• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Friesland Politik

Im Bunker Schutz gefunden

17.04.2015

Wangerooge Marlies Stenzel war 14 Jahre alt, als sie den Luftangriff auf Wangerooge miterlebte. „Noch heute fällt es mir schwer, wenn ich im Fernsehen etwas über Bombenangriffe sehe“, sagt sie. Und dennoch ist sie bereit, ihre Geschichte zu erzählen.

Was in der Zeit schon vor dem Zweiten Weltkrieg geschah, hatte Marlies Stenzel damals nicht überblicken können. „Zum einen realisiert man das in dem Alter ja gar nicht so, zum anderen war die Insel auch nicht so betroffen, dass wir zum Beispiel politisch streng erzogen wurden“, erzählt die 84-Jährige.

Trotzdem hatte die Insulanerin durch ihren Vater etwas Wichtiges gelernt: „Er war Unterwasserhorcher, das heißt, er saß in einem Bunker und nahm mit Hilfe von Kopfhörern Geräusche unter Wasser wahr, um feindliche U-Boote oder abgeworfene Unterwassermienen zu erkunden.“ Als am 18. und 19. April 1945 Helgoland bombardiert wurde, konnte Marlies Stenzel das von der Promenade aus beobachten. „Mein Vater sagte: Beim nächsten Alarm kommt ihr zu mir in den Bunker an der Signalstelle.“

Noch heute erinnert sich Marlies Stenzel genau an den Tag des Angriffs. An dem Nachmittag saß die damals 14-Jährige an ihrem Schreibtisch und erledigte ihre Hausaufgaben. „Ich weiß noch genau, dass ich einen Aufsatz schrieb – und der war mir richtig gut gelungen“, erzählt sie. „Ich habe nach draußen geschaut und es war ein schöner Sonnentag, draußen lagen Menschen am Strand und haben sich gesonnt.“ Sie entschied sich, auch nach draußen zu gehen, um ihre Schulfreundin zu besuchen. Als sie unterwegs war, ertönte plötzlich der Alarm.

So schnell sie konnte, rannte Marlies Stenzel erst nach Hause und dann gemeinsam mit ihrer Familie in Richtung des Bunkers. „Da wurden schon die ersten Bomben abgeworfen und wir schmissen uns an den Straßenrand, um uns irgendwie zu schützen“, erinnert sie sich. Dennoch konnte sich die ganze Familie im Bunker retten.

„Bis heute kann ich immer noch nicht begreifen, wie so ein Bunker hüpfen kann – doch während des Angriffs tat er es“, erinnert sich Marlies Stenzel. Etwa 20 Minuten musste die Familie im Bunker ausharren, dann war der Angriff vorüber. „Meine Mutter sagte dann ,Jetzt gehen wir aber nach Hause‘, doch mein Vater antwortete ,Wir haben keins mehr‘: Zwei Bomben waren in unser Haus eingeschlagen und ein Brand zerstörte alles.“

Ein schreckliches Bild bot sich den Wangeroogern nach dem Angriff: Häuser waren durch Bomben getroffen und unbewohnbar, Menschen lagen leblos auf den Straßen. Rund 300 Menschen sind bei diesem Bombenangriff ums Leben gekommen. „Außerdem erinnere ich mich noch genau an die Schreie – es war einfach furchtbar“, sagt Marlies Stenzel.

Auch die Zeit nach dem Angriff war nicht leicht. Die Stenzels kamen in einem kleinen Häuschen der Wehrmacht unter, das gegenüber ihrem eigenen stand. Langsam baute die Familie gemeinsam wieder ihr eigenes Heim auf.

Schon damals betrieb die Familie die Insel-Druckerei, die bis heute existiert. „Als wir langsam unser Zuhause aufbauten, fingen wir auch an, die Druckerei wieder instand zu setzen“, so Stenzel. „Einiges haben wir aus den Trümmern gerettet, die Bleisätze etwa. Aber das meiste war kaputt. So habe ich zum Beispiel das Papier mit den Händen geschnitten.“

Noch heute denkt Marlies Stenzel oft über den Tag des Angriffs nach. „Es war schon eine sehr schwere Zeit. Doch ich bin auch stolz, dass wir den Wiederaufbau geschafft haben, und dass ich es so weit gebracht habe.“

Antje Brüggerhoff
Agentur Hanz
Redaktion Jever
Tel:
04461 965312

Weitere Nachrichten:

Wehrmacht

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.