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NWZonline.de Region Friesland Politik

Wangerooge feiert ein Fest für Flüchtling „Max“

12.08.2015

Wangerooge Bisher war „Max“ Aufenthalt auf Wangerooge ein bekanntes, aber dennoch gehütetes Geheimnis. Seit 23. Juni 2014 hat der junge Mann aus Somalia so genanntes „Kirchenasyl“ in der evangelisch-lutherischen Nikolai-Gemeinde Wangerooge.

Doch nun wollen Pastor Günther Raschen und der Gemeindekirchenrat aufmerksam machen auf Max’ Geschichte und Schicksal: Am Freitag, 14. August, laden sie zum „Fest für Max im Paradies“ ein. Von 18 bis 22 Uhr sind Gäste und Insulaner, „die Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft zu schätzen wissen“, so Raschen, zum Fest für Max und alle anderen, die weltweit bedrängt werden und deshalb auf der Flucht sind, eingeladen.

Fest für Max im Paradies

Im „Paradiesgarten“ neben dem ev. Gemeindehaus Wangerooge wird am 14. August von 18 bis 20 Uhr mit Max gefeiert. Für Musik sorgen Andrej Madatov an der Violine mit einer Partita von Bach und die Folkgruppe DreyBartLang. Bei Regen findet das Fest in der Nikolaikirche statt.

Zum Gedenken der im vergangenen Jahr rund 25 000 im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge ertönen um 18.30, 19.30 und 20.30 Uhr jeweils 25 000 Glockenschläge von den drei Glocken der Nikolaikirche.

Initiatoren, Begleiter und Unterstützer von Max sind Milan Vujicic (Berufsberater), Steffen Gröger (Förderlehrer), Uwe Osterloh (Schulleiter), Jörg Lange (Klassenlehrer), Bürgermeister Dirk Lindner, Jochen Huber (Schwimmlehrer), Anke Folkerts (Sprachtherapeutin), Ben Vincent (Kindergartenleiter), Silke Schmidt (Leiterin Nationalpark-Haus) und von der Kirchengemeinde Markus Mißmahl (Kirchenältester), Pastor Günther Raschen, Diakonin Tina von Pentz sowie Burkhard Büchen, der Max eine Lehrstelle anbietet.

Max, 20 Jahre alt, heißt Maxamed Ibrahim Maxamoud und stammt aus Somalia. Mit 15 Jahren, im Juni 2011, verließ er seine Familie und floh vor der Rekrutierung als Kindersoldat durch die islamistische Al-Shabaab-Miliz. Al-Shabaab kontrolliert Teile Südsomalias und setzt dort die Scharia, das islamische Recht, in strenger Form durch. Ziel der Gruppierung ist die Errichtung eines islamischen Staats am Horn von Afrika.

Max wanderte bzw. fuhr auf Lastwagen über 5000 Kilometer durch Äthiopien und den Sudan nach Libyen. Dort wurde er zweimal inhaftiert, saß insgesamt elf Monate in Gefängnissen. „Wenn du kein Geld hast, so wie ich damals, musst du ausbrechen“, erzählt er.

Am 12. August 2013 erhielt er die Chance, auf einem Flüchtlingsboot mit rund 100 Frauen, Männern und Kindern das Land zu verlassen. Nach zwei Tagen und Nächten auf See mit hohem Wellengang erreichte das Boot die sizilianische Küste bei Pozzallo.

Von Sizilien reiste Max nach Rom, wo er einen Mann wiedertraf, dem er schon einmal in Libyen begegnet war. Der half ihm, am 3. September 2013 mit dem Zug nach München zu fahren – dort ging er zur Polizei, die ihn in ein Auffanglager brachte. Nach Stationen in Unterkünften in Braunschweig und Winsen/Luhe landete Max im Flüchtlingsheim in Buchholz – von dort sollte er gemäß Dublin III-Abkommen nach Italien abgeschoben werden.

Wangerooges Pastor Raschen erfuhr damals vom Fall Max und brachte ihn kurzerhand auf die Insel. Dort gewährte die Nikolai-Gemeinde ihm Kirchenasyl, um „eine schnelle Abschiebung nach Aktenlage“ zumindest zu verzögern.

Maxamed wohnt seitdem im ev. Gemeindehaus. „Er ist gut integriert, hat Unterricht bekommen und Deutsch gelernt“, berichtet Raschen. Die Gemeinde möchte dem jungen Mann ermöglichen, weiter auf Wangerooge zu bleiben. Deshalb wurde eine Oldenburger Rechtsanwältin eingeschaltet, die laut Raschen optimistisch ist, dass eine Sonderprüfung des „Falls Max“ positiv beschieden wird.

Mit einer Petition an den Niedersächsischen Landtag will die Kirchengemeinde zudem erreichen, dass Max auf Wangerooge eine Ausbildung absolvieren und arbeiten darf. 2500 Unterschriften sind bereits zusammengekommen.

Und Max selbst? „Ich möchte einen Schulabschluss machen und danach Elektriker werden“, sagt der 20-Jährige.

Melanie Hanz
Agentur Hanz
Redaktion Jever
Tel:
04461 965311

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Al-Shabaab | Polizei Wangerooge | Kirchengemeinde

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