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NWZonline.de Region Friesland Politik

200 Jahre Gemeinnütziger: Alliierte mit Nazi-Gruß empfangen

08.05.2018

Varel „In den letzten Tagen Bomben über Varel“. So berichtete „Der Gemeinnützige“ am 8. Mai 1985 auf einer kompletten Seite und erinnerte an das Ende des Zweiten Weltkrieges 40 Jahre zuvor. Noch am 3. Mai 1945, so hielten Chronisten fest, flogen Jagdbomber über Varel – „so schnell und so häufig, daß die Bevölkerung nicht mehr gewarnt werden konnte.“

Bomben fielen auf die Ländereien hinter Heinen, auf den Brahmweg, auf das Haus Peterstraße 4 (hier wurden vier Schwer- und zwei Leichtverletzte geborgen, ein Kleinkind blieb wie durch ein Wunder unverletzt), den Bahndamm, das Haus Jürgenstraße 26 und auf den Grashof. Kanadische Truppen standen vor Rastede, Vorausabteilungen vor Grabstede, Neuenburg lag unter Artilleriebeschuss.

Die Nacht zum 5. Mai hatten die meisten Vareler in Schutzräumen und Kellern verbracht, bevor tatsächlich Waffenruhe herrschte. Kurz nach 11 Uhr rollten Kanadier in der Stadt, requirierten die Bestände von Wein- und Spirituosenhandlungen, verhandelten mit dem Bürgermeister und dem Stadtkommandanten, die die Stadt später formell übergaben.

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Die Männer der bisherigen politischen Führung wurden verhaftet, Beamte entlassen, die Windallee komplett geräumt. Ein Großes Problem war damals der Bevölkerungszuwachs: 3816 Flüchtlinge und 817 Ausländer ließen die Einwohnerzahl Varels auf 14 053 Personen steigen.

Am 5. Mai erschien auch die vorerst letzte Ausgabe des „Gemeinnützigen“ in bekannter Aufmachung. Behutsam wurde die Überlegenheit des „Feindes“ mitgeteilt: „Seit Wochen versucht ein zahlen- und materialmäßig überlegener Gegner unsere Front aufzureißen, doch es gelingt ihm nur schrittweise.“ Am 14. Mai meldete sich „Der Gemeinnützige“ wieder, jedoch als „Amtlicher Anzeiger der Militärregierung und des Bürgermeisters von Varel Stadt und Land“ – mit dem Aufruf an Arbeitslose, sich auf dem Arbeitsamt zu melden.

Am 22. Mai folgten Ausgangsbeschränkungen, und auch Mitteilungen über Vareler Einwohner, die sich über Bestimmungen der Militärregierung hinweggesetzt hatten. Sie wurden mit Strafmaß und vollem Namen genannt. Zwei Jugendliche beispielsweise, die ohne Kennkarte angetroffen worden waren, erhielten einen Freispruch, der Obenstroher Heinz S. wanderte für das gleiche „Vergehen“ zwei Monate ins Gefängnis. Brigitte S. aus Varel wurde gleich an ein höheres Gericht verwiesen, weil sie Alliierte mit dem Hitlergruß empfangen hatte. Ein Jahr Haft war die Strafe für einen Bramloger Gendarm, der ein Schwein ohne Erlaubnis geschlachtet hatte.

Im Juli berichtete die Alliiertenzeitung „Neue Oldenburger Presse“, dass es in Varel und der Friesischen Wehde „langsam aufwärts“ gehe. Und im August 1945 wurde die Bevölkerung daran erinnert, „daß die Vareler Straßen wieder ihre alten Namen haben“: Die Adolf-Hitler-Straße ist wieder die Obernstraße, die Göring-Straße wieder die Neumühlenstraße, die Franz-Seldte-Straße wieder die Wilhelmshavener Straße und der Horst-Wessels-Platz heißt nun wieder „Am Spülteich“.

Bis „Der Gemeinnützige“ wieder in den Briefkästen lag, dauerte es allerdings noch bis Januar 1950. Bis dahin versorgte die 1946 gegründete Nordwest-Zeitung die Leser aus Varel und Friesland; sie hatte zwischenzeitlich mit der Lokalzeitung kooperiert.


Alles zum Jubiläum:   www.nwz-online.de/gemeinnuetziger200 

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