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NWZonline.de Region Friesland Politik

Jüdinnen ausgeraubt und erniedrigt

05.11.2019

Jever „Es ist der 10. November 1938 in Jever. Lieselott Weinstein öffnet vorsichtig ihre Wohnungstür in der Bahnhofstraße 39. Vor ihr stehen sechs uniformierte Männer.“ So beginnt das interaktive Hörspiel über das Schicksal der jüdischen Frauen in Jever beim Novemberpogrom von 1938: Gina Bremer aus Oldenburg, Absolventin des Studiengangs Journalistik an der Jade-Hochschule, hat es im Studio von mehreren Stimmen einsprechen lassen. Sie stellt es Sonntag, 10. November, 11 Uhr, im Gröschler-Haus Jever erstmals vor.

Verängstigt – verfolgt – vergessen?

Gina Bremer stellt ihr Hörspiel über das Schicksal der jüdischen Frauen in Jever während des Pogroms von 1938 am Sonntag, 10. November, im Gröschler-Haus Jever, Große Wasserpfortstraße 19, vor. Beginn ist um 11 Uhr, der Eintritt ist frei.

Gina Bremer stellt in den 26 Minuten Lieselott Weinstein (1907 bis 1999), älteren Jeveranern als Lieselott Spitzer bekannt, in den Mittelpunkt. Die Getreidehändlerin hatte ab 1984 in Tonbandinterviews und Briefen das Pogrom geschildert. Das Hörspiel ist zugleich Erinnerungsgang: Es folgt der aus der Wohnung ins Gerichtsgefängnis verschleppten Frau – an den Stationen Wohnhaus, brennende Synagoge, Rathaus, Gefängnis kann es aktiviert werden. Ein Stadtplan von Jever liegt der CD bei.

Über die Situation der Frauen beim Pogrom ist bisher wenig berichtet worden. Meist geht es um die am 10. November 1938 verhafteten, am Tag danach ins KZ Sachsenhausen verschleppten und dort häufig zum Tod gequälten Männer. Die Frauen konnten damals nach einigen Stunden Haft unter Bewachung wieder in die Wohnungen zurück. Die Frauen wurden in ihren Wohnungen und in der Öffentlichkeit ausgeraubt und erniedrigt – häufig durch Hitlerjungen. Sie wollten dann natürlich die Freilassung ihrer Männer erwirken. Erst nach Tagen der Ungewissheit erfuhren sie, wo die sich überhaupt befanden. Anschließend hatten sie bei den regionalen Nazi-Größen vorzusprechen und alle ihre Vermögenswerte herzugeben. Diese Hintergründe sind weithin bisher unbekannt, sagt Hartmut Peters vom Arbeitskreis Gröschler-Haus.

Gina Bremer kam auf die Hörspielidee, weil ihre Großeltern häufig über den Krieg gesprochen, aber über die Situation der jüdischen Mitbürger geschwiegen hatten. Sie möchte Jugendliche ansprechen. Deshalb hat sie die dramatischen Geschehnisse so in Szene gesetzt, dass kaum Vorkenntnisse notwendig sind.

Gedenkfeiern zur Pogromnacht am 9. November 1938

Am Freitag, 9. November, jährt sich zum 81. Mal die Nacht, in der überall in Deutschland die Synagogen angesteckt wurden. Mehrere Gedenkfeiern im Jeverland erinnern daran:


 Jever
Da der 9. November auf einen Samstag fällt, findet die Feier an der Gedenktafel für die jeversche Synagoge an der Großen Wasserpfortstraße 19 um 11 Uhr statt. Veranstalterin ist die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Oldenburg. Bürgermeister Jan Edo Albers und die Pastoren der jeverschen Kirchengemeinden legen den gemeinsamen Kranz nieder. Die Ansprache hält Dr. Andreas von Seggern, der neue stellvertretende Leiter des Schlossmuseums. von Seggern ist Neuzeit-Historiker und war in Oldenburg Mitglied des Arbeitskreises Erinnerungsgang, bei dem der Weg der jüdischen Oldenburger am 9. November 1938 nachvollzogen wird.


 Sande
Der Heimatverein Gödens-Sande lädt am 9. November um 17 Uhr in die ehemalige Synagoge, Kirchstraße 47 in Neustadtgödens, ein: An der Gedenkfeier nehmen Kreispfarrer Christian Scheuer und Gästeführer Werner Kleinschmidt teil, Eva Wurm sorgt für die musikalische Umrahmung.


 Schortens
Die Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Pogromnacht organisiert die SPD auf dem jüdischen Friedhof an der Menkestraße. Da der 9. November auf den Sabbat fällt, findet die Veranstaltung bereits am Vortag, am Freitag, 8. November, um 15 Uhr statt. Sie wird von Schülerinnen der IGS-Nord mitgestaltet. Worte des Gedenkens wird Bürgermeister Gerd Böhling sprechen. Männer sollten einen Hut tragen. Im Anschluss gibt es im Bürgerhaus Gelegenheit zum Gedankenaustausch bei einer Tasse Kaffee.


Hörspiel unter   groeschlerhaus.eu/angebote/audio-stadtrundgang-auf-den-spuren-des-pogroms-vom-november-1938/ 
Melanie Hanz Agentur Hanz / Redaktion Jever
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