Neuenburg - Die Szene erinnert entfernt an einen Pilgerort im Wald, an eine der Waldkapellen des 18. Jahrhunderts, die von Reisenden als Andachtsstätte genutzt werden konnten. Dazu trägt auch das warm-weiche Licht bei, das die Szene durchdringt und dem Weg zwischen den hohen Bäumen eine romantisch-andächtige Note verleiht. Bei dem stilisiert dargestellten Gebäude handelt es sich jedoch nicht um ein Gotteshaus in der Natur – es ist eine Darstellung der Neuenburger Jagdhütte, geschaffen vom Oldenburger Theatermaler Wilhelm Mohrmann im Jahre 1924.
Kuriose Geschichte
Das Gemälde steht aktuell auf einer Staffelei im Restaurierungszentrum Neuenburg. Wie das Bild nach Neuenburg gekommen ist, ist eine kleine kuriose Geschichte, weiß Historiker Cai-Olaf Wilgeroth zu berichten. Im Vorfeld der Schlosspark-Wiedereröffnung rief ihn ein Sammler antiker Gemälde aus Oldenburg an. „Er berichtete mir, das er etwas für mich hätte, ein Ölbild der Neuenburger Jagdhütte von Wilhelm Mohrmann. Dieser malte es seinerzeit für seinen Kollegen Tietjen am Theater.“
Tietjen, so der Sammler, hatte seine Tischlerausbildung einst in den Müllerschen Werkstätten Neuenburg abgeschlossen und war für
Eine Postkarte aus dem Jahre 1923 zeigt die fotografische Vorlage. Die Darstellung in Öl weicht dabei zugunsten einer leicht allegorisierten und dem damaligen Zeitgeschmack entsprechenden Umsetzung ab.
Thorsten Soltau
Eine Darstellung der Neuenburger Jagdhütte auf einem Gemälde des Oldenburger Theatermalers Wilhelm Mohrmann aus dem Jahre 1924. Wahrscheinlich wurde der Rahmen in Handarbeit bei den Müllerschen Werkstätten in Neuenburg gefertigt.
Thorsten SoltauHolzarbeiten im Oldenburger Staatstheater angestellt. Sein Arbeitskollege Mohrmann war dort für die Kulissenmalerei zuständig. „Das Gemälde war ein Geschenk des Staatstheaters an den Tischler Tietjen zu dessen Verlobung“, erläutert Cai-Olaf Wilgeroth.
Auch wenn nahezu 100 Jahre nach Entstehung des Bildes hier Fäden zusammenlaufen: Eine Spur in den Wehdeort will sich indes nicht ganz verfestigen. „Vermutlich wurde der Rahmen hier in den Werkstätten gefertigt, aber eine gesicherte Erkenntnis ist das nicht“, ergänzt der Historiker.
Guter Zustand
Das Gemälde selbst ist in einem altersgemäß guten Zustand. „Die Maltechnik ist sehr robust, es müsste nur gereinigt werden“, führt Cai-Olaf Wilgeroth aus. Lediglich eine Ecke des Rahmens muss ausgebessert werden. Zur Darstellung gehört eine Postkarte von 1923, die das gemalte Motiv als Fotografie zeigt. Hält man beides nebeneinander, werden kleine künstlerische Freiheiten deutlich. „Wilhelm Mohrmann hat das Bild allegorisch angelegt, wenn auch mit realistischem Mittelpunkt“, beschreibt es der Historiker. Der Besitzer hofft, dass das Gemälde nun in Neuenburger Hände kommt – es steht zum Verkauf. Aktuell kann das Bildnis bis Ende September im Restaurierungszentrum Neuenburg zu den Öffnungszeiten besichtigt werden.
