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NWZonline.de Region Friesland Politik

Namensgeber mit zweifelhaftem Ruf

07.09.2018

Varel Der Namensgeber der Kommodore-Bonte-Straße in Varel ist nur wenigen ein Begriff. Ein Blick in seine Biografie wirft die Frage auf, wieso Friedrich Bonte bis heute mit einem Straßennamen gewürdigt wird.

Im April 2015 wurde in Hannover der Hinrich-Wilhelm-Kopf-Platz umbenannt. Anlass für die Entfernung des ersten Ministerpräsidenten des Landes Niedersachsen aus dem Stadtbild war eine Debatte über Kopfs NS-Vergangenheit: Während des Zweiten Weltkrieges hatte er sich im besetzten Polen am Besitz enteigneter Juden bereichert, nach dem Krieg jedoch stets eine Verstrickung in das nationalsozialistische Regime abgestritten. Dem Mann, der jahrzehntelang als demokratischer Landesvater gegolten hatte, wurde so posthum seine Vergangenheit zum Verhängnis.

Kommentar

Straße

umbenennen

Es mag nur eine rund 100 Meter lange Sackgasse sein – dennoch setzt man in Varel mit der Kommodore-Bonte-Straße einem Mann von zweifelhaftem Ruf ein Denkmal. Und das in aller Öffentlichkeit. Man muss nicht einmal in Geschichtsbüchern recherchieren, um herauszufinden, wer Bonte war. Umso erstaunlicher, dass die Straße noch nicht umbenannt wurde. Eine kurze Suche im Internet reicht schon, um zu sehen, dass Bonte Mitglied der demokratiefeindlichen Marine-Brigade Ehrhardt war und den Angriff auf Narvik im Zweiten Weltkrieg führte. Der Name der Stadt muss bis heute in der rechtsradikalen Neonazi-Szene als Name für Kneipen und Klamottenläden herhalten.

Gerade in Zeiten, in denen die Rechten wieder auf dem Vormarsch sind, wie die Ereignisse in Chemnitz zeigen, wäre es ein starkes Zeichen, wenn Varel der Kommodore-Bonte-Straße einen weniger anrüchigen Namen geben würde. Damit würde man ganz klar Flagge gegen Rechts und für die Demokratie zeigen.

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In Varel gibt es keinen Hinrich-Wilhelm-Kopf-Platz, aber es gibt eine Kommodore-Bonte-Straße. Friedrich Bonte wurde 1896 in Potsdam geboren. Im Ersten Weltkrieg meldete er sich für den Marinedienst und wurde mehrfach befördert, doch nach Kriegsende wurde er entlassen. Bonte schloss sich der Marine-Brigade Ehrhardt an, einem von vielen rechtsradikalen Freikorps jener Zeit. Die Brigade wurde berüchtigt durch die Brutalität, die sie etwa bei der Niederschlagung der Münchner Räterepublik 1919 und bei ihrer Beteiligung am Kapp-Putsch in Berlin 1920 an den Tag legte. Nach ihrer offiziellen Auflösung verübte die Gruppe zahlreiche weitere Morde, mit denen sie zum Sturz der Weimarer Republik beitragen wollte.

In den zwanziger Jahren wurde Friedrich Bonte wieder in die Reichsmarine aufgenommen und erarbeitete sich zahlreiche Beförderungen – bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs kommandierte er die Zweite Zerstörerflottille. Im April 1940 befand sich Bonte im Rang des Kommodore und durfte sich „Führer der Zerstörer“ nennen. Unter seinem Kommando griff die Marine den norwegischen Hafen Narvik an und besetzte ihn. Am 10. April starb Bonte bei einem Gefecht mit englischen Kriegsschiffen, in dem ein Großteil seines Verbandes verloren ging.

Der Misserfolg seines letzten Kommandos hinderte die nationalsozialistische Führung nicht daran, Bonte posthum in den Zeitungen als Helden darzustellen und unter anderem mit dem Eisernen Kreuz erster und zweiter Klasse sowie dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes zu ehren. Zahlreiche Straßen wurden nach Bonte benannt, doch verschwand sein Name mit Kriegsende wieder aus den meisten Städten. Heute taucht der Name Friedrich Bontes noch in den Marinestädten Flensburg und Wilhelmshaven auf – und in Varel, einer Stadt, zu der der Kommodore in keiner Weise eine besondere Beziehung hatte.

Trotz der zweifelhaften Biografie ihres Namenspaten hat eine größere Diskussion über die Benennung der Kommodore-Bonte-Straße in Varel nie stattgefunden. Ein Leserbrief, den der „Gemeinnützige“ im März 2007 abdruckte und in dem gefordert wurde, anstelle der Kommodore-Bonte-Straße besser eine Straße nach dem norwegischen Friedensforscher Johann Galtung oder Franz Fritsch, einem Bockhorner, der Verfolgte vor dem NS-Regime rettete, zu benennen, fand kein öffentliches Echo.

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