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NWZonline.de Region Friesland Politik

Ausstellung Des Präventionsrates Wangerland: Nach außen die heile Welt – und drinnen die Hölle

28.11.2019

Horumersiel „Da werden Erinnerungen wach“ hat jemand in ungelenker Schrift auf einem Klebezettel notiert. Am Ausgang können Besucher an einer Pinnwand mitteilen, mit welchen Gefühlen sie die Ausstellung „Zerrissen – Kinder als Opfer häuslicher Gewalt“ erlebt haben, was die Bilder, Texte und Darstellungen bei ihnen ausgelöst haben. Andere schreiben „schockiert“ und „verwirrt“, einer stellt hingegen fest: „Ich bin stolz auf meine Familie“.

Keine Frage, die Ausstellung, die der Präventionsrat Wangerland in dieser Woche im Haus des Gastes in Horumersiel mit weiteren Kooperationspartnern gezeigt hat, geht nahe und lässt kaum jemanden unberührt. Es geht um Liebe, die in Gewalt umschlägt. Um prügelnde Partner und Ehemänner, um schlagende Väter. Um psychische Gewalt, um sexuelle Gewalt und – auch das gibt es – um finanzielle Gewalt. Eine Besucherin der Ausstellung fragte, ob es auch häusliche Gewalt sei, wenn der Mann ihr den Geldhahn zudrehe und sie keinen Zugriff auf das Konto habe.

Der Präventionsrat hatte nicht nur die Ausstellung des Landeskriminalamts zum Thema „Häusliche Gewalt“ nach Horumersiel geholt, sondern eine Themenwoche mit Fachvorträgen angeboten. So berichtete Rechtsmedizinerin Sarah Stockhausen von der Medizinischen Hochschule Hannover über das Netzwerk ProBeweis, das Hilfe bei häuslicher und sexueller Gewalt anbietet und Beweise und Spuren unabhängig von einer Anzeige dokumentiert. „Für ein späteres Gerichtsverfahren ist es sehr wichtig, umgehend nach Gewalterfahrung Befunde und Spuren fachkundig zu sichern“, sagte Stockhausen.

Geschrien, geprügelt, psychische oder sexuelle Gewalt gegen den Partner wird in allen gesellschaftlichen Schichten ausgeübt. Nur relativ wenige Fälle von häuslicher Gewalt werden angezeigt, ein großer Teil der Übergriffe bleibt verborgen: Aus Scham oder aus Angst, wegen der Kinder oder weil den Betroffnen Unterstützung von außen fehlt und sie sich niemandem anvertrauen und für blaue Flecken, Platz- und Risswunden immer neue Erklärungen haben. Hauptsache den Schein wahren und die Illusion von Liebe. Nach draußen die heile Welt vorspielen, drinnen die Hölle erleben.

Gewalt in der Partnerschaft gehört zu den häufigsten Straftaten in Deutschland. 2019 wurden 140 755 Betroffene in Deutschland Opfer von (angezeigter) Partnerschaftsgewalt. Die Dunkelziffer aber, so Experten, ist um ein vielfaches höher. Und die Zahlen steigen von Jahr zu Jahr.

Nicht selten endet Gewalt in der Partnerschaft tödlich: In Oldenburg beginnt kommende Woche vor dem Landgereicht ein Prozess gegen einen Mann, der seine Freundin getötet haben soll. Er konnte nicht akzeptieren, dass seine Freundin ihn verlassen wollte.

Zu den Referenten gehörte auch die Leiterin des Frauenhauses, Jennifer Nöskes, und Burkhard Jutz von der Organisation „Männer gegen Männergewalt“ aus Bremen, der von der Arbeit mit den Tätern berichtete und warum Männer zu Tätern werden. Nöskes berichtete, was Gewalt in Partnerschaften mit den Kindern macht, die unfreiwillig mitansehen müssen, wenn der Vater oder Lebenspartner die Mutter verprügelt, bedroht und erniedrigt. „Kinder bekommen viel mehr mit und leiden mit“, sagt Nöskes. Was das mit den Kindern macht, davon berichtet die Psychologin Stefanie Thiede-Moralejo, die zu den Auswirkungen erlebter häuslicher Gewalt unter anderem vor Erzieherinnen und Erziehern sprach.

In Deutschland gibt es zurzeit 350 Frauenhäuser mit gerade mal 6700 Plätzen für Frauen und ihre Kinder – eines auch in Wilhelmshaven. Das sind viel zu wenige, sagen Frauenhilfsorganisationen.

Oliver Braun Agentur Hanz / Redaktion Jever
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