Moorhausen - Eigentlich besteht parteiübergreifend Einigkeit, dass es höchste Zeit ist, Radfahren in Schortens attraktiver zu machen. So zumindest die Aussagen in der Ratssitzung im Februar dieses Jahres. Als es aber darum ging, die Ergebnisse des Fahrradkonzeptes und das „Wie“ zu beraten, war es mit der Einigkeit schnell wieder vorbei. Ergebnis: Ein halbes Jahr später sind für die Radfahrer der Stadt keine Fortschritte erkennbar.
Kein großer Kostenaufwand
Die Arbeitsgruppe Schortens des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), Kreisverband Friesland, möchte das gerne im Schulterschluss mit der Stadt ändern. Die Vertreter engagieren sich bereits aktiv beim Runden Tisch zur Umsetzung des Fahrradkonzeptes, der aber noch nicht zu konkreten Projekten geführt hat. Sie stellten nun ein Konzept vor, bei dem sie die Chance sehen, schnell und ohne großen Kostenaufwand sichtbare Fortschritte zu erzielen.
Bernhard Zimmering (von links), Jens Ohmstede, Steffen Klaudius und Wolfgang Stumpf vom ADFC Friesland wollen den Fahrradverkehr in Schortens voranbringen.(Bild: Annette Muschalik)
„Viele unserer Nachbarkommunen haben bereits begonnen, ihre Radverkehrskonzepte umzusetzen und haben zum Beispiel Fahrradstraßen eingerichtet. Das wäre auch in Schortens ohne großen Aufwand möglich“, erklärt Jens Ohmstede, Vorsitzender des ADFC Friesland.
Drei Straßen im Visier
Die Mitglieder der Arbeitsgruppe fordern daher, den Moorhauser Weg, den Eichenweg und die Heinrich- Tönjes-Straße in Fahrradstraßen umzuwidmen. „Damit würde die Stadt nicht nur dem kontinuierlich wachsenden Radverkehr, insbesondere mit E-Bikes und Lastenfahrrädern, Rechnung tragen, sondern auch ein sichtbares Signal setzen, dass sie es mit der Verkehrswende ernst meint.“
Aktuell sind Radfahrer bei gegenläufigem Verkehr auf dem engen Radweg des Moorhauser Weges und der Bahnhofstraße immer wieder gefährlichen Begegnungen mit Autofahrern, Fußgängern und anderen Radfahrern ausgesetzt. „Mit Fahrradstraßen hätten sie dagegen einen durchgängigen, sicheren und verkehrsberuhigten Weg bis ins Schortenser Zentrum“, sagt Wolfgang Stumpf (ADFC).
Mehr Lebensqualität
Gleichzeitig erfordere diese Umwidmung wenig Planungsaufwand und wenig Kosten, womit sie sich hervorragend als Leuchtturmprojekt eigne. „Liegt ein entsprechender Ratsbeschluss vor, müssen eigentlich nur noch Schilder und Fahrbahnmarkierungen angebracht werden“, erklärt Steffen Klaudius (ADFC).
Es gehe nicht darum, den Menschen das Auto madig zu machen, sondern um mehr Gleichberechtigung im Straßenverkehr, die Steigerung der Lebensqualität durch weniger motorisierten Verkehr und einen aktiven Beitrag zur Eindämmung der Klimaerwärmung. „Wenn jeder für Strecken bis fünf Kilometer auf das Rad umsteigen würde, wäre schon viel gewonnen“, ergänzt Bernhard Zimmering (ADFC).
Weniger Durchgangsverkehr
Für alle Verkehrsteilnehmer gilt in einer Fahrradstraße eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern. Um die gegenseitige Rücksichtnahme zu fördern, schlagen die Vertreter des ADFC vor, sogenannte „unechte“ Fahrradstraßen einzurichten. Hier haben Radfahrer Vorfahrt und dürfen auch nebeneinander fahren. Gleichzeitig wird der motorisierte Durchgangsverkehr aber nicht ausgeschlossen.
„Als Abkürzung von und nach Schortens wird der Moorhauser Weg so wahrscheinlich unattraktiver für viele Autofahrer, aber die Alternativen über Grafschaft oder die B210 sind nur geringfügig länger und für die Anwohner wäre weniger Durchgangsverkehr sicher positiv“, meint Wolfgang Stumpf.
