Monate nach seiner Ernennung zum Bürgermeister gab er den Posten wieder ab und lehnte auch die Angebote der Regierung ab – er strebte eine Universitätsprofessur an.

Professor ist er zwar nie geworden, sondern blieb Pastor, doch gilt Christel Matthias Schröder bis heute als einer der Vorreiter der Religionswissenschaft: Bereits in seiner jeverschen Zeit veröffentlichte er unzählige Fachartikel und Bücher. Bis zu seinem Tod war er Herausgeber des Standardwerks „Die Religionen der Menschheit“ und setzte sich für die Aufarbeitung der Nazi-Ideologie in der Wissenschaft ein.

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