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NWZonline.de Region Friesland Politik

Mehr Wertschätzung und Solidarität

15.11.2018

Jever Ohne Ehrenamt geht nichts. Nur ein Beispiel: Täglich verlassen wir uns darauf, dass die Freiwillige Feuerwehr uns im Brandfall hilft. Um genau diesen Einsatz von Ehrenamtlichen zu würdigen, aber auch, um ihn kritisch zu hinterfragen, hat der SPD-Stadtverband Jever zur Podiumsdiskussion eingeladen.

Mit Moderator Andre Reichert (SPD) diskutierten auf dem Podium: Eckhard Kohls (MTV Jever), Gabriele Peest (Freiwilligenagentur Jever), Erhard Bruns (Technisches Hilfswerk) und Gerhard Zunken (Kreisbrandmeister) sowie Landrat Sven Ambrosy und Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller (SPD).

Gabriele Peest (Freiwilligenagentur Jever).

„Ehrenamtskarte endlich einführen“

„2013 haben wir mit der Arbeit der Freiwilligenagentur begonnen. Seitdem vermitteln wir Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten. Manchmal suchen sie einen Verein, manchmal haben sie eigene Ideen. Wir haben unter anderem schon die Vorleserinnen, den Lea Leseclub oder auch das „Anti-Rost“-Projekt auf den Weg gebracht. Aber ich bin der Meinung, wir brauchen noch mehr Anreize für Ehrenamtliche. Wir sollten die Ehrenamtskarte endlich einführen. Damit bekommen Ehrenamtliche Vergünstigungen in verschiedenen Bereichen. Seit vielen Jahren gibt es diese Karte schon und wird in anderen Städten schon eingesetzt. Ich bitte die Politik, endlich Maßnahmen auch für Jever zu ergreifen.“

Einige Themen wurden angesprochen – etwa der fehlende Nachwuchs. Alle waren sich einig: Das Ehrenamt muss attraktiv in der Öffentlichkeit präsentiert werden, um junge Menschen dafür zu begeistern. „Wir müssen die Wertschätzung nach außen tragen“, sagte Siemtje Möller. „Wir müssen Begeisterung für das Ehrenamt schaffen.“

Natürlich gehöre es in einigen Bereichen auch dazu, Geld in die Hand zu nehmen. „Der Bund stellt Mittel für Katastrophenschutzfahrzeuge bereit“, sagte die Bundestagsabgeordnete. Andererseits sei es für Ehrenamtliche aber wichtig, dass sie Dankbarkeit von den Menschen zurückbekommen und einen Sinn in ihrem Einsatz sehen.

So wurde bei der Diskussion auch aus dem Publikum über die Einführung der Ehrenamtskarte angesprochen. Mit Vergünstigungen könne das Ehrenamt attraktiver werden. Aber es gab auch Kritik: „Macht es langsam und ordentlich. Ich habe eine Ehrenamtskarte, die mir hier vor Ort nichts bringt“, sagte ein Ehrenamtlicher aus dem Publikum. Landrat Sven Ambrosy sagte, dass sich der Landkreis damit beschäftige. „Aber es soll sich auch lohnen und keine Alibikarte sein.“

Erhard Bruns (Technisches Hilfswerk).

„40 Jahre war ich im Bereich Katastrophenschutz tätig: 17 Jahre beim Deutschen Roten Kreuz, 23 beim Technischen Hilfswerk (TWH). Hinzu kommen: Stadtjugendring, Förderverein Paul-Sillus-Schule, Landvolkverein, Dorfgemeinschaft und Gemeindekirchenrat. Ohne das Verständnis meiner Arbeitgeber wäre das nicht möglich. Zudem brauchen wir neue Ideen, um auch bei jüngeren Menschen eine Begeisterung für das Ehrenamt zu wecken. Wir müssen Kontakte herstellen, besser in Verbindung stehen – vor allem auch zu Kommunen und Behörden. Gut angekommen ist auch der Tag der offenen Tür beim THW: davon brauchen wir mehr, um das Ehrenamt in der Öffentlichkeit zu präsentieren.“

Zudem sprach Ambrosy ein weiteres Problem an: „Wir reden über Wertschätzung, dabei gibt es immer wieder Fälle, in denen Rettungskräfte beleidigt werden. Das ist nur noch pervers“, so Ambrosy. In Friesland habe es zwar bisher noch keine solche Vorfälle gegeben. „Aber man merkt: es kommt etwas ins Rutschen.

Gerhard Zunken (Kreisbrandmeister).

„Es gibt 22 Feuerwehren in Friesland, 900 Aktive und 260 Jugendliche. Als Kreisbrandmeister bin ich für 14 Fachbereiche zuständig – darunter die Technische Einsatzleitung, Gefahrengutzug, Feuerwehrtechnische Zentrale, Weiterbildung und einiges mehr. Pro Woche rückt die Feuerwehr rund 21 Mal aus, das heißt dreimal am Tag. Aber: nicht alle Arbeitgeber spielen hier mit. Schon oft habe ich gehört: sobald ein Kamerad während der Arbeitszeit ausrückt, bekommt er Minusstunden. Das kann nicht angehen. Die starke Jugendbeteiligung macht deutlich: Es gibt Nachwuchs, der ehrenamtlich tätig sein möchte. Eine Ehrenamtskarte sollte nur eingeführt werden, wenn es auch attraktive Angebote gibt.“

Eckhard Kohls (MTV Jever). BILD: Antje Brüggerhoff

„Der MTV Jever ist mit seinen 2500 Mitgliedern der größte Sportverein Frieslands. Der Vorstand des MTV arbeitet rein ehrenamtlich. Seit 1982 bin ich selbst im Vorstand tätig, seit 1989 Vorsitzender des Vereins. Schon länger suche ich einen Nachfolger – aber das ist schwer. Das Ehrenamt neben der Arbeit durchzuführen, mit rund 10 Stunden pro Woche, ist ein erheblicher Zeitaufwand. Es gab Jahre, in denen ich sogar mehr gearbeitet habe. Hiervor schrecken viele zurück. Ich bin der Meinung: Allgemein sollten Arbeitgeber mitziehen und eine Freistellung eines Ehrenamtlichen unterstützen. Außerdem sollten wir mehr auf die jungen Menschen zugehen, sie persönlich ansprechen. So aktiviert man sie.“

Hier brauchen die Ehrenamtlichen unsere Solidarität.“


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Antje Brüggerhoff Agentur Hanz / Redaktion Jever
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