Varel - Mit einer Informationsveranstaltung für die Bürger ist in Varel am Mittwochabend etwas ganz Neues gestartet: das Projekt „Losland“. Varel ist eine von zehn Kommunen in ganz Deutschland, die an dem Projekt teilnimmt, bei dem „gemeinsam mit Bürgern eine enkeltaugliche Zukunft gestaltet werden soll“. Zufällig ausgeloste Menschen entwickeln Ideen zur Zukunft ihrer Kommune. In Varel soll es um die Frage gehen, welchen Veranstaltungsraum die Stadt Varel für die Erfüllung ihrer kulturellen und gesellschaftlichen Verpflichtungen benötigt und wie ein weiterer Umgang mit dem Tivoli-Gebäude aussehen könnte.
Weiteres Prozedere
Varels Bürgermeister Gerd-Christian Wagner, seine Kollegin Marion Lübben-Groß und Zukunftsforscher Jonas Korn erläuterten den Bürgern, die in die Weberei gekommen waren und denen, die die Veranstaltung per Live-Stream verfolgten, das weitere Prozedere: Im ersten Schritt wurde eine Organisationsgruppe gebildet, die sich mit der Gestaltung der konkreten Fragestellung und den Auswahlkriterien der Bürgerinnen und Bürger für den Bürgerrat sowie mit der Ausrichtung des Zufallsverfahren beschäftigt. Neben Bürgermeister Gerd-Christian Wagner sitzen in dieser Gruppe drei Ratsmitglieder, drei Verwaltungsmitarbeiter und zwei Projektbegleiter von „Losland“ sowie jeweils eine Bürgerin und ein Bürger der Stadt, die mit einem Zufallsverfahren ausgewählt wurden.
In einer zweiten Phase wird im September ein Bürgerrat, dem 15 bis 20 per Losverfahren ausgewählte Vareler und Varelerinnen angehören, eineinhalb Tage lang über das Thema beraten und anschließend eine Empfehlung an den Rat der Stadt Varel abgeben. Im Oktober wird der Bürgerrat diese Empfehlung in einem Zukunftsforum der Öffentlichkeit präsentieren. Anschließend findet ein Transfer in die Gremien statt, wo über die Empfehlung beraten wird. Den Grundsatzbeschluss darüber, welchen Veranstaltungsraum Varel benötigt, trifft der Rat. Bis Ende des Jahres soll der Prozess abgeschlossen sein.
Vereine besorgt
„Mit dieser Art der Bürgerbeteiligung sollen andere Sichtweisen, andere Meinungen in die Entscheidungsfindung einfließen“, sagte Wagner, „ich bin überzeugt, dass dabei tolle Ergebnisse herauskommen“. Besorgt hingegen zeigte sich bei der Auftaktveranstaltung Dieter Kück von der Niederdeutschen Bühne. „Uns treibt die Sorge um, dass unsere Interessen nicht berücksichtigt werden“, sagte er für die Interessensgemeinschaft der Vereine und Gruppen, die das Tivoli nutzen. Wagner versicherte, dass die Bedürfnisse der Interessensgruppen in die Beratungen einfließen werden: „Der Bürgerrat löst den Stadtrat nicht ab und auch nicht die Interessensgemeinschaften.“
