Jever - Hoch gewachsen ist der Katsurabaum – wegen seiner duftenden Blätter auch Lebkuchenbaum genannt – im Schlosspark Jever. Mit seiner dicht mit Blättern behangenen Baumkrone spendet er Besuchern des Schlossparks in dieser Zeit eigentlich jede Menge Schatten. Eigentlich. Denn in diesem Jahr sieht das anders aus. „Der Baum hat schon viele Blätter verloren. Hier liegt viel mehr Laub, als es in dieser Zeit sein sollte“, sagt Schlossgärtner Thomas Werner bei einem Rundgang durch den Park. Grund dafür seien Hitze und Trockenheit. „Der Baum verliert Blätter, um nicht zu verdursten.“
Gegründet um 1830 auf dem Gelände der ehemaligen Unterburg als englischer Landschaftsgarten weist der Schlosspark Jever noch heute seine historische Struktur auf.
Der etwa vier Hektar große Park ist eines der ältesten Naturschutzgebiete Frieslands und hat bereits in seiner Anlage eine Konzeption erhalten, die die Natur in ihrer Vielfalt im Kleinen widerspiegeln soll. Baumgruppen, buschige Zonen, blühende Beete, Wasserflächen und eine modellierte Landschaft in Kombination mit historischen Bauten, Mauern und der geschlängelten Wegeführung waren und sind nicht nur Ort der Muße, sondern bieten auch einer Vielzahl von Pflanzen und Tieren Lebensraum und Refugium.
Der Schlosspark Jever ist seit kurzem auch auf Instagram vertreten, zu finden unter dem Namen „schlosspark_jever“.
Viele Herausforderungen
Dass der Klimawandel in Jever angekommen ist, ist kein Geheimnis. Hitze, Dürre, Starkregen oder immer stärker wütende Stürme – diesen Herausforderungen musste sich auch der Schlosspark in den vergangenen Jahren immer öfter stellen. Um den Park zu erhalten und ihn „klimafit“ zu machen, hat der Zweckverband Schloss- und Heimatmuseum Jever bereits vor einiger Zeit Mittel beim Bund beantragt, um den Schlosspark nachhaltig an das sich wandelnde Klima anzupassen. 2,7 Millionen Euro Fördermittel, unsere Redaktion berichtete, hat der Schlosspark Jever vom Bund für das Projekt „Schlosspark Jever – Landschaftsgärten in Friesland im Klimawandel“ erhalten.
„Wir haben hier im Park einen alten Baumbestand. Um diesen zu erhalten, müssen wir gucken, wie wir die Vegetation an das Klima anpassen“, sagt Andreas Folkers, Diplom-Geograph und zuständiger Projektleiter. Zudem weist er auf weitere Probleme im Schlosspark hin, die es zu beheben gilt. Immer wieder seien beispielsweise in den vergangenen Jahren Wege und Böschungen sowie Uferbefestigungen unterspült worden. Gerade die Versiegelung einiger Bereiche durch Betonrinnen und unzureichenden Wegebelag habe sich als schädlich erwiesen. Auch die Verbindungen zu den Wasserflächen der angrenzenden Wallanlage durch Kanäle und unterirdische Gänge seien marode und für den Wasserausgleich nicht mehr nutzbar. „Der Rasen hat braune Flecken, Bäume werden krank oder vertrocknen.“
Die Maßnahmen
Um den Schlosspark an das Klima anzupassen und so zu erhalten, sollen folgende Punkte umgesetzt werden:
Entsiegelung von Flächen zur besseren Wasserspeicherung im Boden
Instandsetzung der Graften als Wasserspeicher
umfassendes ökologisches Monitoring der Flora uns Fauna sowie der Gewässer und des Bodens
Neupflanzungen von klimaresilienten Bäumen und Sträuchern zur besseren Sauerstoffversorgung und Kühlung bei Hitzewellen
Anlage von Grün- und Blühflächen als Nahrungsquelle für Tiere und Förderung der Biodiversität
Öffentlichkeitsarbeit, Bereitstellung von Informationen und Veranstaltungsangeboten und Austausch mit weiteren historischen Parkanlagen in Friesland
Zu viel Laub: Der Katsurabaum sollte eigentlich noch voller Blätter hängen.
Svenja Gabriel-Jürgens
Nach dem Starkregen: An der Treppe im Schlossgarten lassen sich die Regenrillen deutlich ausmachen.
Svenja Gabriel-Jürgens
2018 gepflanzt: Trotz Pflege hatte die Blutbuche aufgrund des heißen Sommers große Schwierigkeiten.
Svenja Gabriel-JürgensDiese Vorhaben sind jedoch nicht eben mal so umzusetzen. Die Herausforderung bestehe darin, führt Museumsleiterin Prof. Dr. Antje Sander aus, „sensibel vorzugehen und auch den Gebäudedenkmalschutz des Schlosses zu berücksichtigen und diesen mit den Anforderungen Naturschutz und Ökologie in Einklang zu bringen“. Deshalb habe man sich weitere Partner mit ins Boot geholt. Während Andreas Grundei für die Organisation des Projekts zuständig ist, stehen die Landschaftsarchitekten Frank Glaßl und Stella Junker von der Firma Müller-Glaßl+Partner aus Bremen mit ihrer Expertise ebenso bereit, wie Ralf Dröge vom staatlichen Baumanagement und Petra Walentowitz vom Naturkieker-Projekt. Beteiligt sind zudem die Uni Oldenburg und die Jade-Hochschule sowie die neu eingestellten Schlossgarten-Mitarbeiter Alf Piernikorz und Uwe Mucker.
