Neuenburg - Ganz vorsichtig wischt Anja Hänisch mit einem Wattestäbchen über Wanten, Deckteile und Rumpf-Elemente. Bereits nach wenigen Sekunden ist die mit einer Reinigungslösung getränkte Watte tiefschwarz. Die Diplom-Restauratorin greift zum nächsten, sauberen Wattestäbchen. Ein kurzer Strich damit auf den Schiffsplanken lässt erahnen, dass hier noch einige Wattestäbchen mehr benötigt werden.
Im Neuenburger Restaurierungszentrum ist die „Fleute Derfflinger“ wieder auf Vordermann gebracht worden – das Modell soll künftig im Deutschen Sielhafenmuseum Carolinensiel ausgestellt werden. Doch vor der Präsentation ist eine gründliche Reinigung vonnöten. Eine Geduldsarbeit auf oftmals wenigen Zentimetern Fläche, vorbei an winkligen Aufbauten und fragilen Holzelementen eines insgesamt mehr als 100 Jahre alten Schiffsmodells.
Den Schiffstyp der Fleute gibt es seit Ende des 16. Jahrhunderts. Auffällig ist der sehr bauchige Rumpf mit verhältnismäßig schmalem Deck.
Die „Fleute Derfflinger“ wurde 1675 in Holland erbaut, 1681 wurde das Schiff für die Flotte des Kurfürsten von Brandenburg erworben und 1684 nach dem in brandenburgischen Diensten stehenden Feldmarschall Georg Freiherr von Derfflinger (1606 bis 1695) benannt. 1694 wurde die Fleute in Emden versteigert.
Das Schiff hatte eine Länge von etwa 33,5 und eine Breite von sieben Metern. Die Besatzung bestand aus 15 bis 20 Mann. Die „Fleute Derfflinger“ fuhr als Frachtschiff von 1686 bis 1693 für die „Brandenburgisch-Afrikanische Kompanie“ nach Westafrika und Westindien.
Wann genau das sogenannte Vollmodell gebaut worden ist, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Die rund zwei Meter lange und 1,50 Meter hohe „Fleute Derfflinger“ ist wohl zwischen 1850 und 1950 gefertigt worden und für ein Schiffsmodell in einem erstaunlich neuwertigem Zustand.
Damit es auch künftig seine Schönheit beibehält, hat Anja Jänisch das Schiff gereinigt und entschimmelt. Außerdem hat sie Maßnahmen gegen den mikrobiellen Befall getroffen.
Zwei Meter ist das Schiffsmodell lang, an dem Diplom-Restauratorin Anja Hänisch gearbeitet hat.
Thorsten Soltau
Die Restaurierung ist angesichts der zahlreichen Details eine Geduldsarbeit.
Cai-Olaf WilgerothDass die „Fleute Derfflinger“ für ihre Konservierung in Neuenburg angelaufen ist, ist keineswegs Zufall. „Bei dem Auftrag handelt es sich um eine seit langem bewährte Kooperation mit einem der wichtigsten Museen in unserer Region“, sagt Kurator Cai-Olaf Wilgeroth vom Restaurierungszentrum Neuenburg.
Dieses fungiere hier nicht nur als Auftragnehmer für Restaurierungsarbeiten, sondern auch als Ansprechpartner für präventive Konservierung.
