Hooksiel - Es ist ein weiteres Kapitel um die Zukunft eines Restaurants im Meerwasser-Hallenwellenbad Hooksiel. Nachdem der Fraktionsvorsitzende von Pro Wangerland, Dieter Schäfermeier, der Bürgerinitiative (BI) zum Erhalt des Bades und Investor Carsten Hippenstiel Vetternwirtschaft vorgeworfen hat, nehmen diese nun Stellung. „Dieser Vorwurf ist vollkommen unbegründet“, beton Dietrich Gabbey von der BI. „Wir haben während des gesamten Verfahrens immer wieder betont, dass wir mehrere Alternativen prüfen wollen. Aber die gab es nun mal nicht.“ Auch der Vorwurf einer bestehenden Freundschaft sei an den Haaren herbeigezogen. „Wir sind nicht befreundet“, betont Investor Carsten Hippenstiel.
Kündigung widersprochen
Ohnehin stünden derzeit zu viele gegenseitige Vorwürfe im Raum, so Gabbey. Denn auch, wenn er allerhöchsten Respekt vor der Arbeit der Ratsmitglieder habe, so vermisse er an gewissen Stellen doch die Dringlichkeit in dieser Sache. Nach Ansicht der BI hätte das Restaurant jetzt schon eröffnen können. Auch Investor Carsten Hippensiel fragt sich, warum es in diese Richtung keine Bewegung gibt.
Zur Erinnerung: Der Verwaltungsausschuss hatte Hippenstiel als Pächter der Gastronomie zum 31. Mai gekündigt, obwohl dieser Anfang Mai einen möglichen Betreiber präsentierte. Der Kündigung hatte Hippenstiel wegen fehlender Grundlage allerdings widersprochen. Wangerlands Bürgermeister Mario Szlezak, der Gemeinderat und die Wangerland Touristik GmbH (WTG) hatten signalisiert, mit dem möglichen Betreiber auf jeden Fall zusammenarbeiten zu wollen und Gespräche zu führen.
Alte Pläne wieder aufgreifen
Zu einem ernsthaften Kontakt scheint es aber noch nicht gekommen zu sein. „Bis auf ein kurzes Telefonat zwischen dem Bürgermeister und dem Interessenten hat es nichts weiter gegeben“, sagt Hippenstiel. Der Bürgermeister erklärt, dass erst der Sachverhalt mit Carsten Hippenstiel geklärt werden müsse, bevor man mit den Betreibern aus Wittmund in die Verhandlungen geht. „Und das habe ich dem Interessenten drei Tage nach Entscheid des Verwaltungsausschuss auch so erklärt“, betont Szlezak.
Für die BI stehen drei Alternativen im Raum. Doch zunächst fordern sie eine Gesprächsrunde mit allen Verantwortlichen. „Es ist notwendig, dass einmal alle Vorwürfen auf den Tisch kommen und ausgeräumt werden“, meint Gabbey und appelliert, ehrlich miteinander umzugehen. Auch Hippenstiel signalisiert seine Bereitschaft zu einem solchen Gespräch. „Ich stehe weiter zu diesem Projekt und will es umsetzen.“
Im besten Fall soll ein vor vier Jahren eingereichter Antrag auf Änderung des Flächennutzungsplans wieder aufgegriffen werden. Der Investor hatte damals einen Hotelkomplex vorgestellt mit 600 bis 700 Betten, in dem das Hallenbad und die Gastronomie integriert werden sollen. „Passiert ist seither aber nichts“, kritisiert Hippenstiel. Zwischenzeitlich sei sogar der mögliche Betreiber, die Kette „Seetelhotels“ aus Mecklenburg-Vorpommern, abgesprungen.
Allerdings hätte der Investor bei seinem Antrag noch eine Sache nachreichen sollen, was bislang nicht passiert sei, daher liege das Projekt auf Eis – das ergab eine Nachfrage der Redaktion im Rathaus. Das sei auch der Grund, warum es mit dem Hotel-Apartment-Projekt gegenüber des Bades nicht weitergeht. „Bislang müssten wir laut Bauplan dort ein Restaurant bauen. Das macht aber keinen Sinn mit der Gastronomie in Bad“, sagt Hippenstiel. Zudem könne man mit einem Hotel den Ganzjahres-Tourismus eher fördern als mit Ferienwohnungen, meint der Investor.
Zwei weitere Möglichkeiten
Sollte es bei einer möglichen Gesprächsrunde mit Bürgermeister, WTG-Chef Armin Kanning, den Fraktionsvorsitzenden und dem Investor zu keiner Einigung kommen, würde Hippenstiel immerhin noch als Berater zur Verfügung stehen und bei der Suche nach einem Investor behilflich sein, der die Pläne nach seinen Wünschen weiter umsetzt. Fraglich ist, ob die Politik zu einem solchen Entgegenkommen bereit ist. „Laut Ratsbeschluss will man mit Hippenstiel nichts mehr zu tun haben“, erinnert Szlezak.
Die dritte Möglichkeit wäre der komplette Bruch mit Hippenstiel und der damit verbundene Rückzug des Investors. Für die Gemeinde und die WTG wäre das die denkbar ungünstigste Variante. Denn sollte sich der Investor tatsächlich vollkommen zurückziehen, stünden immer noch seine Investitionskosten im Raum. 600.000 Euro würde Hippenstiel zurückfordern. Eine Summe, die weder für die WTG noch für die Gemeinde zu stemmen sein dürfte. Letztlich müssten also die Gerichte entscheiden.
BI kündigt Vollversammlung an
Sollte ein gemeinsames Gespräch nicht zustande kommen, dann will die BI ihre Mitglieder zu einer Vollversammlung einladen. „Dort wollen wir dann alle Argumente und Fragen, die zu diesem Thema aufkommen, aufschreiben und der Gemeinde zur Verfügung stellen“, sagt BI-Sprecher Dietrich Gabbey.
