Wangerland - Sein oder nicht sein - das ist hier die Frage: Der zukünftige Betrieb des frisch renovierten Restaurants im Meerwasser-Hallenwellenbad in Hooksiel steht auf Messers Schneide. Denn die Fronten zwischen Investor Carsten Hippenstiel und der Wangerland Touristik (WTG) mit ihrer Gesellschafterversammlung, dem Rat der Gemeinde Wangerland, scheinen verhärtet. Die WTG soll den Pachtvertrag zum 31. Mai gekündigt haben - weil Hippenstiel das Restaurant nicht wie angeblich vereinbart zum 1. Mai eröffnet hat. Die Diskussion ruft nun die Bürgerinitiative (BI) für den Erhalt des Meerwasser-Hallenwellenbades und des Gästehauses in Hooksiel auf den Plan.

Die Gruppensprecher Dietrich Gabbey, Günter Schmöckel und Uwe Diekmann fordern: Weniger Emotionen – und ein Zurück zu einer sachlich geführten Debatte. „Gerade jetzt, wo mit der Familie Özgün aus Wittmund ein potenzieller und erfahrener Betreiber für das Restaurant gefunden ist, wäre es doch sehr schade, wenn das Ganze noch scheitert“, sagt Schmöckel auf einem Pressetermin. Die BI appeliert daher an die Verantwortlichen, die Kündigung auszusetzen und eine neue Frist mit Hippenstiel zu vereinbaren. „Ein geeigneter Eröffnungstermin wäre doch zum Beispiel der 15. Juni – dann wird das Hallenbad 40 Jahre alt“, sagt Schmöckel. Und Dietrich Gabbey ergänzt, dass man den Investor durchaus verstehen könne. Schließlich sei das Schwimmbad, das potenzielle Restaurant-Gäste lockt, auch noch nicht in Betrieb. Nach Informationen unserer Redaktion soll am Montagabend im Verwaltungsausschuss des Gemeinderates erneut über die Causa beraten werden. Die Sitzung ist jedoch nicht öffentlich.

Die BI hatte sich 2019 gegründet, um das Hallenwellenbad zu erhalten – mit Erfolg. Durch ein Bürgerbegehren konnte das Hallenwellenbad gesichert werden. Und auch die Bedenken, dass das Bad seit der Schließung im November 2022 nicht wieder aufmachen könnte, sind passé. Die Ingenieurgemeinschaft Eriksen aus Oldenburg hat in ihrem Gutachten die exakten Mängel erfasst, die für den Betrieb beseitigt werden müssen. Seitdem sind Mitarbeiter der WTG tatkräftig am Werkeln, um das Bad schnellstmöglich wieder fit zu bekommen. „Wir sind wirklich beeindruckt von dem Engagement der WTG und ihren Mitarbeitern – das Verdient sehr viel Lob und Anerkennung“, sagt Gabbey. Laut Seebadeverein Hooksiel ist die Wiedereröffnung des Hallenwellenbades für Mitte Juni vorgesehen.

Und dennoch schwebt weiterhin Sorge bei den Sprechern der BI mit: Denn im Gutachten von Eriksen sind auch die mittel- und langfristigen Sanierungsschritte aufgeführt. „Wir wissen nicht, ob die WTG auch in der Lage ist, diese anstehenden Arbeiten zu finanzieren“, sagt Gabbey. Und genau deshalb würde sich die BI inzwischen eine Beteiligung eines privaten Investors für das Hallenwellenbad wünschen. Ein Interessenbekundungsverfahren hatte jedoch bereits in der Vergangenheit gezeigt: Interessenten für das Bad, die gibt es kaum.

Doch nach Auskunft der BI gibt es noch einen Interessenten, der sich allerdings nicht offiziell beworben hat: Carsten Hippenstiel. Er habe vor einigen Jahren vorgeschlagen, das Hallenbad in einem größeren Hotel-Ressort zu integrieren. „Wenn so der Erhalt des Bades langfristig sichergestellt wird, wäre das eine denkbare Option“, sagt Gabbey. Doch ob diese Idee auch umgesetzt werden kann, ist noch völlig offen. Denn erstens ist nicht bekannt, ob Hippenstiel selbst an seiner Idee mit dem Ressort noch festhält, und zweitens ist das Vertrauen zwischen dem Investor und dem Gemeinderat stark beschädigt. Für letzteres Problem plädiert die BI für ein Gespräch zwischen den Fraktionsvorsitzenden im Rat und Hippenstiel. Dann könnten erneut alle Fragen zu seinem Projekt – und auch zu seiner Person gestellt werden. Auch sei ein Vergabeverfahren wie bei der Rundinsel im Wangermeer denkbar. „Die Bürgerbeteiligung war hier vorbildlich“, sagt Schmöckel. Damals wurden die Pläne öffentlich präsentiert und Bürger konnten Fragen stellen. Dasselbe könne sich die BI nun auch für das Hallenwellenbad vorstellen. „Vorbehalte gegenüber dem Investor könnten so endgültig ausgeräumt werden“, sagt Gabbey.


Nun bleibt abzuwarten, wie der Verwaltungsausschuss am Montag entscheidet. Sprechen sich die Mitglieder nämlich gegen eine Fristverlängerung aus, wäre das wohl auch ein klares Signal gegen weitere Pläne von Hippenstiel.

Jonas Hegen
Jonas Hegen Lokalredaktion, Jeversches Wochenblatt