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NWZonline.de Region Friesland

Forscher über Wale auf Wangerooge: Vom Weg abgekommen - Pottwale auf Wangerooge

26.01.2021

Wangerooge Die Kachelotplate zwischen den Ostfriesischen Inseln Juist und Borkum ist vor allem bei Kegelrobben ein beliebtes Rückzugsgebiet - ihren Namen trägt die Sandbank aber aufgrund eines tragischen Ereignisses, das sich im Wattenmeer alle paar Jahre bis heute wiederholt. „“Kachelot“ ist ein anderes, altes Wort für den Pottwal“, erklärt der Leiter des WWF-Wattenmeer-Büros, Hans-Ulrich Rösner. Im Winter 1761/62, als es in der Nordsee vor Pottwalen wimmelte, strandete mindestens ein Tier auf dieser Sandbank und gab ihr diesen Namen. Bei der bislang größten Strandung der jüngeren Geschichte starben vor fünf Jahren 30 Pottwale an den Nordseeküsten - zwei Wale strandeten damals vor Wangerooge.

Zwar seien solche Strandungen im Wattenmeer eher selten. Doch wenn es dazu komme, bewege das Leid der Tiere viele Menschen, so Rösner. Bei Pottwalen sind Strandungen besonders spektakulär, da die sehr sozialen Tiere in Gruppen unterwegs sind. „Diese Unglücke passieren, wenn die Pottwale beim Vorbeischwimmen an England falsch abbiegen, in die Nordsee gelangen und dann Orientierungsprobleme bekommen“, sagt Rösner. Denn gerade die Jungbullen verbringen eigentlich den Winter zur Futtersuche oft im Nordatlantik. Auf ihrem Rückweg gen Süden können sie dann in die Nordsee geraten - ein tödlicher Irrweg.

So ist es wohl auch den Wangerooger Walen ergangen. „Die spannende Frage ist: Warum ist das passiert? Das ist schwer zu beantworten. Es gibt da verschiedene Theorien“, erklärt Britta Schmidt von der Niedersächsischen Nationalparkverwaltung. Schmidt war im Januar 2016 selbst auf Wangerooge im Einsatz, als die Kadaver geborgen wurden. Eine Theorie sei, dass die Wale bei der Nahrungssuche etwa einem Kalmarschwarm folgten und sich so in die Deutsche Bucht verirrten. Eine andere sei, dass Sonnenwinde, die auf das Magnetfeld der Erde wirken, Einfluss auf den Orientierungssinn der Tiere nehmen könnten.

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Möglicherweise habe auch Unterwasserlärm den Zug der Tiere gestört. „Wir haben vor dem Wattenmeer die stärkste befahrene Schifffahrtsroute der Welt“, sagt Schmidt. Auch der Lärm von Bohrungen, Sprengungen oder militärischen Übungen könnte die Wale von ihrem Kurs ablenken. Der Mensch trage womöglich eine Mitschuld, sei aber nicht allein für die Unglücke verantwortlich, sagt Peter Lienau, Geschäftsführer des Norddeicher Waloseums. Denn Strandungen seien über Jahrhunderte überliefert - also auch vor der Industrialisierung und dem vermehrten Eingriff der Menschen in das Meer.

Auch Forscher, die die toten Wale 2016 untersuchten, gehen davon aus, dass es nicht einen einzigen Grund für die Strandungen gab. Für sie ist es sehr wahrscheinlich, dass eine Kombination verschiedener Umweltfaktoren dazu führte, dass die Pottwale sich so dicht an die Küste verirrten. Hinweise auf Krankheiten oder Schwächungen fanden die Forscher nicht. Bekannt ist aber: Geraten die Wale erst einmal in die flacheren Randbereiche der Nordsee, funktioniert ihr Ortungssystem nicht mehr so gut. Denn Pottwale, die sonst bis zu 2000 Meter tief tauchen, orientieren sich per Schall über ein Echolot - ein System, das eigentlich auf die Tiefsee ausgelegt ist.

Für die Tiere kommt dann meist jede Hilfe zu spät. „Wenn Pottwale kurz davor sind, an der Nordseeküste zu stranden, dann sind die Handlungsmöglichkeiten extrem gering“, sagt Rösner. Experten sind sich daher einig: Solche Unglücke wie 2016 vor Wangerooge und an anderen Nordseestränden sind kaum vermeidbar. „Es kann immer wieder passieren“, sagt auch Lienau. Aufgrund des strengen Schutzes der Tiere sei davon auszugehen, dass sich die Pottwalbestände erholen, sagt Schmidt. „Sollten es wieder mehr Tiere werden, könnte es künftig möglicherweise auch zu mehr Strandungen kommen.“ Allerdings gibt es zu den Beständen keine belastbaren Zahlen.

Die gestrandeten Wale von 2016 haben heute aber noch einen Nutzen, für die Wissenschaft und die Umweltbildung. An vielen Orten an der Nordseeküste in Niedersachsen und Schleswig-Holstein sind Pottwal-Skelette in National-Parkhäusern und Ausstellungen zu sehen. Das Skelett eines der vor Wangerooge geborgene Tiere dient nun im Wangerooger Nationalparkhaus als Anschauungsobjekt.

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