Hooksiel - Mit Unverständnis und zum Teil deutlich formulierter Kritik hat die Bürgerinitiative zum Erhalt des Wellenbades Hooksiel (BI) auf die Entscheidung des Verwaltungsausschusses (VA) reagiert, dem Pächter des Restaurants im Meerwasser-Hallenwellenbad, Carsten Hippenstiel, zum Ende des Monats zu kündigen. In einem Pressegespräch machten die Sprecher der BI, Dietrich Gabbey, Günter Schmöckel und Uwe Diekmann, noch einmal deutlich, warum sie nach der Entscheidung des VA Stellung beziehen. „In unserem Bestreben ging es immer um den Erhalt des gesamten Bades – und das schließt die Gastronomie mit ein“, betont Gabbey. Der Interessent aus Wittmund wäre als Betreiber für das Restaurant ein Glücksfall gewesen, ist das Trio überzeugt. Man habe daher auch Bürgermeister Mario Szlezak geraten, so schnell wie möglich das Gespräch mit dem Interessenten zu suchen.
Besonders unverständlich ist für die BI die Kündigung des Pachtverhältnisses zum 31. Mai im Zusammenhang mit einem anderen Großprojekt. „Beim ,Thalasso Meeres Spa’ in Horumersiel hat man alle Verzögerungen einfach so hingenommen. Auch die wirtschaftlichen Konsequenzen, dass das Projekt gut zehn Millionen Euro teurer wird, hat man im Rat einfach so akzeptiert“, wundert sich Gabbey.
Dabei würden für die immer wieder verschobene Eröffnung des Restaurants im Hallenwellenbad doch die gleichen Gründe gelten. Nämlich Corona, gestiegene Kosten beim Material, Lieferengpässe und Energiekrise. „Und hier kommt noch erschwerend der Fachkräftemangel in der Gastronomie hinzu“, ergänzt Günter Schmöckel. Dass hier jemand gleich mit einer ganzen Mannschaft anrücken würde, habe er so noch nicht erlebt. „Und so jemanden setzt man jetzt vor die Tür“, sagt der Hooksieler kopfschüttelnd.
Am 1. Mail sollte das resturant eröffnen. Es steht nun leer.
Keine guten Argumente
Die Argumente, die die CDU-Fraktionsvorsitzende Alice Brandenburg-Bienek in einer Pressemitteilung aufführt, seien für die BI auch nicht wirklich stichhaltig. So werde dem Investor vorgeworfen, neben dem Restaurantprojekt zahlreiche andere Projekte im Wangerland nicht zu Ende zu führen, was letztlich zum verspielten Vertrauen geführt habe. Bei den Projekten handelt es sich nach Aussage Hippenstiels um die Stumpenser Mühle und das Deutsche Haus in Tettens. Für Letzteres hat sich mittlerweile ein Käufer gefunden und auch bei der Stumpenser Mühle sieht Hippenstiel den Grund für die Verzögerung nicht bei sich. „Wir wollten dort zwölf Ferienwohnungen bauen und vier bis sechs Einzelhäuser, durch deren Verkauf wir die Mühle hätten renovieren wollen. Die Pläne und Anträge dafür müssen aber irgendwo im Rathaus auf einem Schreibtisch liegengeblieben sein“, vermutet Hippenstiel. Mittlerweile hat er die Mühle wieder verkauft. „Insofern ziehen die Argumente, der Investor würde Zusagen bei anderen Projekten nicht einhalten, doch gar nicht“, findet Gabbey. Und dass Hippenstiel nach eigenen Angaben rund 900.000 Euro eigenes Geld in die Renovierung des Hallenwellenbades gesteckt habe, sei nach Ansicht der BI doch ein eindeutiges Bekenntnis zu Hooksiel und dem Standort.
Kritik an Ratsmitgliedern
Insbesondere an den Ratsmitgliedern Alice-Brandenburg-Bienek (CDU) und Dieter Schäfermeier (Pro Wangerland) üben die Verantwortlichen der BI Kritik. Von Schäfermeier, der vor seiner Wahl in den Rat der Gemeinde Wangerland sogar Mitglied der Bürgerinitiative war, distanziert sich das Trio. „Wir haben schon damals in den Gesprächen mit Hippenstiel immer eine gewisse Ablehnung Schäfermeiers gegen diese Person gespürt“, erinnert sich Gabbey. Als es um die Suche nach geeigneten Investoren sowohl für das Bad als auch das Restaurant ging, habe man Hippenstiel ganz klar signalisiert, wenn jemand mit einem besseren Konzept komme, sei er raus. „Wir wollten einen offenen Denkprozess und Alternativen, haben dennoch immer einen offenen und freundlichen Umgang gepflegt“, so Gabbey. Schließlich wollte man den Investor nicht verprellen, weshalb man Dieter Schäfermeier auch immer wieder zur Vernunft gerufen hatte.
Beiden, Brandenburg-Bienek und Schäfermeier, wirft das Trio vor, ihr Ratsmandat nicht ernst genug zu nehmen. „Sie haben geschworen, Schaden von der Gemeinde fernzuhalten. Aber genau das könnte kommen, sollte es zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit eventuellen Kosten für die Gemeinde kommen, befürchtet das Trio.
