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NWZonline.de Region Friesland Politik

Gemeindegründung: Insulaner müssen sich erst bewähren

01.05.2010

WANGEROOGE An diesem Sonnabend, 1. Mai, besteht die politische Gemeinde Wangerooge genau 125 Jahre. Bis zur Gemeindegründung 1885 hatten die Insulaner 25 Jahre lang als Bauerschaft und später Ortsgenossenschaft zur Gemeinde Minsen gehört. Bezirksvorsteher Conrad-Christian Janßen gelang es schließlich, Wangerooge in die Selbstständigkeit zu führen.

Gemeinden wurden im Herzogtum Oldenburg, zu dem das 1804 gegründete Nordseebad Wangerooge seit 1818 gehörte, bereits 1831 eingeführt: Die ehemaligen Kirchspiele erhielten die Funktion politischer Gemeinden, behielten aber die Bezeichnung Kirchspiel. Erst mit der zweiten Gemeindeordnung, die 1855 verkündet wurde und 1856 in Kraft trat, erhielten die Kirchspiele die Bezeichnung Gemeinde.

Im Februar 1855 sollten deshalb auf der Insel Gemeinderatswahlen stattfinden – die Wangerooger hatten jedoch ganz andere Sorgen: Zu Weihnachten und Neujahr 1855 hatten schwere Sturmfluten das alte Wangerooge zerstört: Von 73 Häusern waren 21 zerstört, die übrigen schwer beschädigt. Die Dünenreihen im Norden waren ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen – die Insel war vor Sturmfluten nicht mehr sicher.

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Der Oldenburger Regierung erschienen die Herausforderung aber auch die Kosten einer Befestigung der Insel zu groß: Sie legte den 342 Insulanern nahe, sich am Festland anzusiedeln. 233 Wangerooger nahmen bis 1858 das in Aussicht gestellte Startkapital an und gründeten u. a. die Siedlung Klein-Wangerooge in Varel.

Ratsherren auf See

Nachdem der erste Termin für die Gemeindratswahl kein Ergebnis gebracht hatte, wurde für den 22. Dezember 1855 ein weiterer festgelegt – dazu erschienen nur zwei Wahlberechtigte. Erst beim dritten Wahltermin Anfang 1956 wurde eine ordnungsgemäße Wahl abgehalten. Als jedoch der Gemeinderat am 9. April verpflichtet werden sollte, waren die Ratsherren bereits auf See und verdienten ihren Lebensunterhalt. Bis 1860 blieb die Gemeinde-Selbstverwaltung ein Provisorium. In dieser Zeit versuchten die übriggebliebenen Insulaner, den zuvor so erfolgreichen Badebetrieb aufrechtzuerhalten. Behindert wurden sie dabei von dem Verbot, den Westteil der Insel aufzugeben und im Osten ein neues Dorf zu gründen.

Denn die Oldenburger Regierung hatte zwischenzeitlich andere Pläne mit der Insel: 1853 hatte das Herzogtum dem Königreich Preußen am Jadebusen Land zum Bau eines Kriegshafens verkauft – nach und nach entstand Wilhelmshaven. Nun hoffte die Oldenburgische Regierung, auch Wangerooge als Vorwerk Wilhelmshavens an Preußen verkaufen zu können.

Daraus wurde zwar nichts, doch Wangerooge profitierte ab 1874 dennoch von seiner strategischen Lage an der Einfahrt in die Jade: Die Insel wurde nach und nach durch Dünenschutzbauten und Buhnen befestigt.

Gemeinde wird aufgelöst

Als im Mai 1860 noch immer kein Gemeinderat gewählt war und auch der letzte öffentliche Vertreter die Insel verließ, beschloss die Oldenburgische Regierung, das Provisorium auf Wangerooge zu beenden: Am 16. Juni 1860 veröffentlichte das Oldenburgische Gesetzblatt die Order, „Die Gemeinde Wangerooge ist aufgehoben“ und „der Bezirk wird der Gemeinde Minsen als Bauerschaft zugeordnet“.

Das passte weder den Wangeroogern noch den Minsenern: In den folgenden Jahren gehen bei der Oldenburgischen Regierung sowohl von den Minsenern als auch von den Wangeroogern Denkschriften ein, die fordern, die Zuordnung rückgängig zu machen.

Bau des neuen Dorfs

In dieser Zeit stabilisierte sich die Situation auf der Insel: Ende 1860 erlaubte die Regierung den knapp 100 übriggebliebenen Wangeroogern, im Ostteil der Insel rund um den 1856 errichteten Leuchtturm ein neues Dorf zu bauen. 1863 können dort die ersten Häuser bezogen werden. 1866 entsteht die Kapelle, im gleichen Jahr wird ein neues Kurhaus gebaut – der Badebetrieb läuft wieder an.

Doch erst als 1881 Wangerooges Bezirksvorsteher Conrad Christian Janßen erneut an die Landesregierung schreibt, kommt auch Bewegung in die Sache der Gemeindegründung: Die Bildung einer selbstständigen Gemeinde soll zugelassen werden, wenn sich die Insulaner als Ortsgenossenschaft mit Selbstverwaltungsrechten bewährt haben.

Bereits im August 1882 wird die Ortsgenossenschaft gegründet, im Juli 1883 wird der Ortsausschuss gewählt – beinahe hätten die untereinander offenbar heillos zerstrittenen und in zwei Lager zerfallenen Wahlberechtigten auf Wangerooge diese Gelegenheit zunichte gemacht. Doch schließlich kann im Oktober 1883 Conrad Christian Janßen zum Ortsvorsteher gewählt werden. Janßen machte seine Sache offensichtlich gut: Am 19. Januar 1885 erlässt die Landesregierung das Gesetz, das die Gründung der selbstständigen Gemeinde Wangerooge erlaubt. Es tritt am 1. Mai in Kraft. Darin heißt es: „Wir Nicolaus Friedrich Peter, von Gottes Gnaden Großherzog von Oldenburg (. . .), verkünden (. . .): Die Insel Wangerooge wird aus ihrer Verbindung mit der Gemeinde Minsen ausgeschieden und (. . .) zu einer politischen Gemeinde Wangerooge erhoben.“

berichtet über die Hintergründe der Gemeindegründung vor 125 Jahren

Melanie Hanz Agentur Hanz / Redaktion Jever
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