Roffhausen - Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) soll laut einem Bericht des Magazins „Spiegel“ vom Freitag im von Krisen geschüttelten Impfzentrum Friesland viel zu hohe Gehälter abgerechnet haben. Demnach soll der Kreisverband Jeverland mehr als 50.000 Euro im Monat an Lohnkosten eingenommen haben, die nicht an die Mitarbeitenden ausgezahlt wurden. Der DRK-Kreisverband Jeverland habe mit dem Landkreis einen Stundenlohn vereinbart, der bis zu dreimal so hoch war wie die tatsächlich an die Mitarbeiter in Schortens ausgezahlten Gehälter.
Eine Verwaltungsangestellte verdiente laut Gehaltsabrechnung, die dem „Spiegel“ vorliege, im Juli 2.152 Euro brutto, wovon ihr nach Abzug von Steuern und Abgaben 1.502 Euro blieben. Dem Landkreis habe das Rote Kreuz für sie allerdings 6.566 Euro in Rechnung gestellt. Laut dem Vertrag habe das DRK für „impffähiges“ Personal wie examinierte Krankenschwestern und Arzthelfer sogar 8.294 Euro im Monat abrechnen können. Der Bruttolohn dieser Leute für 160 Stunden im Monat betrug laut einer Gehaltsabrechnung, die ebenfalls dem Magazin vorliege, 3.000 Euro. Ausgezahlt bekam die Angestellte nach Abzug der Sozialabgaben und Steuern noch 2.000 Euro.
Landrat Ambrosy zeigt sich enttäuscht
Landrat Sven Ambrosy (SPD) sagte dem „Spiegel“, er hätte sich gewünscht, „dass mehr bei den Leuten vom Impfzentrum ankommt“. Ein Sprecher des Sozialministeriums in Hannover teilte mit: „Aus unserer Sicht sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass die gegenüber dem Landkreis geltend gemachten Stundensätze im Grundsatz auch der Entlohnung der Beschäftigten entsprechen.“ Das Rote Kreuz habe auf eine Anfrage des „Spiegel“ nicht reagiert.
Das Impfzentrum Friesland in Schortens-Roffhausen war im April in die bundesweiten Schlagzeilen gelangt, nachdem eine Krankenschwester zugegeben hatte, in sechs Fällen Impfstoff gegen Kochsalzlösung ausgetauscht zu haben. Als Grund hatte die examinierte Pflegekraft angegeben, dass ihr eine Ampulle mit dem Vakzin zerbrochen sei. Aus Furcht vor einer Entlassung habe sie dann den Impfstoff mit Kochsalzlösung stark verdünnt.
Aufgrund Corona-kritischer Chats der Frau im Internet konnten die Ermittler nicht ausschließen, dass die Frau bereits zuvor mehrfach ausschließlich Kochsalz verwendet hat. Sicherheitshalber wurden rund 10.000 Menschen aufgefordert, sich nachimpfen zu lassen.
