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NWZonline.de Region Friesland Politik

Ärger um ein Heim für Bienen und Vögel

26.06.2018

Varel Erst „Ja“, dann „Nein“, nun wieder „Ja“ – oder vielleicht doch nicht? Ein Anpflanzstreifen im Neubaugebiet an der Hafenstraße beschäftigt derzeit wieder die politischen Gremien, die Verwaltung und die Naturschützer in der Stadt Varel. Denn bei der Aufstellung des Bebauungsplanes Nummer 201 war dieser am Rande und im Bauteppich so vorgesehen. Gekoppelt mit einer Liste heimischer Gehölze. Ein Antrag auf Aufhebung dieses Gebotes rief indes die Ortsgruppe Varel des Naturschutzbundes (Nabu) auf den Plan.

Er wurde in der Sitzung des Planungsausschusses am 28. November 2017 zunächst mit der Stimmengleichheit von 5:5 abgelehnt. Am 7. Dezember votierten die Politiker im nicht öffentlich tagenden Verwaltungsausschuss plötzlich dafür (laut Protokoll mit mehrheitlichem Beschluss).

Nach diesem demokratischen Akt witterten die Vareler Nabu-Mitglieder indes eine ökologische Verschwörung. Ihr Vorwurf in einem Schreiben an die Mitglieder des Rates und an Bürgermeister Gerd-Christian Wagner: „Politik auf Zuruf.“ Anwohner hätten demnach Ratsmitglieder angesprochen, um sie dazu zu bewegen, gegen die „störenden Auflagen“, so das Schreiben, zu stimmen.

Denn: Die neuen Grundstückseigentümer sind für die Anpflanzungen verantwortlich. Das bestätigte die Verwaltung. „Als Begründung des Änderungsbegehrens wird aufgeführt, dass viele Neu-Bewohner die Anpflanzstreifen nicht wünschen“, konkretisierte der Nabu in einem Schreiben vom 15. Juni.

Eine Befragung einiger Anwohner brachte indes keine Klarheit. Niemand wollte sich namentlich zu dem Thema äußern. Auch bei der öffentlichen Informationsveranstaltung waren nur wenige zugegen. Olaf Freitag, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Planung und Bau bei der Stadtverwaltung, begrüßte an dem Abend im April vier Gäste. Auch den Ratsmitgliedern ist nicht bekannt, dass Anwohner an sie herangetreten wären.

In der vergangenen Woche kam dann die erneut überraschende Wende: „Der Investor ist aktiv geworden und hat seinen Antrag zurückgezogen“, bestätigte Bürgermeister Gerd-Christian Wagner auf Nachfrage der NWZ. Das soll in der nächsten öffentlichen Sitzung des Planungsausschusses am 10. Juli (Beginn 17 Uhr, Rathaus II in Langendamm) bekanntgeben werden. Ob damit das Bebauungsplanänderungsverfahren eingestellt wird, stehe indes noch nicht fest. „Das muss dann der Verwaltungsausschuss entscheiden“, sagte Bürgermeister Gerd-Christian Wagner.

Doch warum ist der Anpflanzstreifen in dem Neubaugebiet überhaupt so wichtig? „Mittlerweile dürfte allgemein bekannt sein, dass die Masse an Insekten um 75 Prozent geschwunden ist“, teilte der Nabu mit: „Aufgrund dieser Entwicklung ist auch die Zahl der Vögel um 35 Prozent gesunken.“ Blüh- und Pflanzstreifen helfen, den Rückgang der Insekten aufzuhalten.

Warum spricht sich der Nabu so vehement gegen das Anlegen der Pflanzen auf einer Ausgleichsfläche außerhalb des Baugebietes aus? „Kompensation mit heimischen Insekten- und Vogelnährgehölzen an anderer Stelle würde den Bewohnern und vor allem den Kindern gerade angesichts dieser Problemlage wichtiges Naturerleben vorenthalten“, schrieb der Nabu: „Wildbienen und Schmetterlinge würden fehlen, genauso wie der Gesang von Rotkehlchen, Amsel und Zaunkönig. Auch ein Igel würde sich nicht hierhin verirren.“ Zudem sei aus dem im Baugebiet liegenden Regenwasserrückhaltebecken mittlerweile ein Laichgewässer von Fröschen und Kröten geworden. „Es ist anzunehmen, dass die Anpflanzstreifen im Rahmen des An- und Abmarsches der Amphibien eine wichtige Rolle spielen (werden).“

Olaf Ulbrich
Redaktionsleitung Varel
Redaktion Friesland
Tel:
04451 9988 2501

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