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NWZonline.de Region Friesland Politik

Devise: Feuer aus den Kesseln!

12.04.2014

Horumersiel-Schillig Der Kieler Matrosenaufstand wird gemeinhin als der Anfang vom Ende des Ersten Weltkrieges angesehen. Was weniger bekannt ist: Der erste Funke der Revolution entzündet sich auf Schillig-Reede, wo die deutsche Hochseeflotte 1918 einen Steinwurf vom Strand entfernt ankert. In der Nacht vom 29. auf den 30. Oktober weigern sich Heizer und Matrosen des I. und III. Geschwaders, die Kessel zu befeuern und die Anker zu lichten – die Offiziere müssen ihren Befehl zurücknehmen.

In einem geheim gehaltenen Flottenbefehl des Admirals Scheer beabsichtigt die Führung der Marine, eine Entscheidungsschlacht mit der britischen Flotte zu suchen. Der Befehl zum Auslaufen wird nur der Führung bekannt gemacht, spricht sich dennoch in Windeseile unter den Besatzungen der vor Schillig ankernden Flotte herum. Obwohl die Reichsregierung bereits über einen Waffenstillstand verhandelt, träumt die deutsche Admiralität von einer „ehrenvollen finalen Entscheidungsschlacht“ gegen eine überlegene „Grand Fleet“. Im Falle der Internierung sei die deutsche Flotte ohnehin verloren, meinen die Militärs.

Schlechte Stimmung

Die kriegsmüden Matrosen sehen das anders, sie wollen nicht als Kanonenfutter dienen. Die Stimmung in der Flotte war schon länger schlecht, bereits im Sommer 1917 gibt es Meutereien, als die Mannschaften hungern und schikanös behandelt werden. Die Aufstände werden brutal niedergeschlagen. Zwei Matrosen (Max Reichspietsch und Albin Köbis) werden in Köln exekutiert.

In der Nacht vom 29. auf den 30. Oktober verweigern die Matrosen auf drei Schlachtschiffen des III. Geschwaders (“König“, „Markgraf“ und „Großer Kurfürst“), dann den Befehl, die Kessel zu befeuern. Auch auf den Großlinienschiffen des I. Geschwaders, „Helgoland“ und „Thüringen“, die ebenfalls auf Schillig-Reede ankern, meutern die Matrosen.

Die Marineleitung lässt ihren Plan fallen, eine Entscheidungsschlacht zu suchen, da sie sich des Gehorsams der Mannschaften nicht mehr sicher sein kann. Das III. Geschwader wird in den Heimathafen Kiel zurückbeordert, wo die Meuterer verhaftet werden. Die Demonstrationen vor der Kieler Arrestanstalt führen zum Matrosenaufstand, der sich in allen Geschichtsbüchern findet. Während einer Kundgebung erschießt eine Militärpatrouille am 3. November sieben Demonstranten. Das ist der Auslöser zum bewaffneten Aufstand: Die Rebellion greift auf das Festland über.

Das I. Geschwader war nach Wilhelmshaven zurück beordert. Auch dort werden Befehlsverweigerer verhaftet. Unter der Losung „Wir sind das Volk“ ruft der Arbeiter- und Soldatenrat Wilhelmshaven am 10. November zu einer Kundgebung auf, um die „Stunde der Völkerbefreiung“ bis zur Vollendung der Revolution fortzuführen. Die Unruhen vor Schillig weiten sich zu einem Flächenbrand über Deutschland aus, der binnen Tagen zur Abdankung Kaiser Wilhelms II. und zur Ausrufung der Republik am 9. November 1918 führt.

Literarisch aufgearbeitet

Alles begann auf Schillig-Reede. Von dem revolutionären republikanischen Geist spült aber nichts an die Küste des Jeverlandes, ganz im Gegenteil: Nur 13 Jahre später hält der Nationalsozialismus auch dort Einzug und damit Adolf Hitler, der Deutschland in die nächste Katastrophe führen wird.

Der Matrosenaufstand wird 1930 in dem Schauspiel „Feuer aus den Kesseln“ von Ernst Toller (1893-1939) literarisch aufgearbeitet.

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