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NWZonline.de Region Friesland Politik

Lebendige Erinnerungen nach 70 Jahren

08.05.2015

Varel Es ist zwar schon sieben Jahrzehnte her. Doch an den 8. Mai 1945, den Tag, an dem der Zweite Weltkrieg endete, kann sich Detlef Eilers aus Varel noch ganz genau erinnern. „Ich war in Prag“, sagt er und lächelt dabei ganz leicht. In einem Lazarettzug war der damals 17-Jährige auf dem Weg zurück von der Front nach Hause. Zurück nach Friesland. Doch bis er wieder in Varel ankommen sollte, musste er eine Odyssee über viele Wochen und durch viele Städte durchmachen. „Er hatte gleich mehrere Schutzengel“, sagt seine Frau Friedel Eilers rückblickend.

Von seinen Erlebnissen erzählt der Pensionär mit ganz ruhiger Stimme. Er macht immer wieder kurze Pausen. So, als ob beim Sprechen ein Film vor seinem inneren Auge abläuft. Manchmal kommen ihm dabei die Tränen. Vor allem wenn er an seinen älteren Bruder denkt, der den Krieg nicht überlebte.

Nach seiner Ausbildung zum technischen Zeichner bei der Firma Kuhlmann in Wilhelmshaven wurde Detlef Eilers im Januar 1945 eingezogen. Erst zum Arbeitsdienst, dann zur Wehrmacht ins Ostsudetenland. Nach einer kurzen Ausbildung in Sternberg ging es an die Front. „Wir lagerten in einem Wald in selbst gebauten Tannenhütten“, erinnert er sich.

An der Ruhr erkrankt

Dann erkrankte Eilers an der Ruhr, eine schlimme Infektion des Darms. In einem zum Lazarett umfunktionierten Tanzsaal eines kleinen Ortes sprach ihn sein Kompaniechef an. „Er fragte mich, was ich nach dem Krieg machen möchte. Studieren, sagte ich“, berichtet Detlef Eilers: „Und das war der Beginn meines Glücks, das folgte.“

Der Vorgesetzte sah anscheinend die Sinnlosigkeit, den jungen Soldaten aus Varel zurück an die Front zu schicken. Er gab den Befehl, einen Unteroffizierslehrgang zu absolvieren – 30 Kilometer hinter der Front. Und von der entfernte sich Detlef Eilers immer weiter. „Plötzlich kam die Ruhr zurück“, sagt er. Der untersuchende Arzt schickte ihn dann in einem Lazarettzug gen Westen.

Anfang Mai kam er in Prag an, wo er das Kriegsende erlebte: „Sofort waren tschechische Soldaten da und nahmen uns unsere Wertgegenstände ab.“ Wenig später kamen auch russische Soldaten. „Sie gingen von Waggon zu Waggon und holten unsere Leute raus, um sie gefangen zu nehmen“, sagt Detlef Eilers. In sein Abteil kamen sie nicht. Und so blieb ihm der Weg nach Sibirien erspart.

Lange Reise zurück

Danach ging es über Österreich, verschiedene Lager in Heidelberg, Heilbronn und Göppingen sowie Wunstorf zurück nach Oldenburg und Varel. Im August, nach acht Monaten, war er wieder daheim. „Die Wiedersehensfreude war riesig groß“, berichtet Detlef Eilers. Drei Wochen später kehrte sein zweiter Bruder aus Norwegen heim.

Friedel Eilers hat das Kriegsende als siebenjähriges Mädchen auf dem elterlichen Hof in Nordloh erlebt. „Dort gab es am 8. Mai noch Kampfhandlungen, und wir mussten bei dem schönen Wetter zur Mittagszeit in den Bunker“, sagt sie: „Am nächsten Morgen war dann Schluss. Ich kann mich noch gut an die ungewohnte Stille erinnern.“

Das einschneidendste Erlebnis hatte sie zwei Jahre zuvor. „Mein Patenonkel, zu dem ich ein inniges Verhältnis hatte, war in Afrika stationiert. Und er schrieb meiner Mutter Hunderte von Feldpostbriefen.“ Doch eines Tages kam ein Brief an ihren Onkel zurück – unzustellbar. „Wir ahnten Böses“, sagt Friedel Eilers. Dann die Gewissheit: „Es kam ein grüner Umschlag“, darin enthalten: die Todesnachricht. „Meine Mutter und mein Vater sind in Tränen ausgebrochen. Da wusste ich, mein Onkel ist tot“, erinnert sie sich.

Olaf Ulbrich
Redaktionsleitung Varel
Redaktion Friesland
Tel:
04451 9988 2501

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