Varel - Mit Warnstreiks in zahlreichen Betrieben im Nordwesten hat die Gewerkschaft IG Metall am Donnerstag den Druck auf die Arbeitgeber bei den Tarifverhandlungen erhöht. „Das Angebot der Arbeitgeber entspricht klar nicht der Lage“, begründete die Geschäftsführerin der IG Metall im Bezirk Oldenburg und Wilhelmshaven, Martina Bruse, den Aufruf. Wie unzufrieden die Beschäftigten mit dem Angebot seien, zeige die hohe Beteiligung an den Warnstreiks. Die Früh- und Tagschicht im Premium-Aerotec-Werk Varel – rund 650 Beschäftigte – hätten fast komplett die Arbeit niedergelegt.
Unverständlich sei die Position der Arbeitgeber aufgrund der stabilen wirtschaftlichen Lage in der Region, sagte der Vertrauenskörperleiter der IG Metall, Marcus Baitis. Premium Aerotec – das Unternehmen gehört zum Airbus-Konzern – geht es gut. Airbus habe erst kürzlich die Gewinnerwartung für 2022 von 4,8 auf 5,5 Milliarden nach oben korrigiert, sagte Baitis.
Hohe Auftragslage
Es gebe Signale aus dem Arbeitgeberlager von Unternehmen, die aufgrund der hohen Auftragslage über Arbeitskampfmaßnahmen sehr unglücklich seien. „Dort würde man gern auf uns zugehen“, sagte Baitis. „Leider ist diese Position bei Gesamtmetall nicht in der Mehrheit.“
Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende im Werk Varel, Mirco Menzel, betont die enge Zusammenarbeit der verschiedenen Airbus- und Aerotec-Standorte. „Wir sehen das alle gleich.“ Es sei nicht beabsicht, wirtschaftlichen Schaden anzurichten. „Es geht darum, Druck auf die Arbeitgeber aufzubauen.“
Vor den Werkstoren
Am Donnerstagvormittag waren Beschäftigte durch die Werkshallen gezogen und hatten die Kolleginnen und Kollegen aufgefordert, sich anzuschließen. Daran schloss sich eine Kundgebung vor den Werkstoren an.
Am Spätvormittag kehrten die Beschäftigten an ihre Arbeitsplätze zurück. Das Werk Varel beschäftigt in vier Schichten insgesamt rund 1200 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Das Werk produziert Teile für alle Flugzeugtypen.
Im Bezirk Küste wird am 10. November in Hamburg in vierter Runde verhandelt. Die Arbeitgeber hatten zuletzt Einmalzahlungen von 3000 Euro und bei einer Laufzeit von 30 Monaten eine nicht bezifferte Erhöhung der Lohntabellen angeboten. Die Gewerkschaft verlangt hingegen für einen Zeitraum von zwölf Monaten acht Prozent mehr Geld für die bundesweit rund 3,9 Millionen Beschäftigten.
