Zetel - Was ist das Schönste an Plattdeutsch? „Vielleicht, dass sich allein mit einem Wort Gefühle, Emotionen oder komplette Abläufe ausdrücken lassen, für die man im Hochdeutschen ausschweifen müsste“, erzählt Hartwig Meyer. „Harrijasses“: Dieser Ausruf beschreibt Begeisterung, Verwunderung, Abscheu, Schrecken und manchmal alles zugleich. Und hinter einem einzigen „Moin“ kann sich ein ganzer Monolog verstecken – „Ich wünsche dir einen schönen Tag, bei mir ist alles klar soweit, mach’s gut!“ Genauso wortkarg wie die Plattsnacker, so die Sprache.
Vergessenes Wort
Mit der Zeit sind einige Begriffe allerdings in Vergessenheit geraten, an die sich heute nicht einmal mehr die ältere Generation erinnert. „Kattenfangerei“ ist ein solches Wort, denn dahinter verberge sich ein Prozess, vielleicht sogar ein ganzer Berufszweig. Das Zusammentreiben von Pferden auf der Weide, vermutet Meyer, doch er ist sich nicht sicher. Der Zeteler hat lange ehrenamtlich als Ahnenforscher gearbeitet und half beim Erstellen der Namens-Chronik für die Gemeinde. Die meisten seiner Informationen zog das Team aus den Archiven der Kirche, doch bei diesen Recherchen ist Hartwig Meyer dann über eine Geschichte gestolpert, die ihn ins Grübeln brachte.
Alter Brauchtum
Er forschte zu Johann Diedrich Reinders, einem Einwohner Zetels, der um 1869 gelebt hat. An ihn erinnert heute ein Brauchtum, das im 17. Jahrhundert Sitte war: Wurde zu dieser Zeit ein Haus neu gebaut, dann erhielt der Erbauer von seinen Freunden ein Fach-Fenster als Geschenk, dessen Mitte zweimal oder dreimal bemalt wurde. Passend zu dem alten Sprichwort: „Hochtiedgahn, Fadderstahn und Fenstergeven. Hat mannig Mann von Hus und Land afdreven.“
Auf der Fensterscheibe von 1684 ist Rickel Rickels zu sehen. (Bild: Archiv Hartwig Meyer)
Ein solches Fenster lag Johann Diedrich Reinders damals zugrunde, als er davon berichtete. Es war eines der Zierfenster der damaligen „Kattenfangerei“ in Zetel. Diese war unmittelbar neben „Eilert Kossenhaschen“ an der Bohlenberger Straße ansässig. So viel weiß Hartwig Meyer mittlerweile.
Spurensuche in Zetel
Das Zierfenster stammt aus dem Jahr 1684 und wurde auch 185 Jahre als Fensterscheibe genutzt, bis es dem Haus schließlich entnommen wurde. Es zeigt den Reiter „Rickel Rickels“ und er sei wieder frisch, so frisch, wie der gesellten Manier. Zumindest besagt dies der Spruch auf dem Fenster. Und noch ein Hinweis ist Hartwig Meyer zugetragen worden. Er erhielt ein Foto von 1912, das mehrere Männer vor besagter „Kattenfangerei“ zeigt. Einer beigelegten Beschreibung nach soll bis 1989 ein Sattler dort gewohnt haben, August Weidhumer war sein Name. Auch ein Schild stand zur Zeit der Aufnahme des Fotos vor dem Haus. Darauf ist zu lesen: „Restaurant G. Gerdes“.
Ein Foto von 1912 zeigt eine Gruppe Männer vor dem angeblichen Haus der „Kattenfangerei“ in Zetel. (Bild: Archiv Hartwig Meyer)
Ursprung in den Warfendörfern?
„Es ist spannend, die Geschichte wieder aufzudecken und dabei über diese kleinen Details zu stoßen“, erzählt Hartwig Meyer. Sein Ehrenamt hat er mittlerweile niedergelegt, doch die Bedeutung des Wortes „Kattenfangerei“ lässt ihn nicht in Ruhe. Die Deutungen gehen weit auseinander. So fand Meyer heraus, dass Katten oft mit Katzen übersetzt wird, allerdings gibt es Aufzeichnungen, wo es mit Pferde oder sogar mit Sumpf (wassergefülltes Loch) gleichgestellt ist. Letzteres mache bei der Entwicklung der Warfendörfer in der Krummhörn (Landkreis Aurich) am meisten Sinn.
Hartwig Meyer ist bei der Suche nach Antworten auf unsere Leserinnen und Leser angewiesen. Er möchte herausfinden, was sich hinter dem alten Begriff „Kattenfangerei“ verbirgt.
Antworten können unserer Redaktion per E-Mail unter red.varel@nwzmedien.de mitgeteilt werden.
Doch Hartwig Meyer ist von der Übersetzung „Pferd“ überzeugt. So hatten die Bauern der Warfendörfer eingezäunte Viehweiden, daneben befanden sich Fangeinrichtungen – sogenannte Gatter. Diese hatten den Zweck, zum Beispiel Pferde, die als Arbeitspferde genutzt wurden, schnell einfangen zu können. Die Flurbezeichnung „Kattenfang“ könnte demnach ein solches Gatter meinen. Wissenschaftlich belegt sei dies aber nicht.
