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NWZonline.de Region Friesland Politik

Messer im Rücken – Schere im Kopf

21.02.2019

Sillenstede Eine Gewalttat in der Stadt, eine Schlägerei vor einer Disco­thek, eine festgenommene Einbrecherbande: Natürlich berichten die lokalen Zeitungen über solche Ereignisse. Doch wie sollen sie schreiben, welche Details gehören in die Zeitung, was ist wichtige Information und dient der Einordnung der Nachricht in ei­nen größeren Kontext und was ist möglicherweise bloß Sensation? Wo bestätigt man die Klientel, die „Lügenpresse“ wittert, wenn man zum Bespiel verschweigt, dass Straftäter Ausländer sind, wo schürt man Angst und Fremdenfeindlichkeit, wenn man es doch tut?

Stand doch in der Zeitung

Die Diskussionsreihe „Sillensteder Gespräche“ wird mit einer weiteren Veranstaltung zum Thema Journalismus fortgesetzt:

Lokaljournalismus – warum noch? Diese Frage diskutieren am Dienstag, 26. Februar, unter der Moderation von Carola Schede die Redakteure Helmut Burlager (Jeversches Wochenblatt), Gerd Abeldt (Wilhelmshavener Zeitung), Oliver Braun (Nordwest-Zeitung) und Jutta Przygoda (NDR-Studio Wilhelmshaven)

Beginn ist um 19.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus Sillenstede.

Nach bestem Gewissen

Seit der Flüchtlingskrise – auch wieder so ein wertendes Wort – hat die Diskussion darum an Schärfe zugenommen. Darf oder muss man sogar berichten, dass der Messerstecher oder die jugendlichen Schläger Flüchtlinge oder die Einbrecher Ausländer sind? Oder wenn die Täter Deutsche sind– ist das inzwischen eine Information, die wichtig ist für die Leser? Wo setzt die Schere im Kopf an und schneidet Informationen ab?

Das Ringen um Glaubwürdigkeit und die ethische Basis im journalistischen Arbeiten standen im Mittelpunkt einer weiteren Vortragsveranstaltung in der Reihe „Stand doch in der Zeitung...“, zu der im Rahmen der Sillensteder Gespräche diesmal Michael Konken als langjähriger Vorsitzender des Deutschen Journalistenverbandes sowie die Redaktionsleiter Helmut Burlager vom Jeverschen Wochenblatt und Christoph Kiefer von der Nordwest-Zeitung Rede und Antwort standen. Burlager und Kiefer sprangen für den ehemaligen NWZ-Chefredakteur Rolf Seelheim ein, der erkrankt absagen musste.

Was ist eigentlich die ethische Basis für Journalisten? Wie weit geht die Pressefreiheit und wo kollidieren Meinungsfreiheit und die Freiheit der Meinungsverbreitung mit den Persönlichkeitsrechten derer, über die berichtet wird? Auf diese Fragen ging Michael Konken ein und brachte unter anderem Beispiele großer auflagenstarker Titel, die diese Grenzen immer wieder austesten und sich dafür Rügen vom Presserat einhandeln.

Konken nannte den Pressekodex das „Gebetbuch der Journalisten“. Ein Vergleich, den auch Christoph Kiefer teilen konnte und den er weiterdachte: „Ein Gebetbuch steht meist irgendwo im Regal, vielleicht holt man das sonntags mal heraus.“ Genauso wichtig in der täglichen journalistischen Arbeit sei gesunder Menschenverstand und der Wille, seine Artikel und Kommentare nach bestem Wissen und Gewissen zu schreiben.

Leser sind misstrauischer

Was ist richtig, was ist wichtig? Helmut Burlager beschäftigen diese Fragen unter anderem im journalistischen Umgang mit der AfD. „Fake news“ gebe es heute auch auf lokaler Ebene, so Burlager. Nicht nur politisch von links und von rechts, sondern zum Beispiel auch in Nachbarschaftskonflikten. Burlager griff ein aktuelles Beispiel aus Sillenstede auf: Nach einem Bericht über eine „versteckte Kamera“ wurden in Leserbriefen und auf Facebook Behauptungen verbreitet, die sich längst als unwahr herausgestellt hatten.

Die Glaubwürdigkeitsdebatte ist ein Dauerthema, so Burlager. Früher haben sich die Leser verlassen auf das, was in der Zeitung stand, und die Zeitungen wiederum konnten sicher sein, dass ihre Leser ihnen glaubten. Das werde heute immer mehr angezweifelt.

Oliver Braun Agentur Hanz / Redaktion Jever
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