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NWZonline.de Region Friesland Politik

Wenn nur noch Zuhören hilft

12.11.2016

Varel „Plötzlich haben andere entschieden, was für mich gut ist“, erinnert sich Anne Grabhorn an die Zeit nach dem Tod ihres Mannes. Karin Thiel ist unter anderem die Hühnersuppe in Erinnerung geblieben, die ihr freundliche Nachbarn nach dem Tod ihres Mannes vor 20 Jahren vorbeigebracht haben. Seitdem hat sie das Thema „Trauer“ nicht mehr losgelassen. Gemeinsam mit Helga Baumbusch unterstützen die Frauen Trauernde in den Gesprächskreisen der Hospizbewegung Varel und in einer Vareler Selbsthilfegruppe für Witwen und Witwer (siehe linke Infobox).

Das tut Trauernden gut

Mitgefühl: dem Trauenden zeigen, dass man an ihn denkt.  


Trauernde möchten reden, vom Verstorbenen erzählen. Helfen Sie dem Trauernden, die Beziehung zum Verstorbenen aufzuarbeiten – auch noch lange nach der Beisetzung. Toleranz: Jeder Mensch trauert anders und hat ein Recht darauf, seinen Trauerprozess so zu erleben, wie er für ihn richtig ist. Der eine freut sich über einen Kondolenzbesuch, der andere möchte allein sein.

Zeit schenken: dem Trauernden Alltagsdinge abnehmen, zuhören, auf den Friedhof mitkommen.

Authentizität: Seien Sie aufrichtig, verstellen Sie sich nicht.

„Das ist nicht so einfach mit der Trauer“, sagt Helga Baumbusch. In den Vareler Trauergruppen erleben die Frauen, wie facettenreich Trauer und Trauernde sind. Da kommt die junge Witwe, die nicht weiß, wie es finanziell weitergeht, und die verwitwete Seniorin, die weder Autofahren kann noch weiß, wie sie eine Bankkarte benutzt. „Oder der Witwer, dem in der Selbsthilfegruppe gezeigt wird, wie man Bettwäsche zusammenlegt“, berichtet Karin Thiel.

... und das hilft Trauernden nicht

Unsensible Sprüche wie „Du bist ja noch jung“, „Das Leben geht weiter“, „Jetzt muss aber langsam gut sein“.

Interesse heucheln: Den Trauernden fragen, wie es ihm geht, um anschließend nur von sich selber zu erzählen.

Ausgrenzung: Trauernde gehören mitten in die Gesellschaft, Einrichtungen wie „Witwentische“ sind diskriminierend.

Ratschläge: Jeder trauert anders und unterschiedlich lange. Dem einen hilft es, zum Friedhof zu gehen, der andere erträgt es nicht. Der eine möchte Trauerkleidung tragen, der andere nicht.

„Du musst“: In der Trauer gibt es kein „Muss“, jeder darf seinen eigenen Weg finden.

Ihre Hauptaufgabe sehen die Frauen jedoch im Zuhören. „Die Trauernden, die zu uns kommen, brauchen jemanden außerhalb der Familie, der ihnen zuhört“, sagt Karin Thiel, „die Familienmitglieder haben ihre eigene Trauer und wollen nicht zum zehnten Mal dieselbe Geschichte hören“.

Sie erlebt auch, wie schwer sich viele damit tun zuzuhören: „Da wird ein Trauernder gefragt, wie es ihm geht, und ohne die Antwort abzuwarten, erzählt der Fragende gleich von seinen Krankheiten.“

Nicht nur vom Gegenüber, das nicht zuhören kann, sondern auch von schmerzhafter Ausgrenzung berichten die Trauernden. Etwa davon, nach dem Tod des Ehemannes bei Feiern an den „Witwentisch“ verbannt zu werden oder davon, als Alleinstehender nicht mehr eingeladen zu werden, zu Gruppen wie dem Kegelverein nicht mehr dazuzugehören.

Diese Erfahrungen einen die Frauen und Männer im Alter von Mitte 30 bis
Mitte 70, die in die Trauergruppen
kommen, um den Verlust eines geliebten Menschen besser verarbeiten zu können.

„Ist das noch normal?“ ist die häufigste Frage, die in den Trauergruppen gestellt wird, berichtet Karin Thiel. In ihren Gruppen erfahren die Trauernden, dass es in der Trauer kein Falsch und kein Richtig gibt: „Sie sind froh, einfach frei von der Leber erzählen zu können, wie doof das alles ist.“


NWZplay zeigt ein Video über die Arbeit von Trauerland unter   www.nwzplay.de 
Traute Börjes-Meinardus Varel / Redaktion Friesland
Rufen Sie mich an:
04451 9988 2502
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