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NWZonline.de Region Friesland Politik

Themen zur Forschung gibt es reichlich

08.10.2015

Schortens Es ist eine noch weitgehend nichterzählte und auch in vielen Bereichen unerforschte Geschichte: Schortens zur Zeit des Nationalsozialismus. Einen ersten Versuch, diese Zeit aufzuarbeiten unternahmen der Arbeitskreis Gröschler-Haus und die Initiative „Upjever-Lieb-Ich“ am Dienstagabend im Bürgerhaus Schortens. Das Interesse war riesengroß: Mehr als hundert Schortenser erinnerten sich bei Vorträgen von Hartmut Peters, Helmut Wilbers, Günter Buchold und Prof. Dr. Antje Sander an die NS-Zeit.

Auch in Schortens ist sie kein ruhmvolles Kapitel. Schon 1924 erhielten die Nationalsozialisten bei den Reichstagswahlen in den Ortsteilen zwischen 20 und 27 Prozent der Stimmen – in Sillenstede sogar 41,8 Prozent. Der Landesdurchschnitt lag bei 6,6 Prozent.

Immerhin erreichten in Heidmühle Sozialdemokraten und Kommunisten 1924 zusammen um die 45 Prozent der Stimmen. Bis 1933 steigerte die NSDAP ihre Stimmenanteile.

Das Schicksal der in Schortens lebenden Juden schilderte Peters am Beispiel des Ehepaars Max und Paula Solmitz, das an der Jeverschen Straße lebte. Mit dem Ausbau des Hafens in Wilhelmshaven und dem Bau des Flugplatzes Upjever von 1933 bis 1936 stieg die Zustimmung zum Regime weiter an. „Die Einwohnerzahl in Schortens stieg um 36 Prozent an. Das war das große Los für die Region“, so Peters.

Dass es allerdings heute noch in Upjever eine Straße gibt, die nach dem schon 1930 in die NSDAP eingetretenen General Carl-Alfred Schumacher benannt ist, stufte Peters als Ausdruck der mangelnden Geschichtsaufarbeitung ein. Ein gutes Zeichen fände Peters, wenn dem polnischen General Stanislaw Maczek eine oder vielleicht sogar diese Straße gewidmet würde. Die Truppen des Generals hatten 1945 das Jeverland und auch Schortens befreit.

Breiten Raum nahmen an dem Abend die „Displaced Persons“ ein, die bis 1951 in Upjever untergebracht waren. Bis zu 1500 schwer traumatisierte, jüdische Holocaust Überlebende – überwiegend aus dem KZ Bergen-Belsen – warteten in Upjever auf ihre Auswanderung. Günter Buchold, der als Orthopädie-Meister mehrfach dort war, berichtete von seinen Erlebnissen. Auch war die Facharbeit, die seine Enkelin Fenja Buchold 2008 am Mariengymnasium über die Displaced Persons geschrieben hatte, eine wichtige Grundlage für den Vortrag.

Einen „Erinnerungsort“ für dieses Kapitel der Schortenser Geschichte regte Prof. Dr. Antje Sander an. Das Gebäude 164 auf dem Fliegerhorst könnte solch ein Ort werden. Zurzeit wird es noch genutzt, soll aber möglicherweise in den nächsten Jahren abgerissen werden. Dieses Gebäude war Teil der Unterkünfte der „Displaced Persons“.

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