Roffhausen - In ganz Deutschland bleibt Impfstoff im Kühlschrank stehen, weil keiner AstraZeneca-Serum will? Nein: Für Friesland gilt das nicht. Das berichteten jetzt Landrat Sven Ambrosy und der Leiter des Impfzentrums Friesland in Roffhausen, Uwe Nitsche.
Keiner kommt?
Ganz im Gegenteil: Jede verfügbare Dosis wird verimpft – und wäre mehr Impfstoff da, würde auch der schnell verbraucht sein. Laut Nitsche müssen zurzeit viele Friesländer unter 65 Jahren, die von ihrem Hausarzt bereits eine Bescheinigung über die in Impf-Kategorie 2 aufgelisteten Krankheiten erhalten haben, wieder weggeschickt werden. „Sie kommen spontan mit ihrer Bescheinigung, um sich impfen zu lassen.“ Doch anders als andernorts im Land steht eben in Roffhausen kein Impfstoff im Kühlschrank herum, den sonst keiner nehmen mag. Und so muss AstraZeneca weiter strikt nach Prioritätenliste verimpft werden.
So sind auch die Gerüchte nicht wahr, dass im Impfzentrum gähnende Leere herrsche, weil die Impflinge reihenweise einfach nicht kommen, weil sie das AstraZeneca-Serum nicht wollen, betonen Nitsche und Ambrosy. „Nur vereinzelt sagen Impflinge ihren Termin ab zum Beispiel weil sie krank sind“, sagt Nitsche. In diesem Fall erhalten sie direkt einen neuen Termin.
Er nennt folgende Zahlen: Vergangenen Samstag waren 75 Impftermine vergeben – 67 Impflinge sind gekommen. Am Mittwoch standen 115 Impfungen an, am Freitag 140. Die Astra-Zeneca-Impfstraße ist für 150 Impfungen am Tag ausgelegt.
Allerdings: Als es losging mit den AstraZeneca-Impfungen, stellte sich schnell heraus, dass es nicht sinnvoll ist angesichts der starken Impfreaktion, zum Beispiel alle Mitarbeiterinnen eines Pflegedienstes an einem Tag zu impfen. „Denn man muss mit Ausfällen rechnen und die Dienste müssen ja arbeitsfähig bleiben“, sagt Nitsche. Deshalb seien in dieser Situation weniger Leute geimpft worden. „Aber das haben wir schnell umorganisiert“, so Nitsche.
In Friesland hatten Stand Mittwoch 4825 Personen die 1. Corona-Schutzimpfung erhalten – das sind 4,89 Prozent. 2,17 Prozent, 2148 Personen haben bereits die 2. Impfung erhalten. Dass es in Friesland gefühlt so lange dauert, bis die Impfung in Kategorie abgeschlossen ist, liegt daran, dass der Landkreis ein so hohes Durchschnittsalter hat: Rund 10 Prozent der Friesländer sind über 80 Jahre alt, ü80 und ü70 zusammengerechnet, sind das rund 45 000 Personen.
Neben den Impfungen der über 80-Jährigen mit dem Biontech-Serum laufen die Impfungen für alle unter 65 in Kategorie I mit dem Impfstoff von AstraZeneca – Personal in Arztpraxen, Palliativeinrichtungen und ambulanten Pflegediensten.
Die Terminvergabe für die unter 65-Jährigen in Kategorie 1 ist abgeschlossen. Deshalb werden nun unter 65-Jährige aus Kategorie 2 geimpft – Personal von Arzt-/Zahnarztpraxen, Krankenhäusern und Einrichtungen der Eingliederungshilfe. Sie werden vom Landkreis angeschrieben.
Sobald mehr Impfstoff von AstraZeneca geliefert wird, will der Landkreis Impftermine für weitere Personengruppen unter 65 in Kategorie 2 anbieten – für Lehrkräfte, Erzieherinnen, Polizei.
Der Landkreis bittet um Verständnis, dass für die Gruppe der über 70-Jährigen in Kategorie 2 noch keine Anmeldung zur Impfung möglich ist: Sie erhalten ihre Termine zentral über das Impfportal des Landes.
Mutationen
Bisher spielen Mutationen des Corona-Virus’ kaum eine Rolle in Friesland, sagt Dr. Thomas Fuchs, Leiter des Gesundheitsamts. 25-Mal handelte es sich bisher bei Neuinfektionen um eine Mutation – „bei so geringen Fallzahlen kann man kaum Erkenntnisse gewinnen“, so Fuchs. Zwar sei es gelungen, alle Fälle bis zum Einschleppungszeitpunkt aus dem Ausland zurückzuverfolgen, doch mehr Erkenntnisse geben die Fallzahlen nicht her.
