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NWZonline.de Region Friesland Politik

Geschichte: Von „halbwilden Horden aus Afrika“

09.09.2020

Varel Der französische Kaiser hatte Preußen und seinen Verbündeten am 19. Juli 1870 den Krieg erklärt. Die erwarteten eine schnelle französische Attacke über Lothringen in das Saarland und die Pfalz mit dem Ziel, auf diese Weise die süddeutschen Staaten, vor allem also Bayern, Baden, Württemberg und Hessen-Darmstadt von den Mitgliedern des Norddeutschen Bundes militärisch und möglichst auch diplomatisch zu trennen.

Zwar wurde Anfang August Saarbrücken von französischen Truppen angegriffen und kurzzeitig besetzt, dann aber zogen sie sich wieder zurück. Besser als die Franzosen konnte der preußische Generalstab seine Mobilisierungspläne mit Hilfe der Eisenbahnen realisieren, seine Soldaten in der Pfalz sammeln und im Gegenzug die französische Grenze überschreiten. „Nach Saarbrücken war man etwas verzagt – es ist nicht zu leugnen –, dann aber kam Sieg auf Sieg: Weißenburg, Wörth, Gravotte, Sedan, Straßburg, Metz!“ schreibt die Varelerin Louise von Krohn in ihren Erinnerungen.

Bereit zum Kampfe

Schon die ersten beiden Siege führten bei dem Redakteur des „Gemeinnützigen“ am 9. August zu der folgenden Betrachtung: „Welchen Contrast bieten die sich kampffertig gegenübertretenden Heere: deutscherseits ein Volk in Waffen, bereit zum Kampfe für seine edelsten Güten [Güter?] gegen den nicht veranlaßten Raubanfall, ernster Muth bei Intelligenz; – französischerseits Professionskrieger, Söldlinge, Stellvertreter, im Durchschnitt unwissende Consertbirte [?], sogar halbwilde Horden aus Afrika, Fremden-Legionen zur Aufnahme von Deserteuren und sonstigem Gesindel – man kann alles gebrauchen. Eben solche Gegensätze bieten die Proclamationen den [der?] beiderseitigen obersten Heerführer: Wilhelm einfach, klar und ruhig, Bonaparte schwulstig, unwahr.“

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Wie in jedem Krieg werden die Charaktere von Freund und Feind hier in Weiß-Schwarz-Manier gezeichnet: Auf der eigenen Seite finden wir die edlen Kämpfer, auf der anderen Seite „Söldlinge“, „halbwilde Horden aus Afrika, Deserteure“ usw. Dabei war es erst vier Jahre her, dass im „Deutschen Krieg“ von 1866 Preußen, Oldenburger u.a. gegen Österreicher, Hannoveraner, Bayern, Sachsen usw. kämpften!

Personale „Identität“ hat sehr viel mit der – z.B. durch Familie, regionale Herkunft, Aussehen – vorgegebenen sowie der eher frei gewählten Zuordnung zu Gruppen und Gruppierungen, etwa Freunden, Vereinen, zu tun.

Dank gegen Gott

Der Angriff der Franzosen sorgte nun für eine Gewichtsverschiebung weg von dem regionalen Identität als Oldenburger, Hannoveraner, Bayer hin zu der des Deutschen, der sein entstehendes Vaterland gegen einen äußeren Feind verteidigt. „Damals gab es keine Meinungsverschiedenheiten, das ganze deutsche Volk beseelte nur ein Gefühl, das des Dankes gegen Gott, gegen unseren König Wilhelm, gegen Bismarck, Moltke, unseren genialen Heerführer, voran ‚unser Fritz‘, und unsere tapfere, siegreiche Armee“, so die Varelerin Louise von Krohn.

Absurde Vergleiche

Der Kommentar „Zur Situation“ im „Gemeinnützigen“ vom 20.08.1870 aber zeigt, zu welchen absurden Vergleichen dieses Gruppen-Denken führen kann: „Wie einst die Juden, so betrachten sich die Franzosen als das auserwählte Volk; dem alle anderen dienen müssen; sie legen sich das Recht bei, alle anderen Nationen zu bevormunden und sich in die inneren Angelegenheiten zu mischen.“

Bei allen Gewalttaten, von denen das Alte Testament berichtet: Wann bevormundeten „die Juden“ alle anderen „Nationen“ und mischten sich in deren „innere Angelegenheiten“? Jüdische Deutsche mussten sich immer wieder gegen solche Zuordnungen wehren. Wir wissen, wohin das führte – und offenbar immer noch führt.

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