• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Deals
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Region Friesland Politik

Politik: Der vielen kaum bekannte Bürgermeister

10.09.2016

Schortens Kaum ist der Ärger um die umstrittene Umbenennung der Schumacher- und der Edert­straße in Upjever verflogen, befürchten einige Ratsvertreter in Schortens abermals Probleme wegen eines Straßennamens. Erneut geht es um eine Person und ihre vermeintliche Nähe zum NS-Regime.

Es geht um das neue Wohnquartier „Waldstraße“ in Addernhausen. Dort entstehen seit einigen Monaten Einfamilienhäuser, die ersten sind bezugsfertig. Vor wenigen Wochen wurde das Straßenschild aufgestellt: Emil-Martsfeld-Straße. Auf diesen Namen hat sich der Stadtrat bereits vor zwei Jahren mehrheitlich geeinigt.

Auf Liste mit NSDAP

Nun stellt sich heraus, dass Schortens’ ehemaliger Bürgermeister Emil Martsfeld, 1975 gestorben, bei der Gemeinderatswahl 1930 auf einer Liste kandidierte, auf der auch die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei NSDAP antrat. Bei einigen Ratsvertretern macht sich deshalb mit Blick auf die noch frische Diskussion in Upjever ein ungutes Gefühl breit.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den Corona-Update-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

„Vielleicht war der Straßenname doch keine so gute Idee?“, meint ein Grünen-Politiker. Auch in anderen Fraktionen kommen Zweifel auf. Der Verein der Gemeindebürger Ostiem, aus dessen Reihen der Straßenname vor zwei Jahren vorgeschlagen worden war, will möglichen Einwänden bereits entgegentreten und bittet in einem Schreiben an die Stadt darum, über den seinerzeit gefassten Beschluss nachzudenken.

Doch wer war Emil Martsfeld eigentlich? Konnte man im Spätherbst 1930, gut zwei Jahre vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 schon erkennen, welches menschenverachtende Regime entstand? Tut man Erich Martsfeld möglicherweise Unrecht, wenn man ihn wegen seiner frühen Kandidatur auf einer Liste mit der NSDAP in die „braune Ecke“ schiebt?

Auf der Liste der „Nationalen Arbeitsgemeinschaft der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei Schortens“ traten damals auch Bewerber des Handels- und Gewerbevereins Schortens, des „Hausbesitzer- und Landgebräuchervereins“ sowie des Vereins der Gemeindebürger Schortens an – Vorläufer der Gemeindebürger Ostiem.

Emil Martsfeld, 1882 geboren, war vor dem Ersten Weltkrieg Marinesoldat in der deutschen Kolonie Qingdao in China. „Mein Vater wollte in die Welt hinaus, etwas erleben“, sagt sein heute 79-jähriger Sohn Heinz Martsfeld. 1914 wurde Emil Martsfeld eingezogen, musste auf Kaisers Befehl zurück nach Europa, kämpfte an der Westfront und lernte das Grauen des Stellungskriegs in Frankreich und Belgien kennen. Nach kurzer Zeit in englischer Gefangenschaft sei er 1919 in seine Heimat entlassen worden.

Vor dem Krieg sei sein Vater Emil Martsfeld gern Soldat gewesen, die Kontakte zu den ehemaligen „Tsingtauern“ habe er bis ins hohe Alter gepflegt, sagt sein Sohn. Den Krieg selbst habe sein Vater jedoch verachtet.

Zu Hause in Addernhausen wurde aus dem Soldaten der Landwirt Emil Martsfeld. Mit Viehzucht und Ackerbau sorgte Martsfeld für seinen Lebensunterhalt. 1924 heiratete er, wurde Vater zweier Söhne, Eilhard und Heinz. Dann nahm das große Unheil seinen Lauf. Die Nationalsozialisten kamen an die Macht.

Emil Martsfeld blieb Landwirt in Addernhausen. Sein Sohn Eilhard wurde eingezogen. „Und kam nie mehr zurück“, sagt Heinz Martsfeld. Sein älterer Bruder gilt seit 1944 als vermisst in Rumänien.

In den Jahren der NS-Herrschaft sei der Kameradschaftsbund der Qingdao-Verbindung, in der Emil Martsfeld Mitglied war, von den Nazis vereinnahmt worden. So wurde sein Vater möglicherweise unfreiwillig Mitglied der NSDAP, meint Heinz Martsfeld. Genaues wisse er darüber nicht. „Lieber fahre ich den ganzen Tag lang Mist, als noch mal in den Krieg zu ziehen“, soll sein Vater gesagt haben. Er sei an der Heimatfront eingesetzt gewesen und habe versucht, den Krieg von seiner Familie fernzuhalten.

Pastor Volker Landig, Vorsitzender des Jeverländischen Altertums- und Heimatvereins, berichtet von einer Begebenheit, wonach Emil Martsfeld mit einer Familie Badberg aus Jever einer Familie Schutz gewährt haben soll, die sich vor den Nazi-Schergen in einem Haus am Alten Markt in Jever versteckt hielt. Walter Hirche, Elektromeister, seine jüdische Frau Erna und ihre Tochter wurde von Martsfeld offenbar mit Lebensmitteln versorgt. Die Familie soll den Krieg überlebt haben und später nach Israel ausgewandert sein.

Emil Martsfeld soll zudem ein guter Freund von Fritz Levi, dem „letzten Juden von Jever“, gewesen sein: „Die haben öfter zusammen Karten gespielt“, sagt sein Sohn.

Aus der Zeitung erfahren

Vor den Krieg war er von 1926 bis 1932 Ratsherr für die Gemeindebürger Schortens. Nach dem Krieg war Emil Martsfeld Mitbegründer der FDP Schortens und gehörte dem Rat von 1945 bis 1946 sowie von 1956 bis 1972 an. Von 1954 bis 1956 war er Bürgermeister. Er starb 1975. Rat und Verwaltung würdigten damals sein „Wirken für die Gemeinde in demokratischer Verantwortung“.

41 Jahre später erinnert nun eine kleine Straße in einem Neubaugebiet an Emil Martsfeld. Dass die Straße nach seinem Vater benannt wurde, hat Heinz Martsfeld übrigens erst aus der Zeitung erfahren. Von Stadt oder Politik habe sich keiner bei ihm oder seinem Sohn gemeldet und gefragt, wie man dazu stehe. „Wenn aber nun der Name geändert würde, fühlte ich mich persönlich entehrt“, sagt Heinz Martsfeld. „Das würde ich nicht verwinden.“

Oliver Braun Agentur Hanz / Redaktion Jever
Rufen Sie mich an:
04461 965313
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.