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NWZonline.de Region Friesland Politik

Wangerland-Sofa In Hooksiel: Verlust der Heimat ist schwere Last

22.02.2020

Hooksiel Alles zurücklassen und gehen. „Wie schlecht müsste es Ihnen ergehen, damit Sie aus Ihrer Heimat fliehen?“ Thomas Adomeit, Bischof der ev.-luth. Kirche in Oldenburg, hat sich seit 2015 mit vielen Flüchtlingen über ihre Gründe unterhalten, den gefährlichen und langen Weg nach Europa und Deutschland zu wagen. „Es ist wichtig, sich die Geschichten der Flüchtlinge anzuhören, weil sie verstehbar machen, was auf der Welt los ist“, betonte Adomeit.

United4Rescue

Der Initiative United4Res­cue gehören neben Kirchen in Deutschland und Diakonie auch Gewerkschaften, Menschenrechtsgruppen und weitere soziale Aktivisten an. Mit Hilfe von Spenden wurde im Januar das Schiff „Sea-Watch 4“ gekauft. Nach dem zurzeit laufenden Um- und Ausbau soll das Schiff noch im Frühjahr ins Mittelmeer verlegen. Seine Aufgabe: Flüchtlinge von Booten im Mittelmeer an Bord nehmen.

Mehr Infos unter www.united4rescue.com

Er nahm am Donnerstagabend im Walter-Spitta-Haus Hooksiel auf dem „Wangerland-Sofa“ Platz. Im Rahmen des Demokratie-Projekts „Miteinander reden“ hatte Bruder Franziskus vom Rogate-Kloster Berlin das Thema „Flucht“ in den Mittelpunkt gestellt. „Was heißt das, zu flüchten, übers Meer zu fahren?“ – diese Frage beantworteten Sahar und Mohammed. Beide stammen aus Syrien, Mohammed aus Aleppo, Sahar aus dem Grenzland zu Jordanien. Und beide sind 2015 mit ihren Familien nach Deutschland geflohen.

Beide waren von Schleppern im türkischen Izmir ins Schlauchboot gesetzt und zur 15 Kilometer entfernten griechischen Insel Lesbos geschickt worden. Von dort ging es per Fähre nach Athen und dann über Mazedoniern, Serbien und Ungarn nach Österreich, von dort nach Deutschland – per Bus, per Bahn, zum Teil zu Fuß.

Vor allem die Überfahrt nach Griechenland per Boot verfolgt beide noch: „Ich habe einige Boote kentern sehen“, sagt Mohammed. Er, seine Frau und drei Kinder waren im September 2015 im Konvoi vieler Schlauchboote übergesetzt. Die Erinnerung falle ihm schwer, sagt er.

Sahar wagte die Überfahrt mit ihren drei Kindern im November – ein einziges Boot nahm damals den Weg nach Lesbos. „Es musste alles ganz schnell gehen, deshalb ließ ich alles Gepäck am Strand“, erzählt die Gymnasiallehrerin, die eigentlich nie vorhatte, ihre Heimat zu verlassen. Doch sie wünschte sich Sicherheit für ihre Kinder. Und die gab es in Daraa nicht: „Dort begann der Krieg.“

Und dann der Schock auf See: Motorausfall. „Meine zehn Jahre alte Tochter sagte: ,Mama, ich bin sicher, wir sterben jetzt‘“, erzählt Sahar. Der Motor sprang dann doch wieder an...

„Meine Kinder wollen heute nichts mehr hören von Syrien und von der Flucht“, sagt Sahar. Und zurück wollen sie auch nicht. „Ich habe immer Heimweh“, sagt dagegen ihre Mutter. Mittlerweile ist auch ihr Mann nach Hooksiel nachgekommen – er hatte Frau und Kinder die Flucht ermöglicht, indem er in Damaskus blieb und arbeitete.

„Ich bin jedes Mal angefasst, wenn ich eine Geschichte wie diese höre“, sagt Heide Grünefeld, Migrationsberaterin bei der Diakonie. Sie stellt immer wieder fest, dass die Flüchtlinge mit ihren Erlebnissen allein gelassen sind. „Mittlerweile begegnen ihnen die Deutschen mit hohen Erwartungen an ihre Integration – dabei tragen die Migranten immer noch schwer am Verlust ihrer Heimat“, weiß Grünefeld. Sie wünscht sich, dass viel mehr Einheimische den Migranten mit Freundschaft auf Augenhöhe begegnen.

Auch Adomeit, der seit 2015 Flüchtlinge bei sich aufgenommen hat, wünscht sich, dass Deutsche mehr zuhören, was ihnen Migranten zu erzählen haben. „Mein Leben ist dadurch reicher geworden.“

Mehr noch: Die oldenburgische Kirche gehört zu den Unterstützern der Initiative „United4Rescue“, die im Frühjahr ein Schiff ins Mittelmeer schickt, um die Überfahrt der Flüchtlinge sicherer zu machen. Die Kirche beschreibt das als Seenotrettung. „Menschen dürfen nicht ertrinken“, betont Adomeit.

Melanie Hanz Agentur Hanz / Redaktion Jever
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