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Bahnverkehr zwischen Hude und Oldenburg gestört
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Aktualisiert vor 6 Minuten.

Brücke Defekt
Bahnverkehr zwischen Hude und Oldenburg gestört

NWZonline.de Region Friesland Politik

Kleines Lokal nun ein Erinnerungsort

11.05.2018

Schortens Er hat vor gut 20 Jahren ganz in der Nähe gewohnt, nur ein paar hundert Meter entfernt, sagt Yulian Ide. In dem Geschäft an der Jeverschen Straße sei er als Junge oft gewesen, um Süßigkeiten zu kaufen. Auf dem Weg ins Freibad radelte er an dem kleinen Laden vorbei oder auf dem Weg ins Dorf. Später war dort ein Schlachter. Heute gibt es im Haus Jeversche Straße 16 Pizza und indische Spezialitäten.

Bis vor 75 Jahren lebten dort Max und Paula Solmitz mit ihren Kindern – ein jüdisches Schlachter- und Viehhändlerpaar. Eine ganz normale bürgerliche Familie. Sie wurden von den Nazis ermordet: Max Solmitz 1943 im Ghetto von Theresienstadt, Paula Solmitz ein Jahr später in Auschwitz.

Unscheinbares Haus

Dass in diesem unscheinbaren Haus so viel Geschichte und so viel Schicksal wohnt, von dem er lange überhaupt nichts wusste, hat Yulian Ide berührt und erschüttert. Bei Recherchen für seine Abschlussarbeit ist er auf die Geschichte der Familie Solmitz gestoßen und beschloss: „Diese Menschen und das, was die Nazis ihnen angetan haben, darf niemals vergessen werden.“ Mit viel Unterstützung des Gröschler-Hauses – Zentrum für jüdische Geschichte und Zeitgeschichte der Region – forschte er nach und stellte mit Jannes Wiesner und Nadine Schulze vom Jugendparlament Friesland bereits im Januar bei einer Veranstaltung im Bürgerhaus Schortens das Leben der fast vergessenen Familie Solmitz vor.

Seit Dienstagabend erinnert nun auch eine kleine Gedenktafel an die jüdischen Eheleute. Das Datum der Gedenktafel-Enthüllung war wohlüberlegt: Der 8. Mai – Jahrestag der Befreiung vom Nazi-Terror 1945.

Sowohl der Kippa tragende Landrat Sven Ambrosy wie auch Anne Bödecker als Kreistagsabgeordnete und stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Schortens würdigten im Beisein von Freunden und Ehrenamtlichen des Gröschler-Hauses, des Jugendparlaments und Prof. Dr. Antje Sander von der Initiative „Erinnerungsorte“ die Initiative der jungen Leute. „Wenn wir uns nicht erinnern, wer dann?“ mahnte Ambrosy.

Unselige Entwicklungen

Mit Blick auf den europaweit wieder erstarkenden Nationalismus, auf Wahlerfolge für rechte Gruppierungen, auf Hass und Hetze auch hierzulande und den erneut aufkommenden Antisemitismus appellierten Ambrosy und Anne Bödecker, sich diesen unseligen Entwicklungen mit aller Entschiedenheit entgegenzustellen.

Initiator Yulian Ide erklärte: „Die Gedenktafel ist nur ein Symbol. Viel wichtiger ist, dass wir nun das Schicksal der Familie kennen und dass wir alle künftig solche Entwicklungen verhindern.“

Jannes Wiesner, der im nächsten Jahr in Jever sein Abitur macht, will mit der vom Jugendparlament gestarteten Antidiskriminierungskampagne Geschichte für junge Leute begreifbar machen. Wie leichtfertig Ausgrenzung heute wieder hingenommen werde, habe man sogar bei der „Echo“-Verleihung erleben können.


Sehen sie ein Video unter   www.youtube.com/nwzplay 
Video

Oliver Braun
Agentur Hanz
Redaktion Jever
Tel:
04461 965313

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