Sande - Das neue Kapitel der Erfolgsgeschichte des Sander Elektronik-Versandhändlers „Reichelt-Elektronik“ ist längst aufgeschlagen. Die Bauarbeiten hinken quasi hinterher, liegen aber zum Glück „voll im Zeitplan“, wie Geschäftsführer Ulf Timmermann am Freitag beim Richtfest im neuen Verteilzentrum erklärte. Ende dieses Jahres soll alles laufen, der Umzug wird im Verlauf des Weihnachtsgeschäfts erwartet und deshalb wohl nochmal eine besondere Herausforderung darstellen, sagte Timmermann. Sein Schmunzeln verriet: Wenn es knifflig wird, macht es erst richtig Spaß. „Und wir haben eine Super-Mannschaft“, sagte er.
„Die Corona-Pandemie hat uns einen solchen Schub verpasst, dass wir in der Verpackung nahe an der Katastrophe waren“, berichtete Timmermann, der mit Pia Sylvia Pakusa und Christian Reinwald aus der Geschäftsführung zahlreiche Gäste beim Richtfest begrüßte. Eigentlich sei man nach dem Bau des Versandzentrums H3 in den Jahren 2015/2016 davon ausgegangen: „Das war’s erst einmal“. Corona und die daraus resultierenden Folgen für den elektronischen Bereich hätten aber alles gedreht. Die sprunghaft gestiegene Nachfrage habe zu chaotischen Arbeitsbedingungen geführt, „es war viel zu eng, ein normales Arbeiten war gar nicht möglich“, erklärte Timmermann.
Das Unternehmen,
das von Angelika und Klaus Reichelt 1969 in Wilhelmshaven mit dem Versand eines Antennenverstärkers vom Wohnzimmertisch aus gegründet wurde und seitdem kontinuierlich wuchs, wurde seit 1990 von Angelika Reichelt allein geführt.
Der Umzug nach
Sande erfolgte 1996, weil die Eigentümerin in der Jadestadt keinen passenden Standort für eine Halle finden konnte. In Sande war man von Anfang an auf Expansion eingestellt und erwarb entsprechende Flächen im Gewerbegebiet. Das zahlt sich heute noch aus.
Nach dem Neubau 1996 wurde 2004 ein erstes Versandzentrum gebaut, ein weiteres 2016 fertiggestellt, aktuell wird das dritte Versandzentrum gebaut. Damit sind die Flächen ausgeschöpft, es bleibt allerdings die Möglichkeit, auf den aktuell erbauten zwei Ebenen noch eine dritte aufzusetzen.
Im Jahr 2010
verkaufte Angelika Reichelt das Unternehmen an die „Dätwyler Holding“ (Schweiz), 2021 gab es einen erneuten Wechsel, jetzt gehört „Reichelt Elektronik“ zur deutsch-schweizerischen Beteiligungsgesellschaft „Invision“.
Man habe sofort gehandelt, so wurde zum Beispiel der Hauptversender gewechselt. Anschließend wurden Pläne für einen Neubau erstellt, der übrigens auch eine Erweiterung für die Verwaltung mit einschließt, und die Konzernleitung davon überzeugt. Zehn Millionen Euro werden derzeit in die Halle (H4) investiert, in der künftig mit modernster Technik ein hocheffizienter Versand möglich sein wird – 25.000 Pakete können dann täglich versendet werden, statt aktuell noch bis zu 10.000 Stück. Dabei werde man trotz Inflation im Kostenrahmen bleiben. „Wir haben ein bisschen was verändert und umgestellt – jetzt passt es wieder“, so der Geschäftsführer.
Zwischenzeitlich wurden 7150 Kubikmeter Erde ausgehoben, 6000 Kubikmeter Sand verfüllt, 400 Tonnen Stahl verbaut, 5000 Quadratmeter Dachtrapezblech und 2400 Quadratmeter Fassadenpaneele aufgelegt. Außerdem wurden ganze 9300 Tonnen Beton verbaut. Und nun komme die große Stunde der Techniker: 1,1 Kilometer Förderstrecke, bewegt von 600 Motoren, werden eingebaut.
Ende des Jahres wird der Versand in die neue Halle umziehen, die bisherige Halle soll zu einem Kommissionierungslager werden. Stillstand im Betrieb ist dafür übrigens nicht geplant, der Wechsel muss im laufenden Geschäft erfolgen. Aktuell versendet Reichelt in rund 130 Länder weltweit, 136.000 Artikel finden sich im Sortiment. Nach Fertigstellung der neuen Halle sollen weitere 80.000 Artikel hinzu kommen.
