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NWZonline.de Region Friesland Politik

Parteien warben um Frauen

19.01.2019

Varel Anfang des Jahres 1919 – also vor 100 Jahren – kannte das Land nur ein Thema: die bevorstehenden Wahlen zur Nationalversammlung am 19. Januar. Kurz nach dem Erstem Weltkrieg sollte die Versammlung dem Land eine neue Verfassung geben und damit wieder für Ordnung im Deutschen Reich sorgen. Die historische Besonderheit dieser Wahl: Zum allerersten Mal durften Frauen ihre Stimme abgeben und sich selbst zur Wahl stellen.

Auch im „Gemeinnützigen“ war die Wahl natürlich Thema. Besonders die Sozialdemokraten und die Deutsche Demokratische Partei (DDP) machten damals Werbung für ihre Ansichten. Nahezu täglich wurden die Leser dazu aufgerufen, am Wahlsonntag ihre Stimme den beiden Parteien zu geben.

Genauso häufig wurde zu politischen Versammlungen eingeladen. Besonders umgarnt wurden in diesen Tagen die Wählerinnen, die ja schließlich zum ersten Mal wählen durften. Für sie wurden eigens Frauenversammlungen abgehalten, auf denen politisch diskutiert wurde.

Auf den Wahllisten präsentierten die Parteien dann auch ihre Kandidatinnen. Bei der DDP finden sich unter den sieben Spitzenkandidaten für den Wahlkreis Oldenburg-Aurich-Osnabrück immerhin zwei „Fräulein“. Bei der Zentrumspartei war unter den ersten sieben immerhin eine Frau.

Die Kandidatinnen nutzten die letzten Tage vor der Wahl, um noch einmal die gleichen Rechte für Männer und Frauen zu bekräftigen und um für die Sache ihrer Partei zu kämpfen. So schrieb beispielsweise Willa Thorade, DDP-Kandidatin aus Oldenburg, im „Gemeinnützigen“ unter der Überschrift „Die Frau in der Politik“: „Die Umwälzung hat auch die Frauen zu Staatsbürgern gemacht und ihnen mit einem Schlage alles gegeben, was die Führerinnen der Frauenbewegung (...) erstrebt haben. Jetzt gilt es für die Frauen, diese ihnen gleichsam in den Schoß gefallenen Rechte zu verdienen, zu bewahren und die damit verbundenen Pflichten in rechtem Geiste zu erfüllen.“

Die Wahl selbst wird im „Gemeinnützigen“ in der Ausgabe vom 21. Januar nur knapp kommentiert: „Am gestrigen Sonntage herrschte hier in der Stadt vom frühen Morgen ein bewegtes Leben, beeilte sich doch ein jeder, so schnell wie möglich seinen Stimmzettel abzugeben. Auch die Frauen machten zum ersten Male von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Ohne besonderen Grund dürfte wohl niemand auf seine Stimmabgabe verzichtet haben.“ Dazu gab es die Wahlergebnisse aus dem gesamten Wahlkreis. Vorn lag die SPD mit 114 253 Stimmen, dicht gefolgt von der DDP mit 113 882 Stimmen.

Insgesamt kandidierten 300 Frauen, 37 schafften den Sprung in die Nationalversammlung mit insgesamt 423 Abgeordneten. Aus dem Nordwesten war keine Frau dabei.

Das sollte sich allerdings noch ändern. Für den Sozialdemokraten Paul Hug sollte nämlich Marie Behncke in die Nationalversammlung nachrücken. Marie Behncke war ein Dienstmädchen aus Dangastermoor, engagierte sich im Bezirksvorstand der SPD und wurde nun die erste Parlamentarierin Nordwestdeutschlands.

Ihr Amt sollte sie aber nicht einmal ein Jahr lang ausüben. Im August 1919 rückte sie für Paul Hug nach. Im Juni 1920 löste der Reichstag die Nationalversammlung als gesetzgebendes Organ ab. Für den Reichstag kandidierte Marie Behncke zwar auch – jedoch ohne Erfolg. Sieben Jahre später zog sie sich aus der Politik zurück.

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Christopher Hanraets Varel / Redaktion Friesland
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