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NWZonline.de Region Friesland Politik

Zeitzeugen Aus Zetel: Das KZ war nur einen Steinwurf entfernt

18.02.2020

Zetel Wie war das damals als in Deutschland die Nazis das Sagen hatten und sich das ganze Land im Krieg befand? An der IGS in Zetel waren am Montag Rolf Schultz-Süchting, Hans Ebel und Günter Lüpcke von der Zeitzeugenbörse in Hamburg zu Gast. Sie haben dieses Kapitel der deutschen Geschichte noch selbst miterlebt.

Hans Ebel

Hans Ebel stammt eigentlich aus Berlin. Er hat die Nazizeit als Kind und Jugendlicher miterlebt. Und ohne es zu wissen, wurde er mit elf Jahren Zeuge der Naziverbrechen im Konzentrationslager Buchenwald. „Mir wurde in der Schule aufgetragen, ich müsse jetzt zur Hitlerjugend gehen“, erzählt er. Sein Vater aber, ein Gegner der Nazis, wollte das nicht. Er schickte seinen Sohn lieber ins Internat im thüringischen Ettersburg.

Zwischen der Schule und dem KZ liegen nur etwa drei Kilometer Wald. „Es war uns natürlich strengstens verboten, da hinzugehen, aber wir haben es trotzdem gemacht.“ Mit dem, was er sah, konnte Hans Ebel nicht viel anfangen. „Ich dachte, das wäre ein Kriegsgefangenenlager“, sagt er. Als es am Sonntag im Internat Kuchen gab und etwas übrig blieb, packte er mit einem Mitschüler die Reste zusammen und brachte sie den Häftlingen, die in einem Steinbruch arbeiten mussten. „Die Wachleute und die SS haben uns verjagt aber wir hatten einfach Mitleid.“

Die Schule wurde nach und nach von der Hitlerjugend übernommen. Weil Hans Ebel kein Braunhemd hatte, galt er vielen seiner Mitschüler als „Memme“ und „Muttersöhnchen“. Als zwei seiner Mitschüler mit einem Spießrutenlauf von der ganzen Schülerschaft bestraft wurden und er nicht fest genug zuschlägt, muss er selbst durch die Gasse.

Als das Gerücht aufkommt, aus der Schule werde eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt (Napola), also eine Nazi-Kader-Schmiede, gemacht, wird Hans Ebel von seinem Vater aus der Schule geholt.

Das Kriegsende erlebte er in Berlin. 1948 kam er mit der Luftbrücke nach Hamburg und schließlich in den Nordwesten, unter anderem kam er nach Rastede und Esenshamm.

Günter Lüpcke

Günter Lüpcke erlebt die Bombenangriffe der Alliierten in Hamburg. „Wir haben uns daran gewöhnt“, erzählt er. „Wir hatten Angst, ja. Aber es war Krieg. Wir haben das nicht weiter hinterfragt.“ Am Rande Hamburgs, wo er mit seiner Mutter lebte, schlugen die Bomben aber nur selten ein, sagt er. Dennoch: Notabwürfe abgeschossener Bomber zerstörten auch in seiner Nachbarschaft Häuser.

Zwei seiner Onkel wurden abgeholt und kamen ins KZ, weil sie für die SPD Geld gesammelt haben. Die Urteile, die die Nazis fällten, hat Günter Lüpcke heute noch. Einer überlebte die Gefangenschaft und den Krieg, der andere kam schließlich in ein Strafbataillon und wurde auf ein Himmelfahrtskommando geschickt, bei dem er starb. Ein Schulkamerad wurde abgeholt, weil er Jude war. Später kam die Mitteilung, er sei an einer Lungenentzündung gestorben.

Als er 14 Jahre alt war, sollte er dann auch ein Braunhemd tragen und in die Hitlerjugend eintreten. „Meine Mutter war alleinerziehend und konnte sich das Hemd gar nicht leisten“, erzählt Günter Lüpke. Schließlich bekam er aber doch eines. „Ich war zwar kein Nazi, aber ich war schon stolz“, sagt er.

Mit der HJ ging es ins Wehrertüchtigungslager. Mit dem Führerton, der dort angeschlagen wurde, konnte Günter Lüpcke aber nichts anfangen. „Ich wurde aufgefordert mich hinzulegen aber ich hab’ das nicht gemacht. Ich konnte doch nicht das neue Hemd schmutzig machen.“ Die Älteren, die den Ton in der HJ angaben, machte das rasend. Für seinen Widerstand im Kleinen bekam er von einem Kommunisten, der bei einem Bäcker arbeitete und davon erfuhr, ein Brot geschenkt.

Wenige Monate vor Kriegsende, mit 15 Jahren, meldete sich Günter Lüpcke freiwillig beim „Volkssturm“, dem letzten Aufgebot der Nazis mit dem die Alliierten gestoppt werden sollten. Wobei „freiwillig“ nicht wirklich „freiwillig“ war. Denn wer sich nicht meldete, wurde schließlich eingezogen.

Rolf Schultz-Süchting

Rolf Schultz-Süchting hat den Krieg nicht mehr selbst erlebt, machte den Schülern an der IGS aber klar: „Das müsst Ihr euch einmal vorstellen. Da ist der Krieg längst verloren und die Nazis veranstalten einen Riesenzirkus, um Kinder für den Krieg einzuziehen.“

Aus der Nachkriegszeit zog er eine Parallele in die Gegenwart: „Ich habe meine Kindheit auf Trümmerhaufen verbracht, war aber trotzdem nie unglücklich. Ich kannte es ja nicht anders. Als dann die Millionen Flüchtlinge aus dem Osten zu uns kamen, wurden die aber sofort bestens integriert. Es ging ja eh schon allen schlecht.“ Heute scheine das anders zu sein.

Christopher Hanraets Varel / Redaktion Friesland
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