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Bewohner sollen Fenster und Türen geschlossen halten
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Aktualisiert vor 29 Minuten.

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Bewohner sollen Fenster und Türen geschlossen halten

NWZonline.de Region Friesland Politik

108 Minuten für 14 Leben aus Breslau

07.12.2018

Jever Jahrzehnte sind vergangen, aber die Erinnerungen haben nichts von ihrer Intensität verloren: „Jeden Abend wurden wir in den Baracken inspiziert: Die, die links stehen mussten, die gingen ins Gas. Die, die rechts standen, die hatten es für einen weiteren Tag geschafft“, sagt Renate Lasker-Harpprecht. Sie kam als Jüdin aus Breslau 1943 in das Konzentrationslager Auschwitz. Damals war sie 19 Jahre alt.

Sie wurde 1924 als eine von drei Töchtern des jüdischen Rechtsanwalts Alfons Lasker und dessen Ehefrau Edith, einer Geigerin, geboren. Und sie ist eine von 14 Protagonisten, die im Kino-Dokumentarfilm „Wir sind Juden aus Breslau“ von ihrem Überleben unter der Nazi-Diktatur erzählt. „Sie sind die letzten lebenden Zeitzeugen“, sagt Filmemacherin Karin Kaper aus Berlin. Am Donnerstag zeigte sie den Film in Kooperation mit der Filmpalette Jever, den Kinofreunden Friesland und dem Gröschlerhaus in Jever. Der Film entstand gemeinsam mit Dirk Szuszies und feierte 2016 in Wroclaw (ehemals Breslau) Premiere. 108 Minuten für 14 Leben. Für 14 Menschen, die den Holocaust überlebt haben und noch Kinder oder Jugendliche waren, als die Nationalsozialisten 1933 in Deutschland an die Macht kamen.

Letzte Gelegenheit

Jugendliche – so wie die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen der Elisa-Kauffeld-Oberschule Jever, die sich den Film angesehen und im Anschluss mit der Filmemacherin gesprochen haben. „Es war nur noch jetzt die Gelegenheit, diesen Film zu machen“, sagt sie. „Die Menschen im Film sind zwischen 85 und 95 Jahre alt, sie werden nicht mehr lange da sein.“

Auch im Film machen sich Jugendliche aus Bremen und Wroclaw auf den Weg, um zu verstehen. Sie treffen die Zeitzeugen auf verwitterten jüdischen Friedhöfen oder an Gedenkstätten. Die Alten erzählen und die Jungen hören zu – Tränen fließen später auf beiden Seiten. „Ihr dürft nicht egoistisch sein“, warnt eine der Protagonistinnen die Schüler im Film.

Breslau war eine deutsche Stadt und beherbergte nach Berlin und Frankfurt die drittgrößte jüdische Gemeine. „Alles war hier deutsch“, sagt der Fremdenführer in Wroclaw. Die meisten Juden waren Deutsche, etwa zehn Prozent waren polnische Juden. Die Kamera schwenkt über Grabsteine und Erinnerungstafeln: Leo, Otto, Erich, unzählige Namen, unzählige Tote. Allein im KZ Auschwitz sterben bis 1945 mindestens 1,1 Millionen Menschen, die meisten von ihnen Juden.

Im Kinosaal Jever ist es inzwischen still, das Rascheln der Chipstüten hat nachgelassen, in den Gesichtern steht Betroffenheit.

1933 gab es in Breslau mehr Stimmen für Hitler als in jeder anderen größeren Stadt. Die Anfeindungen gegenüber der jüdischen Bevölkerung nahmen zu, auch Kinder blieben nicht verschont: „Wir waren Objekte der Zerstörung.“

Aus der Erinnerung

Auch die Juden aus Breslau wurden in die Konzentrationslager deportiert. Aus der Erinnerung der Schwestern Anita Lasker-Wallfisch und Renate Lasker-Harpprecht: „Und da war sie, diese letzte Nacht. Wir wussten, dass wir unsere Eltern wahrscheinlich nicht mehr wiedersehen würden. Sie hatten einen Brief bekommen, sie sollten sich am Morgen mit Gepäck an einem Sammelplatz einfinden. Meine Mutter hat nur geweint und mein Vater hat uns verboten mitzukommen. Ab da waren wir plötzlich alleine in der Wohnung und auf uns gestellt.“

Die Eltern werden deportiert und ermordet. Die Schwestern werden nach einem Fluchtversuch getrennt und finden sich 1943 im KZ Auschwitz wieder. Beide werden 1944 in das KZ Bergen-Belsen verschleppt. „Das war eine schlimme Zeit“, sagt Renate Lasker-Harpprecht. „Wir waren in der Nähe eines Schornsteins untergebracht. Kinder wurden dort lebend hineingeworfen, wir hörten die Schreie die ganze Nacht. Und wir mussten zu diesen schrecklichsten Dingen Musik machen“, erinnert sich Cellistin Anita Lasker-Wallfisch, die in der Lagerkapelle spielte. Beide Schwestern erlebten dort 1945 die Befreiung.

Rahel Wolf Agentur Hanz / Redaktion Jever
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