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NWZonline.de Region Friesland Politik

Zeitgeschichte: Viele Mythen ranken sich um „Hetzer des Nordens“

02.03.2020

Jever Viele Mythen ranken sich um Carl Georg Röver (1889 bis 1942), Ministerpräsident im Land Oldenburg, dann Gauleiter und Reichsstatthalter der NSDAP im Gau Weser-Ems. Er brachte alles mit, was für eine NSDAP-Karriere günstig war: ein gefälliger Ahnenforscher attestierte ihm, dass er einem alten Bauerngeschlecht aus Stedingen entstammte, dazu war er kolonialerfahren, Frontsoldat im 1. Weltkrieg und dort befördert, mit dem Eisernen Kreuz dekoriert und in der „Propagandaabteilung“ tätig.

Dr. Joachim Tautz, Regionalhistoriker aus Oldenburg, hat sich mit der Biografie Rövers befasst – den fast 70 Zuhörern beschrieb er im jeverschen Schloss Röver als einen führenden Akteur der NS-Zeit im Oldenburger Land.

„Hemmungslose Angriffe auf die Republik“ werden ihm in der Geschichtsschreibung attestiert, er gilt als „Hetzer des Nordens“. Im September 1931 hatte er in Quakenbrück verkündet, dass man mit den „Zerstörern des Staates abrechnen werde und dass es dabei nur ‚Strick oder Kugel‘ geben werde“.

Hetzer des Nordens

Um wen es sich bei den „Zerstörern“ handeln soll, enthüllte er im August 1930, als er ausführte, „das ganze Volk sei durch die Juden zerstört“, und dass „Böses“ „nur mit Bösem ausgerottet werden kann“.

Röver war auch derjenige, der von München aus im November 1938 mit seinem Anruf beim Oldenburger Kreisleiter Wilhelm Engelbart das Novemberpogrom im Gau Weser-Ems in Gang setzte. Engelbart sollte die anderen Kreisleiter in Kenntnis setzen. So gehörte Röver zu den Hauptverantwortlichen dafür, dass überall im Nordwesten die Synagogen brannten.

In der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur stand er an vorderster Stelle im Gau Weser-Ems – zuerst als Gauleiter, dann als Reichsstatthalter. Der Gau Weser-Ems umfasste das Land Oldenburg, Bremen, Ostfriesland, das Emsland, die Grafschaft Bentheim, Osnabrück und das Osnabrücker Land. Gaupressewart Wilhelm Aßling stammte aus Jever – das Jeverland war schon früh völkisch eingestellt.

Es gibt keinen Beleg für eine Ermordung Rövers, sagte Tautz: Sein Tod 1942 ist mysteriösen und ungeklärt. Konflikte, die den Mord an einem amtierenden Gauleiter hätten motivieren können, und Fremdverschulden schließt Tautz aus. Über den Gesundheitszustand Rövers wurde in den Monaten vor seinem Tod in Oldenburg schon spekuliert. Offenbar hat Röver an den Spätfolgen einer nicht auskurierten Syphilis gelitten.

Bevor Röver in die Berliner Charité eingewiesen wurde und dort wenige Tage später starb, hatte er im Blockhaus Ahlhorn gelebt. Dort soll er das Mobiliar seines Zimmers zerschlagen haben und sich bei einem „Bad“ im nahen Teich eine Lungenentzündung geholt haben.

„Der Sarg war leer“

Die Oldenburger Gerüchtewelt berichtete später, dass sich die Pferde nicht vor den Leichenwagen spannen lassen wollten. Ziegelsteine im Sarg statt einer Leiche und ähnliches wie „Der Sarg war leer“ war zu hören. Und das alles, weil Röver so viel für Oldenburg getan hätte und gegen den Krieg gewesen sei – so würdigte ihn seine Gefolgschaft.

Röver war einer von vielen, die die NS-Ideologie bedenkenlos umsetzten. Er ließ keine Zweifel am National­sozialismus oder gar an Hitler zu. 1938 verlieh ihm die Stadt Jever die Ehrenbürgerschaft – die wurde ihm nach dem Krieg wieder aberkannt.

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