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NWZonline.de Region Friesland Politik

Von „Brust-Syrup“ bis Kriegsanleihe

11.01.2019

Varel Die Welt verändert sich – und mit ihr natürlich auch die Zeitung. Bemerkbar macht sich das aber nicht nur in der Berichterstattung, sondern vor allem auch in den Werbeanzeigen. Ein Blick ins Archiv des „Gemeinnützigen“ offenbart aus heutiger Sicht skurrile Anzeigen, aber auch solche, die zeigen, wie es gerade um das Land stand.

„Brust-Syrup“

Eine Anzeige für einen „Brust-Syrup“ findet sich beispielsweise in einer Ausgabe von 1870. Die Anzeige funktioniert ähnlich wie manche TV-Spots heute: Ein Kunde berichtet, was für gute Erfahrungen er mit einem Produkt gemacht hat. In diesem Fall bezeugt ein zufriedener Anwender, dass der „Mayer’sche weiße Brust-Syrup“ seiner „Frau bei Engbrüstigkeit und Husten nach Verbrauch von 2 Flaschen die besten Dienste geleistet hat.“

Nationalstolz in Schuhcreme-Werbung

Zur Zeit des Ersten Weltkriegs häufen sich im „Gemeinnützigen“ die Todesanzeigen – aber auch Hinweise auf Feste von Kriegervereinen. Von überbordendem Nationalstolz zeugt eine Anzeige eines Herstellers von Schuhcreme: Er wirbt mit der ersten Strophe des Deutschlandliedes und schreibt: „Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt, lobt man Schuhcreme Kavalier als die beste dieser Welt.“

Werbung für Lederputzcreme

Während des Zweiten Weltkriegs sind die Werbenden damit zurückhaltender. Dafür werden im großen Stil Kriegsanleihen beworben, mit denen der Staat an Geld für den Krieg kommen will. Auch Einrichtungen der Nationalsozialisten wie das Ernährungshilfswerk der NS-Volkswohlfahrt finden sich häufig unter den Anzeigen.

Im Laufe des Krieges ändern sich die Anzeigen aber. Zwar werden auch zum Ende des Krieges noch Schuhcreme, Wundheilpflaster und Glühbirnen beworben – allerdings zeigt sich, dass die Mittel im Deutschen Reich langsam knapp wurden. In nahezu jeder Anzeige werden die Menschen zur Sparsamkeit ermahnt. „Eine Rechnung, die nicht aufgeht“, steht beispielsweise über einer Werbung für Glühbirnen. Und weiter: „Wer eine starke Lampe durch zwei schwächere ersetzt, spart vielleicht Strom, braucht jedoch doppelt soviel Osram-Lampen. Auch zu ihrer Herstellung aber gehören Energie, Material und Arbeitskräfte. Deshalb: Strom und Lampen sparen!“

Kurz nach dem Krieg werden unter der britischen Militärregierung kaum große Anzeigen gedruckt. Es gibt fast nur amtliche Bekanntmachungen und Kleinanzeigen, in denen die Menschen Personal für ihre Betriebe suchen, Öfen, Getreide oder Tiere verkaufen wollen. Bald aber normalisiert sich die Anzeigenlage wieder.

Ein Gewerbe, mit dem man heute wahrscheinlich kaum noch Geld verdienen würde, wird 1947 beworben. Hier wird angeboten, „Frauen- und Kinder-Wollschlüpfer“ zu reparieren.

Kuriosität in Persil-Anzeige

Kampf gegen Tuberkulose

Eine Kuriosität findet sich in einer Ausgabe aus dem Jahr 1949: Neben einer Persil-Anzeige steht ein großes Preisrätsel zum Thema „Kampf gegen Tuberkulose“. Der Leser soll zählen, wie oft das internationale Zeichen für die Tuberkulose-Bekämpfung in einem gezeichneten Bild zu finden ist. Zu gewinnen gibt es stattliche 5000 D-Mark.

Ab den fünfziger Jahren geht es offenbar wieder bergauf im Land. Das Anzeichen dafür: Es werden im großen Stil Autos beworben – auch von solchen Marken, die es heute nicht mehr gibt, wie zum Beispiel Borgward. Den Borgward Isabella gab es Mitte der 1950er Jahre für 6980 D-Mark.

In den nachfolgenden Jahrzehnten erobern immer mehr Staubsauger und andere Haushaltsgeräte die Werbeflächen in der Zeitung. Ganz besonders in den 1980er Jahren wirkte sich die Fitnesswelle aus. Teilweise wurde auf ganzen Sonderseiten für Gesundheitsprodukte, Kuren und natürlich Aerobic geworben.

Christopher Hanraets
Varel
Redaktion Friesland
Tel:
04451 9988 2504
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