Varel - An diesem Donnerstag wird die Entscheidung getroffen: Wird das Werk von Premium Aerotec in Varel (PAG) verkauft oder bleibt es im Airbus-Konzern? Der 31. März ist der letzte Verhandlungstag zwischen der Gewerkschaft IG Metall und dem potenziellen Käufer Mubea, einem Unternehmen, das bislang vor allem als Zulieferer für die Automobilindustrie tätig ist.
Nach monatelangen, zähen Verhandlungen mit der Konzernspitze hatte die IG Metall Airbus ein Vetorecht bei den Verkaufsgesprächen abgerungen. Ein Verkauf an Mubea wird also nur zustande kommen, wenn die Gewerkschaft zustimmt. Andernfalls muss Airbus das Werk wieder in den Konzern integrieren.
Februar 2020: Schock im Aeropark: Nachdem Thyssenkrupp Aerospace 229 Jobs in Varel streichen will, wird bekannt, dass auch bei Premium Aerotec mit dem Restrukturierungsprogramm „Be Ready“ Stellen abgebaut werden sollen.
April 2020: Der Airbus-Konzern wird von der Corona-Krise hart getroffen. Für die PAG-Beschäftigten in Varel heißt das: Kurzarbeit. Auch ein Job-Abbau wird diskutiert.
Sommer 2020: Kündigungen sind vom Tisch. Im Herbst werden Beschäftigten Abfindungen angeboten, um die Zahl der Beschäftigten zu reduzieren. In der Krise werden gut 300 der ca. 1600 Beschäftigten in Varel PAG verlassen.
Februar 2021: Die IG Metall droht mit Streiks. Die Gewerkschaft fürchtet, dass die Corona-Krise genutzt werden soll, um Stellen abzubauen. Es geht das Gerücht um, dass PAG verkauft werden soll.
April 2021: Airbus will umstrukturieren: Die Konzerntochter PAG soll in zwei Gesellschaften aufgeteilt werden. Eine soll sich um die Flugzeugstrukturmontage kümmern, die andere – dazu sollte auch das Vareler Werk gehören – um die Einzelteilefertigung. Letztere will Airbus schließlich verkaufen.
Juli 2021: Die Belegschaft verspricht Airbus einen „heißen Herbst“, sollte der Konzern seine Spaltungspläne weiter verfolgen. In Varel findet ein Solidaritätsmarsch mit rund 700 Teilnehmern statt. Und es gibt einen Skandal: PAG-Manager sollen Berichten des Business-Insiders zufolge geheime Papiere an den österreichischen Milliardär Michael Tojner weitergegeben haben. Tojner war immer wieder als möglicher Käufer von PAG im Gespräch. Im Herbst verkündete er, er habe kein Interesse mehr an PAG.
September 2021: Die PAG-Beschäftigten in Varel und an anderen Standorten legen die Arbeit nieder. Airbus verschiebt schließlich den geplanten Umbau. Bis Ende des Jahres wird mehrmals gestreikt.
Januar 2022: Bis tief in die Nacht hinein verhandeln IG Metall und Airbus am 31. Januar. Das Ergebnis: Die Einzelteilefertigung kann verkauft werden, aber die Gewerkschaft hat ein Vetorecht. Als möglicher Käufer wird das Unternehmen Mubea genannt.
Tendenz unklar
Eine Tendenz ist derzeit schwer abzusehen. Zuletzt hatte für Unstimmigkeiten gesorgt, dass es bei den Verhandlungen plötzlich nur noch um die Werke in Varel und im rumänischen Brașov gehen sollte. Ursprünglich war auch ein Teilverkauf des PAG-Standorts Augsburg vorgesehen.
Der Verhandlungsführer der IG Metall, Daniel Friedrich reagierte verärgert: „Airbus und Mubea müssen beantworten, wie Varel allein mit dem Werk in Braşov ein starker und zukunftsfähiger Zulieferer werden kann.“ Das war den rund 1300 Beschäftigten in Varel schließlich versprochen worden. Der PAG-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Thomas Busch sprach gar von einem „Schlag ins Gesicht“ der Belegschaft.
Wogen glätten
Wahrscheinlich auch, um die Wogen zu glätten, kam Mubea-Chef Thomas Muhr schließlich nach Varel, um dort bei der Belegschaft für einen Verkauf zu werben. Er stellte einen erheblichen Stellenaufbau und hohe Investitionen bis 2027 in Aussicht. Varel solle die weltweite Zentrale des Mubea-Luftfahrtgeschäfts werden. Dafür sollen unter anderem Entwicklung, IT und Vertrieb neu in Varel angesiedelt werden. Details aus den Betriebsversammlungen, in denen Thomas Muhr zu Besuch war, wurden allerdings nicht bekannt.
Gewerkschaft zeigte sich danach aber besänftigt. Es werde nun klarer, wie sich Mubea und Airbus die Zukunft des Standortes vorstellten. Airbus dürfte nach einem Verkauf an Mubea mittelfristig der Hauptkunde sein. Wie die Entscheidung am Ende auch ausfallen wird: Die Beschäftigten sind bis Ende 2030 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. Darauf hatten sich IG Metall und Airbus ebenfalls geeinigt.
