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NWZonline.de Region Friesland Politik

GESCHICHTE: Wahlkampf erreicht eine neue Qualität

08.12.2005

kommunalwahlergebnis 1930

Am 9. November wählten die Bürger in Varel-Stadt:

NSDAP 43,3 Prozent; neun Ratsmandate; SPD 20,8 Prozent (vier Mandate), Bürgerliche Einheitsliste 12,9 Prozent (zwei Sitze), KPD 8,8 Prozent (ein Sitz); weitere kleine Parteien: Beamtenliste 7,1 Prozent (ein Sitz), Katholische Liste 5,4 Prozent (ein Sitz); Linksliberale 4,6 Prozent (-); Angestelltenliste (2,5 Prozent, kein Sitz).

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Die NSDAP wurde in Varel schon 1930 stärkste Partei. Vor 75 Jahren fanden die letzte freien Kommunalwahlen der Weimarer Republik statt.

Von Hans Begerow VAREL - Eine hohe Arbeitslosigkeit kennzeichnete die wirtschaftliche Lage des Jahres 1930. Im Amt Varel waren im November 1121 Männer und Frauen erwerbslos gemeldet, 400 mehr als noch im September 1930, hat der Vareler Historiker Holger Frerichs herausgefunden. Trostlos wird die Situation im Baugewerbe und in der Industrie in jenem Jahr der Wirtschaftskrise beschrieben. Und diese Stimmung kennzeichnete offenbar auch das Abstimmungsverhalten bei der Kommunalwahl 1930.

Als großer Gewinner dieser letzten demokratischen Kommunalwahl der Weimarer Republik vom 9.November 1930 konnten sich die Nationalsozialisten feiern. Sie erreichten in Varel 43,3 Prozent der Stimmen und erhielten neun Ratsmandate. Die SPD war auf 20,8 Prozent der Stimmen gekommen (vier Mandate), die Bürgerliche Einheitsliste auf 12,9 Prozent (zwei Sitze), KPD 8,8 Prozent (ein Sitz), Beamtenliste und Katholische Liste erreichten ebenfalls je ein Ratsmandat.

Vorausgegangen war ein heftiger und in dieser Form noch nicht dagewesener Wahlkampf, in der vor allem die Nazi-Partei Versammlungen abhielt. Der damalige Redaktionsleiter des Gemeinnützigen, Franz Knorr, kommentierte: „Der Wahlkampf wurde (...) mit erheblicher Schärfe geführt. (...) in Varel steigerte sich das Maß der Wahlpropaganda der politischen Parteien erst in letzter Stunde auf bisher nicht gekannte Höhe. Umzüge mit Musik, Wagen mit Lautsprecher, überfüllte nationalsozialistische Versammlung, die polizeilich geschlossen werden mußte, (...) bildeten besondere Merkmale dieses Kampfes." (Zitiert nach Frerichs: Der Marsch ins dritte Reich.)

Da Wahlergebnis brachte für die Nazi-Partei das beste Ergebnis aller vier oldenburgischen Städte. Obwohl die Nazi-Partei zunächst einmal keine Mehrheit hatte, wählten die bürgerlichen Parteien mit den Nazis den Arzt Dr. Friedrich Wegener als Stadtratsvorsitzenden. Und auch der Stellvertreter Hans Hahn gehörte der NSDAP an. Zusammen mit den vier Magistratsmitgliedern (die zusammen mit dem Bürgermeister Oltmanns sozusagen die städtische Regierung bildeten) wählten die Ratsmitglieder später noch den Kaufmann Hans Flügel zum stellvertretenden Bürgermeister. Auch für Flügel hatten bürgerliche Ratsmitglieder gestimmt.

Die Sozialdemokraten hatten den Kaufmann Heinrich Wullenkord nominiert. Die Sitzung scheint turbulent zugegangen sein: „(...) die Vorkommnisse dieser letzten Sitzung (stellen) wohl das Unerhörteste an parlamentarischer Gepflogenheit“ dar, schrieb Redakteur Franz Knorr im Januar 1931 im Gemeinnützigen.

Es gehöre offenbar zum guten Ton, dass man sich „in den wüstesten Beschimpfungen und Schmähungen ergeht". Und auch im Publikum ging es hoch her.

In der Gemeinde Varel-Land hatten die Nazis mit bürgerlichen Parteien eine Liste gebildet. Die meisten Kandidaten dieser Liste waren Nazis, unter ihnen der Landwirt Wilhelm Hillen aus Dangast. Die Liste erhielt 54,7 Prozent der Stimmen (elf Sitze), die SPD kam auf 27,2 Prozent (fünf Sitze), Bauernstand/Mittelstand kam auf 13,5 Prozent (zwei Sitze), die KPD (4,6 Prozent) erhielt keinen Sitz. Nach der Wahl trennten sich NSDAP und Bürgerliche indes wieder und bildeten eigenständige Fraktionen, um aber bei der Ämtervergabe wieder zusammen zu gehen. Insgesamt brachten die Kommunalwahlen 1930 einen deutlichen Ruck nach rechts. Es waren, wie erwähnt, die letzten freien und allgemeinen Kommunalwahlen bis zum Herbst 1946.

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