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NWZonline.de Region Friesland Politik

Spurensuche in der Marienstadt

09.10.2013

Jever Als sich Rafael de Levie (65) und seine Frau Claudia (62) in einer jüdischen Gemeinde in Argentinien kennenlernten, ahnten beide nicht, dass sie neben ihrer Liebe füreinander auch ähnliche Familienschicksale teilen.

Die Mitglieder beider Familien stammen aus Jever, lebten in der Marienstadt und in Norden – und flohen teilweise vor dem Holocaust nach Argentinien. Gemeinsam haben beide Familien rund 70 Opfer zu beklagen, die in Vernichtungslagern während des NS-Regimes umkamen.

„Unsere Eltern haben uns nie etwas darüber erzählt, in den Familien wurde das Thema totgeschwiegen“, berichtet das Ehepaar. „Weil man sich schämte“, fügt Rafael de Levie hinzu.

Am Montag besuchte das Paar gemeinsam mit Almut Holler, Mitglied in der ökumenischen Arbeitsgemeinschaft Synagogenweg aus Norden, die Marienstadt. Gemeinsam mit Historiker Hartmut Peters und Pastor Volker Landig begaben sie sich auf Spurensuche in Jever.

Das Ehepaar de Levie ist 1974 nach Israel ausgewandert, um dem zunehmenden Antisemitismus des Militärregimes in Argentinien zu entgehen. Heute leben beide in Ashdod, südlich von Tel Aviv.

„Bis vor wenigen Jahren wussten wir kaum etwas über unsere Familien aus Deutschland“, sagt Claudia de Levie.

Puzzleteile zur Familiengeschichte lieferte erst ein Forschungsprojekt aus Norden: Almut Holler stieß bei ihren Recherchen unter anderem auf einen Ururgroßvater von Claudia de Levie (geborene Wolff), der aus Jever stammte.

Auch Rafael de Levie hat Vorfahren in Jever, die es offenbar als Viehhändler zu Ansehen und Wohlstand in der Marienstadt gebracht hatten. De Levies Urgroßvater Hartog war Niederländer, ließ sich in Jever nieder und war einer der Financiers der jeverschen Synagoge. Seine Söhne gingen auf das Mariengymnasium und kämpften im Ersten Weltkrieg. Einer der beiden fiel, sein Name ist heute noch auf dem Kriegerdenkmal in Jever zu lesen.

Noch vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten siedelte de Levies Familie nach Bremen und in die Nähe von Cuxhaven um. Während des NS-Regimes wanderte die Familie, so auch Rafael de Levies Vater, nach Argentinien aus. In dieses südamerikanische Land flohen aber später auch viele Nationalsozialisten vor den drohenden Repressalien in Europa. So lebten die Verfolgten und ihre Verfolger erneut Tür an Tür. Diesmal aber gehüllt in einen Mantel des Schweigens. „Obwohl meine Urgroßmutter von den Nazis deportiert und ermordet worden ist, hat niemand darüber ein Wort verloren“, sagt Rafael de Levie.

Almut Holler, Pastor Volker Landig und Hartmut Peters haben den de Levies in der Marienstadt Orte gezeigt, die für die Familien de Levie und Wolff von Bedeutung gewesen sind und mit ihrem umfangreichen Wissen über das Leben der jeverschen Juden dem Ehepaar einen Teil ihrer Wurzeln zugänglich gemacht.

Derzeit wird in Norden eine Ausstellung im Rahmen der „Reise ins jüdische Ostfriesland“ vorbereitet.

Die Ausstellung mit dem Titel „Bruch-Stücke“ beschäftigt sich mit dem Leben der jüdischen Familien Wolff und Samson und wird am Dienstag, 15. Oktober, um 17 Uhr im Rathaus Norden eröffnet.

Sie zeigt auch Exponate jener Familie Wolff, der Vorfahren von Claudia de Levie, die in Norden lebten.

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