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NWZonline.de Region Friesland Politik

„Willkommen“ auf herzliche Accumer Art

28.08.2015

Accum Ein bisschen Grammatik muss sein: „Ich bin – Ich war – Ich werde sein“. Rezan (27) und Alouan (21), Kriegsflüchtlinge aus Syrien, tun sich noch schwer mit der deutschen Grammatik. Und mit den vielen neuen, seltsam klingenden Vokabeln. Und dann erst die unterschiedlichen Artikel. Der. Die. Das. Und aus all dem einen verständlichen Satz zu formen. Aber Heinz Lutz und Anita Korbel-Bergmann haben viel Geduld mit ihren Schülern, mit denen sie sich dreimal die Woche für je eine Stunde zusammensetzen und Deutsch lernen.

Einfach so. Ehrenamtlich. Weil Rezan und Alouan noch keinen Platz in einem Sprachkursus haben. Und den haben sie nicht, weil ihr Aufenthaltsstatus noch nicht endgültig geklärt ist. „Aber so lange können wir nicht warten“, sagt Heinz Lutz. „Die jungen Leute aus Syrien leben schon unter uns und wollen Deutsch lernen. Die wollen was tun. Und ich bin Rentner und habe Zeit.“ Und der Individualunterricht, den sie seit April bekommen, zeigt Erfolge.

Vor Mördern geflohen

„Es wird besser“, sagt Alouan und erklärt in schon recht gut verständlichen Sätzen, dass er neulich zum Zahnarzt musste, weil ihm ein Backenzahn wehtat. „Oben rechts, stimmts?“, hakt Heinz Lutz nach. „Nein, links“, korrigiert Alouan und Heinz Lutz klopft ihm zufrieden lächelnd auf die Schulter: „War ein Test.“

Rezan, Textildrucker von Beruf, und Alouan, der in seiner Heimat begonnen hatte, Elektrotechnik zu studieren, bevor Krieg und Terror seinem Land Tod und Verderben brachten, leben seit ein paar Monaten mit drei weiteren Landsleuten in Accum, Tür an Tür mit Karin Schuster und ihrem behinderten Mann (die NWZ  berichtete). Die Syrer flohen vor den Gräueltaten der Möderbande ISIS, kamen auf abenteuerlichsten Wegen nach Deutschland und sind nun Teil der Accumer Dorfgemeinschaft. Besser: Sie sind auf gutem Wege dahin.

Denn wie die Accumer sich um „ihre vier Flüchtlinge“ kümmern und ihnen zeigen, dass sie willkommen sind in ihrer Dorfgemeinschaft, das ist ein schönes Gegenbeispiel in diesen Zeiten, in denen sich Fremdenhass und braunes Dumpfbackentum im Land Bahn bricht.

Kirchengemeinde, Bürgerverein und viele andere Bürger waren einfach neugierig auf „die Neuen“, die die Stadt Schortens um Weihnachten 2014 herum in Accum in einem Haus unterhalb der Kirche einquartiert hatte. Es gab erste Einladungen zu Gemeindenachmittagen und Vereinsfesten, und langsam kamen sich die Accumer und die Flüchtlinge aus Syrien näher. Soweit das möglich ist, wenn die einen kein Kurdisch und die anderen kein Deutsch sprechen.

Schnell war klar: Die Syrer müssen Sprachunterricht haben. „Und wenn die Behörden das nicht hinbekommen, machen wir das eben selbst“, sagt Anita Korbel-Börgmann. Gemeinsam mit Hans Günter Appel und Martina Decker aus Accum treffen sich die Syrer vormittags im Gemeindehaus. Vier Lehrer, vier Sprachschüler. Zwei bekommen nun aber auch Unterricht bei einem Kursus der Volkshochschule, sagt Heinz Lutz.

Soziale Kontakte knüpfen

Die Lehrbücher haben die Syrer von ihrem eigenen Geld bezahlt. Und wenn das Buch nicht weiter weiß, helfen Bilder auf dem Handy, um sich verständlich zu machen.

„Wir versuchen, ganz alltagspraktische Dinge zu vermitteln", sagt Lutz. „Die Feinheiten machen wir später.“ Den Unterricht sehen die Accumer auch als Form des Kennenlernens. Soziale Kontakte seien im Moment mit das Wichtigste, um in der Fremde „anzukommen“.

Während Alouan gut zurechtkommt, fällt der Sprachunterricht Rezan noch schwer. Er besuchte in seiner Heimat nur zwei Jahre lang die Schule, muss nun parallel auch noch die lateinische Schrift lernen.

Froh ist Alouan, dass er länger bleiben kann: Drohte ihm bereits Anfang August die Abschiebung, weil er zuerst in Bulgarien europäischen Boden betreten hatte, kann er erst mal bis Februar bleiben. Wie es danach weitergeht, ist offen. Vorsichtshalber lernt er fleißig Deutsch.

Die Stunde ist rum. Heinz Lutz hält beiden die Uhr hin: „Wie spät ist es?“ „Es ist nie zu spät“, sagt Alouan.

Oliver Braun Agentur Hanz / Redaktion Jever
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