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NWZonline.de Region Friesland Politik

Das Schicksal einer jüdischen Familie in Friesland

27.01.2018

Varel Jeweils am 27. Januar wird weltweit der Opfer des Holocaust gedacht. Das Datum erinnert an die Befreiung der überlebenden Häftlinge des größten Konzentrationslagers (KZ) der Nationalsozialisten in Auschwitz durch sowjetische Truppen am 27. Januar 1945. Auch jüdische Mitbürger aus Varel kamen dort ums Leben. So zum Beispiel die Angehörigen der Familie von Eduard Visser, von der nur Tochter Ruth den Holocaust überlebte. Das ist ihre Geschichte.

Eduard Visser wurde am 15. Januar 1879 als Sohn eines jüdischen Kaufmanns im ostfriesischen Leer geboren. Seine Ehefrau Käthe, geboren am 24. Dezember 1896, stammte aus der alteingesessenen jüdischen Familie Rose aus Dornum. Ihre Eltern betrieben dort Viehhandel und eine Schlachterei.

Eduard Visser kam bereits als Jugendlicher zu Ostern 1892 von Leer nach Varel. Er lebte zunächst im Haus von Gustav Schwabe-Barlewin in der Haferkampstraße 10 und absolvierte im Vareler Kaufhaus Schwabe eine Ausbildung zum Verkäufer.

Im Ersten Weltkrieg war Eduard Visser als Landsturmmann in einem Oldenburgischen Infanterie-Regiment an der West- und Ostfront eingesetzt und erhielt den Orden Eisernes Kreuz. Im Dezember 1918 kehrte er aus dem Militärdienst nach Varel zurück und arbeitete wieder als Angestellter bei Schwabes.

Im April 1920 erwarb er ein Haus in der Oldenburger Straße 39. Wenig später heiratete er seine Verlobte Käthe Rose, und am 15. Februar 1921 wurde die erste Tochter Ruth geboren. Im November 1923 wurde in Varel die zweite Tochter Ingeborg geboren.

Verfolgung ab 1933

Mit Beginn der Herrschaft der Nationalsozialisten 1933 begann für die Familie Visser die Zeit des Leidens. Boykottaktionen Vareler Nazis gegen das Geschäft, antisemitische Demütigungen und Diskriminierungen der Mitglieder der kleinen jüdischen Gemeinde waren wie in allen anderen Orten Deutschlands auch in Varel an der Tagesordnung.

In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938, in der jüdische Synagogen und Geschäfte von den Nazis angezündet und verwüstet wurden, wurde Eduard Visser von Vareler Greiftrupps der SA (Schutzabteilung) in das Polizeigefängnis in Varel gebracht und tags darauf von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) über Oldenburg in das KZ Oranienburg (Sachsenhausen) bei Berlin verschleppt.

Er trug die Häftlingsnummer 10162 und war wie die übrigen verschleppten Vareler Juden im Block 42 untergebracht. Am 29. November 1938 entließ ihn die Gestapo. Auch nach dieser Gewalterfahrung wollte oder konnte Eduard Visser nicht dem Beispiel vieler Verwandte und Freunde folgen, mit seiner Familie ins Ausland zu fliehen.

Anfang 1939 erließ die Regierung von Adolf Hitler Bestimmungen, wonach das Geschäft von Visser und Rose zwangsweise geschlossen wurde. Ein Jahr später musste er unter dem Druck der Verhältnisse auch sein Haus Oldenburger Straße an den Buchhändler Johannes Friedrich verkaufen. „Sicherungsanordnungen“ des Finanzamtes über das verbliebene Vermögen kamen hinzu.

Die ältere Tochter Ruth blieb das einzige Mitglied der vierköpfigen Familie Visser, welches rechtzeitig Konsequenzen aus der Situation in Deutschland zog und überlebte.

Die Vertreibung und Ermordung einer Familie

Eduard und Käthe Visser sowie die bei ihnen in Varel verbliebene Tochter Ingeborg wurden im März 1940 von der Geheimen Staatspolizeistelle Wilhelmshaven zum Umzug nach Berlin gezwungen. Das Weser-Ems-Gebiet sollte auf Anordnung der Gestapo „judenfrei“ gemacht werden.

Neumühlenstraße 12. Hier existierte bis 1939 der Textilgroßhandel Visser/Rose.

Haus steht heute noch

Eduard Visser machte sich Ende des Jahres 1921 als Kaufmann in Varel beruflich selbstständig. Gemeinsam mit seinem Schwager Sally Rose, der in der Elisabethstraße wohnte, betrieb er einen Textilgroßhandel in der Neumühlenstraße 12.

Im Jahr 1939 wurde das Geschäft zwangsweise geschlossen. Ein Jahr später musste er unter dem Druck der Verhältnisse auch sein Haus Oldenburger Straße an den Buchhändler Johannes Friedrich verkaufen.

Betroffen waren alle jüdischen Bürger in Ostfriesland und im Land Oldenburg, mit Ausnahme der Bewohner der jüdischen Altenheime in Emden und Varel, die 1941 und 1942 in Ghettos und Vernichtungslager deportiert wurden.

Die Familie Visser wohnte in der Reichshauptstadt zunächst in einer sogenannten „Judenwohnung“ im Bezirk Schöneberg, zuletzt in Charlottenburg. Käthe Visser musste wie alle in Berlin lebenden Juden Zwangsarbeit in einem Rüstungsbetrieb verrichten.

Auch ihr Ehemann blieb davon nicht verschont, obwohl er gesundheitlich dazu nicht mehr in der Lage war. Er starb am 1. Januar 1941 und wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beerdigt. Tochter Ingeborg, ebenfalls zur Zwangsarbeit verpflichtet, heiratete noch am 4. Oktober 1941. Mit ihrem Mann David Friedmann hatte sie einen Sohn Denny, geboren am 9. September 1942.

Am 12. Januar 1943 deportierte die Berliner Staatspolizeistelle Käthe Visser zusammen mit knapp 1200 weiteren Juden aus Berlin. Der „26. Osttransport“ fuhr vom Moabiter Güterbahnhof in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Nach der Ankunft selektierte die SS (Schutzstaffel) knapp 900 „nicht arbeitsfähige“ Personen aus diesem Transport für die Gaskammern. Darunter war auch Käthe Visser. Ihr in Berlin verbliebenes Barvermögen und Einrichtungsgegenstände wurden vom deutschen Staat eingezogen.

Am 3. Februar 1943 wurden auch Tochter Ingeborg mit Ehemann und Sohn nach Auschwitz-Birkenau deportiert, dieser Transport mit knapp 1000 Opfern wurde von der Berliner Staatspolizeistelle als „28. Osttransport“ vermerkt.

Nach der Ankunft in Auschwitz wurden von der SS aus dem Transport 700 jüdische Männer, Frauen und Kinder für die Gaskammern selektiert, darunter waren auch Ingeborg und David und der fünf Monate alte Sohn.

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