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NWZonline.de Region Friesland Politik

„Wollen hier einfach als Deutsche leben“

24.01.2015

Jever „Man muss doch gemeinsam unter einem Dach leben können.“ Ünal Alpaslan lebt seit seinem zweiten Lebensjahr in Deutschland, sein Großvater kam im Zuge des Gastarbeiterabkommens 1961 her, Anfang der 1970er Jahre, folgte Alpaslans Vater mit seiner Familie. Ünal Alpaslan wuchs im westfälischen Ahlen auf, seit 2009 arbeitet er beim Landkreis Friesland als Architekt, baut und saniert Gebäude. Der 43-Jährige lebt mit Frau und zwei Söhnen in Jever.

Gut integriert

„Ich bin angekommen und integriert“, sagt Alpaslan: „Von der Mentalität her bin ich Deutscher.“ Das spüre er besonders, wenn er in der Türkei ist. Und dennoch fällt er auch hier auf: „Natürlich werde ich auf der Straße als Türke erkannt“, weiß er – bei seinem südländischen Aussehen sei das kein Wunder.

Türkische Kultur und den muslimischen Glauben lebt Ünal Alpaslan auch in Jever weiter – „so gut es eben geht“, sagt er. Denn im Jeverland leben kaum Türken. „Uns fehlt das kulturelle Umfeld“. Und das fällt besonders zu den hohen islamischen Feiertagen auf, zum Fastenmonat Ramadan etwa mit seinen großen Opferfesten.

„Als ich vor knapp sechs Jahren nach hier oben kam, war mir nicht so bewusst, dass es hier kaum Türken und Muslime gibt“, sagt er: „Ich hatte mein berufliches Fortkommen im Kopf – da ist das kulturelle Umfeld nicht das erste, an was man denkt.“

Davon abgesehen leben Ünal Alpaslan und seine Familie sehr gerne in Jever. „Es ist paradiesisch: Schulen, Kindergärten, Geschäfte – alles vor Ort, die Menschen sind freundlich.“ Auch seine Familie, die noch in Nordrhein-Westfalen lebt, komme gerne zu Besuch nach Jever.

Und dennoch fühlt sich Alpaslan zurzeit nicht ganz wohl: Er sieht mit Sorge, wie viele Leute an Pegida-Demonstrationen teilnehmen. „Da werden unter dem Vorwand einer angeblich drohenden Islamisierung Deutschlands Ängste geschürt – und es ist nicht klar, wo das hinführt.“ Für ihn ist unverständlich, wie man von einer Islamisierung sprechen kann angesichts rund 4 Millionen Menschen islamischen Glaubens – das sind etwa 5 Prozent der deutschen Bevölkerung.

„Unter Generalverdacht“

„Und dennoch ist es wieder so weit, dass ich als Muslim und südländisch aussehender Mensch unter Generalverdacht gerate“, meint Alpaslan. 2001 nach den Anschlägen aufs World Trade Center in New York sei das schon einmal so gewesen. „Jeder Muslim galt plötzlich als ,Schläfer‘, als potenzieller Terrorist.“

„Wir Muslime wollen hier gerne einfach als Deutsche leben“, sagt Alpaslan: Nach 50 Jahren muslimischer Geschichte in Deutschland wäre es dafür doch jetzt endlich einmal an der Zeit.

Deshalb freut es ihn, dass es auch Demonstrationen gegen Pegida gibt. „Das macht uns schon Mut.“ Und ihn freut, dass die Politik zum Großteil klare Standpunkte vertritt und eine Richtung vorgibt – gegen Pegida.


Mehr Berichte unter   www.nwzonline.de/integration 
Melanie Hanz
Agentur Hanz
Redaktion Jever
Tel:
04461 965311

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