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NWZonline.de Region Friesland Politik

Stilles Gedenken mit deutlicher Mahnung

11.11.2017

Varel Mehr als 50 Menschen haben sich am späten Donnerstagabend am Synagogendenkmal an der Osterstraße in Varel versammelt, um dort den Opfern Übergriffe von Nationalsozialisten gegen jüdische Geschäfte, Gotteshäuser und Wohnungen in der Reichspogromnacht vor 79 Jahren zu gedenken. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten überall in Deutschland und auch in Varel Synagogen. Geschäfte und Wohnungen von jüdischen Mitbürgern wurden zerstört und geplündert.

In das stille Gedenken mischten sich aber auch deutliche Worte der Mahnung. „Gewalt und Hass sind keine Lösung, um den Mitmenschen ihre Ängste zu nehmen“, sagte Lothar Bredemeyer vom Kreisverband Friesland des deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und warnte vor zunehmender Fremdenfeindlichkeit: „Wir müssen aufpassen, dass wir politisch nicht nach rechts abdriften.“

Auch Varels Bürgermeister Gerd-Christian Wagner rief die Bürger zur Wachsamkeit auf. „Es gilt, frühzeitig gegen Gewalt und nicht tolerierbare Tendenzen vorzugehen“, sagte er. Aus den Fehlern der Vergangenheit müsse man lernen. „1938 hat das Volk stumm zugeschaut. Das darf sich nicht wiederholen.“ Er sei sich aber sicher: „Unsere Demokratie hat die Kraft dazu. Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit werden wir in unserem Staat nicht dulden.“

In seiner Meditation erinnerte Pastor Tom Brok zudem an die jüdische Familie Weiss, die an der Hindenburgstraße 3 in Varels Innenstadt ein Geschäft für Kleidung, Schreibwaren und Haushaltsbedarf aller Art betrieb. 1936 musste sie schließen und zog nach Bremen. Dort wurde Ludwig Weiss 1938 verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt. Er starb an den Folgen der Misshandlungen. Rosa Weiss wurde 1941 verhaftet und nach Minsk verschleppt. Sie überlebte das Ghetto nicht.

Am Todestag von Ludwig Weiss am 14. November wird am Dienstag um 15 Uhr vom Arbeitskreis „Juden in Varel“ eine Gedenktafel als Zeichen der Mahnung für Frieden und Menschenwürde am Haus an der Hindenburgstraße 3 – heute die Firma Dieler – angebracht. Alle Bürger sind dazu eingeladen.

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