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NWZonline.de Region Friesland Politik

„Die Menschen brauchen Hilfe“

05.11.2014

Zetel Im vergangenen Jahr hat der 16-jährige Zeteler Sabri Akan zum ersten Mal das Dorf in der Türkei gesehen, aus dem seine Eltern und Großeltern vor 27 Jahren geflohen waren. Er nennt es seine „Heimat“. Nur noch zwei Menschen leben in dem Dorf. Alle anderen sind längst weg. Sabri ist in Friesland geboren, er macht an der Fachoberschule Varel sein Fachabitur. Aber mit den yezidischen Kurden, die im Nachbarland der Türkei, im Irak, von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) verfolgt werden, fühlt er sich tief verbunden. „Der Winter dort wird hart, und die Menschen haben nicht einmal Decken“, sagt Sabri Akan. Empathie nennt man das, die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen.

„Ihr wisst es alle“

Der 16-jährige Zeteler sammelt mit seiner Familie Spenden, vor allem Medikamente und medizinische Hilfsmittel, Kleidung und Decken, für die Menschen, die im Nordirak auf der Flucht vor der Terrormiliz IS sind, genau wie es auch der Zeteler Suleyman Yor macht.

Religiöse Minderheit

Yeziden gehören zum Volksstamm der Kurden. Sie sprechen die kurdische Sprache. In Deutschland leben rund 40 000 bis 50 000 Yeziden. Angehörige dieser Religion leben außerdem im Irak, in Syrien, in der Türkei, im Iran, in Armenien und Georgien.

Verfolgt werden die Yeziden im Irak von der Terrormiliz „Islamischen Staat“. Yeziden sind in den muslimisch geprägten Staaten eine religiöse Minderheit.

Spenden sammelt die yezidische Familie Akan aus Zetel für die Yeziden im Nordirak, vor allem Medikamente werden gebraucht. Infos gibt Sabri Akan unter Tel. 0174/6521979

Wer keine yezidischen Freunde oder Bekannte hat, für den ist der Terror im Nordirak vielleicht weit weg. Doch für die yezidischen Kurden ist er ganz nah – ob sie nun Familienangehörige in ihrer Heimat haben oder nicht. „Es sind bloß zweieinhalb, vielleicht drei Flugstunden. Das ist nicht weit weg“, sagt Sabri Akan. Sein Mitgefühl mit den Menschen in den Krisengebieten, in denen der Terror herrscht, hat ihm vielleicht sein Vater beigebracht.

Mustafa Akan (38) ist 1987 mit seiner Familie nach Deutschland geflohen. Heute will er anderen Menschen helfen, die verfolgt werden und auf der Flucht sind.

Er lebt in Zetel ein glückliches Leben, er hat eine große Familie, lebt in einem schönen großen Haus, arbeitet im Restaurant seines Bruders in Bockhorn. Aber wenn er den Fernseher einschaltet und sieht, was so nah an seiner Heimat, der Türkei, geschieht, ist er fassungslos. „Man muss da einfach helfen. Die Terroristen sind keine Menschen, es sind Barbaren. Was sie tun, hat nichts mit dem Koran zu tun“, sagt er. „Man sieht es in den Medien überall. Ihr wisst es alle.“

Die Kurden, sagt Mustafa Akan, kämpften nicht nur für die Kurden, sondern für die Menschlichkeit.

Auch Sabri könnte wie viele andere deutsche Jugendliche einfach sein Leben leben und sich, wenn er auf dem Weg zum Boxtraining beim TuS Zetel oder zur Schule nach Varel ist, keine Gedanken über die Schrecken des Terrors machen. Aber er macht sich Gedanken. „Es kämpfen auch radikale Salafisten aus Deutschland für die IS. Und sie werden zurückkommen mit Kampferfahrung. Wenn die deutsche Politik nichts tut, wird es auch hier früher oder später ein Problem mit Salafisten geben“, sagt er.

Auch sein Großvater, der 74-jährige Binno Akan, hat eine klare Meinung: Die deutsche Regierung solle klare Worte finden gegenüber der Türkei, die sich nicht klar genug gegen die IS positioniere, zu wenig handele. Das sagt er auf kurdisch, sein Sohn übersetzt.

Kontrollierte Transporte

Der Terror im Nordirak ist ein großes Thema in der Familie. Mutter Zeynep Akan und Schwägerin Hürriyet Akan verbringen viel Zeit damit, die Spenden zu sortieren, die schon von „lieben Mitbürgern“, wie sie sagen, eingegangen sind: Schuhe, Gehhilfen, Decken, Kleidung, Rollatoren und mehr.

Gebraucht werden vor allem Medikamente, erklärt Sabri Akan. Die Medikamenten-Spenden würden weitergeleitet an das Kurdische Rote Kreuz, deren Mitarbeiter die Spenden kontrollieren, sortieren, fachgerecht transportieren und dafür Sorge tragen, dass sie die richtigen Bedürftigen erreichen, erklärt Mustafa Akan.

Auch der vierjährige Bruder von Sabri Akan, der kleine Erdal, hat etwas gespendet: Spielzeug aus seinem Kinderzimmer.

Sandra Binkenstein Varel / Redaktion Friesland
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