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NWZonline.de Region Friesland Politik

Kunstrasen: Ja – Mikroplastik: Nein

06.06.2019

Varel Die Planungen für einen Kunstrasenplatz, der im neuen Sport- und Bürgerpark in Langendamm entstehen soll, gehen weiter. Die Mitglieder des Planungs- und Umweltausschusses lehnten am Dienstagabend einen Aufschub ab. Die Gruppe G6 im Stadtrat (Grüne, Linke sowie die parteilosen Cordula Breitenfeldt und Alexander Westerman) hatten ein Moratorium beantragt. In einem waren sich aber alle Politiker nach der gut zweistündigen Diskussion einig: Es soll ein Kunstrasen gebaut werden, der kein Mikroplastik enthält.

35 Tonnen Plastik = 1 Million PET-Flaschen

Ein Kunstrasenplatz bedeutet die Versiegelung einer Fläche von bis zu 7500 Quadratmetern. Verbaut werden dabei nach Angaben von Olaf Freitag von der Stadtverwaltung Varel 35 Tonnen Kunststoff. Das entspreche einer Menge von einer Million PET-Flaschen.

Für den Bau eines Kunstrasenplatzes wird zunächst eine elastische Tragschicht aus Gummi verlegt. Darauf kommt dann der eigentliche Kunstrasenteppich. Um ihn zu stabilisieren und zu beschweren, wird er mit Sand verfüllt. Zusätzlich wird eine Schicht aus Kunststoffgranulat aufgebracht, die die künstlichen Grashalme aufrecht halten sollen. Als Füllmaterial wird auch Sand und Kork verwendet.

Das Einstreugranulat aus Kunststoff wird aufgrund seiner Größe als Mikroplastik eingestuft. Pro Jahr werden 250 bis 300 Kilo aus dem Kunstrasenplatz in die Umwelt ausgetragen, besagt einer Studie von Filteranlagenanbietern. Laut Fraunhofer Institut sind Kunstrasenplätze die fünfthäufigste Ursache für Mikroplastik in der Umwelt. Die häufigste ist der Reifenabrieb im Straßenverkehr.

Allerdings ohne „Denkpause“, wie Carsten Kliegelhöfer (Die Grünen) das Moratorium bezeichnete. Es hätte so lange gelten sollen, bis eine eindeutige ökologische Unbedenklichkeit nachgewiesen werden kann oder eine Alternative ohne Mikroplastik gefunden wird. Ein Moratorium hätte aber auch bedeutet, dass notwendige Beschlüsse nicht gefasst werden können. „Die Verwaltung hört dann sofort mit der Planung auf“, kündigte Bürgermeister Gerd-Christian Wagner vor der Abstimmung an und betonte: „Man kann einen Kunstrasenplatz ohne Mikroplastik bauen aber nicht ohne Kunststoff.“

Mehrheitlich angenommen wurde ein Antrag des Ausschussvorsitzenden Sascha Biebricher (SPD): „Ziel ist eine mikroplastikfreie Ausführung eines Kunstrasenplatzes, für den dann ein Förderantrag gestellt wird.“ Er plädierte dafür, sich von einem externen Fachmann über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Kunstrasenvarianten beraten zu lassen. „Dann entscheiden wir gemeinsam mit den Sportlern und Bürgern, welche Ausführung die am besten geeignete ist.“ Alternativen als Füllmaterial wären Sand oder Kork.

Der Verwendung von Mikroplastik als Kunstrasengranulat (siehe Infobox) droht unterdessen ein Verbot. Die EU-Kommission hat die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) beauftragt, Maßnahmen zu entwickeln, um den Einsatz von Mikroplastik zu verhindern. Sie empfiehlt ein Verbot der winzigen Plastikpartikel, losgehen soll es 2022. Das hat auch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) auf den Plan gerufen, der in diesem Zusammenhang zum Verzicht von Kunststoffgranulat beim Bau vom Kunstrasenplätzen rät.

Die Gruppe G6 sieht in den Antrag auf ein Moratorium derweil kein Verbot für einen Kunstrasen in Varel (auch wenn sie sich für einen „weiteren Naturrasenplatz mit einer vernünftigen Drainage“ ausspricht). Kliegelhöfer nutze ihn als Plädoyer für den Klimaschutz: „Mir reicht es nicht, dass darüber nur diskutiert wird, ich möchte eine Tat haben und nicht nur ein Wort“, sagte er. Gleichwohl akzeptiere er die demokratische Entscheidung. „Wir sollten das als Chance sehen und uns die Zeit nehmen“, hatte zuvor Cornelia Papen (Klare Kante) gefordert.

„Um nach geeigneten Alternativen zu suchen, benötigt man kein Moratorium“, sagte Hergen Eilers (CDU). Leo Klubescheidt (Zukunft Varel) bat um Vertrauen: „Wir werden eine ökologisch vertretbare Losung finden. Ein Moratorium hätte nur eine Blockadesituation eröffnet.“


Stimmen der Ratspolitiker:

„Wir haben im Vorfeld signalisiert, dass wir den Kunstrasen befürworten. Wir wollen aber keine ökologischen Risiken. Wie die neuen Ergebnisse des Fraunhofer-Instituts zeigen, fällt der Eintrag von Kunststoffgranulat aus. Wenn es Alternativen gibt, kann man an den Planungen festhalten.

“ Hergen Eilers
(CDU)

„Ein Kunstrasenplatz in Varel ist nicht so klimaschädlich wie die Kreuzfahrten und Urlaubsflugreisen der Vareler zusammen.

“ Klaus Ahlers
(Zukunft Varel)

„Ökologischen Unfug zu machen, gebietet die aktuelle Zeit nicht. Seit zehn Jahren denken wir über den Bau nach, heute gibt es Alternativen. Das Ziel muss sein, komplett ohne Granulat zu bauen. Wir stehen hinter der Realisierung eines Kunstrasenplatzes und sind für die Umsetzung. Der Antrag auf ein Moratorium ist zu absolut und lässt keine Kompromisse zu. Wir werden genug Zeit haben, uns Expertisen heranzuholen und zu entscheiden.“

Jürgen Bruns
(SPD)

„Bitte kein Moratorium. Vertrauen Sie uns, wir nehmen die Bedenken auf. Die Fußballer haben lange genug gewartet und die Politik muss nun entscheiden.

“ Jost Etzold
(FDP)

„Ich war im Wahlkampf 2016 noch für den Bau eines Kunstrasenplatzes. Aber nach neuesten Erkenntnissen ist das jetzt nicht mehr sinnvoll. Mir waren die Einzelheiten damals so nicht bekannt.“

Cordula Breitenfeldt
(G6)

„Das Moratorium bedeutet, sich zwölf Monate intensiv mit der Lage auseinanderzusetzen und sich alle Aspekte anzusehen um herauszubekommen, was für die Sportler der Stadt das beste ist. Denn in die Diskussion sind viele neue, bislang unbekannte, Dinge hineingekommen.

“ Sigrid Busch
(Grüne)

„Wir müssen uns irgendwann entscheiden. Die Stadtverwaltung arbeitet mit ganz heißer Nadel und sie wird das auch weiter tun. Auch im Laufe des Verfahrens ist eine Umplanung möglich. Gibt es ökologische Alternativen, werden wir das berücksichtigen und mit einarbeiten.“

Gerd-Christian Wagner

(Bürgermeister)

Olaf Ulbrich Redaktionsleitung Varel / Redaktion Friesland
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